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Viersen
Niederrheinische Stadt hatte viele gelehrte Köpfe

Viersen. Martin von Oed(t) war, wenn auch der wichtigste, nicht der einzige Kempener, der es bis an die Spitze der altehrwürdigen Universität von Köln brachte. Franz Joseph von Bianco, der namhafte Erforscher der Kölner Universitätsgeschichte, nennt als aus Kempen stammende Universitätsrektoren der alten Reichsstadt u.a. Bartholomäus von Kempen (1501), Gerhardus Systorp (1506), Jacobus Hutterus (1590 und 1598), Johannes von Kempen (1592 und 1597), Arnoldus Muserus (1675).

Überhaupt hat Kempen im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit viele gelehrte Köpfe in seinen Mauern gehabt. Und ein Gang durch das Kramermuseum und das Sakralmuseum belegen auf vielfache Weise, dass gerade diese Zeit eine Epoche der kulturellen und kirchlichen Blüte der Stadt war.

Auch die Reformation brachte Kempen mit hoch gebildeten Persönlichkeiten in Berührung. So war der spätere Bremer Reformator Dr. Albert Rizaeus Hardenberg in der Schlussphase des gescheiterten Reformationsversuchs des Kurfürsten und Erzbischofs Hermann von Wied Pfarrer in Kempen. Er war ein Mann von kultivierter Gottesgelehrtheit, weitläufigen Verbindungen und großem Vertrauen beim Kurfürsten.

Wie Thomas von Kempen, der alle überstrahlt, aus Kempen stammend, ist beispielhaft Martinus Duncanus (Martin Donk) zu nennen. Dem begabten und bildungshungrigen Jungen war von Hause aus (sein Vater hatte eine Hofwirtschaft und trank) eine akademische Karriere nicht vorgezeichnet. Aber über die Lateinschule in Kempen, Schul- und Universitätsbesuch in Nijmegen und Löwen gelangte er als wichtiger Kontroverstheologe gegen die Wiedertäufer zu beachtlichem Ansehen. Seine Bücher schrieb er teils in lateinischer teils in niederländischer Sprache. Der Theologe Martin Donk lebte stark aus dem Geist der devotio moderna, der Frömmigkeitsrichtung des Thomas von Kempen.

Wenn sie auch nur über ihren Vater, den Amtmann Wilhelm von Rennenberg, mit Kempen in Verbindung zu bringen sind, ist doch ein Hinweis darauf angebracht, dass dessen Söhne Jaspar und Hermann 1533 in Freiburg mit Erasmus von Rotterdam in einem Hause wohnten und freundschaftlichen Umgang mit ihm pflegten.

Das ausgehende 16. Jahrhundert brachte mit den Brüdern Johann und Aegidius Gelenius bedeutende Persönlichkeiten der frühen rheinischen Geschichtsschreibung hervor. Das bestens recherchierte LVR-Internet-Portal Rheinische Geschichte zählt die Gebrüder "zu den wichtigsten deutschsprachigen Historiogaphen der Frühen Neuzeit". Sie schufen ein umfangreiches Kompendium der kölnischen Geschichte.

Dies sind nur wenige Beispiele für Kempener Geistesgrößen, die das Ansehen der Stadt mehrten und deren Andenken bis heute währt.

(plp)
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