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Brüggen
Niederrheintheater zieht in die Burg

Brüggen: Niederrheintheater zieht in die Burg
Verena Bill und Michael Koenen vom Niederrheintheater ziehen in die Burg Brüggen ein. Wirtschaftsförderer Guido Schmidt und Judith Zybell vom Kulturamt der Gemeinde erwarten die Schauspieler bereits. FOTO: Birgitta Ronge
Brüggen. Zehn Jahre war das Niederrheintheater in Schloss Dilborn beheimatet, jetzt beziehen Verena Bill und Michael Koenen die Burg Brüggen. Für die Niederrheinischen Theaterfestspiele im Sommer bereiten sie eine Kriminalkomödie vor Von Birgitta Ronge

Hoch oben im Burgturm sitzt bald nicht Rapunzel, sondern Verena Bill. Die Schauspielerin und Regisseurin führt mit Michael Koenen seit zehn Jahren das Niederrheintheater. Beheimatet in Brüggen, hatten die Theatermacher in den vergangenen zehn Jahren eine feste Spielstätte in Schloss Dilborn, ein Stückchen außerhalb des Ortes im Wald gelegen. Jetzt kommt das Niederrheintheater mitten in den Ortskern: Im Januar beziehen Bill und Koenen die Burg. Oben, im Seminarraum unterm Dach, werden die beiden bald proben, Workshops und Kurse geben. Im Kultursaal der Burg werden sie Aufführungen zeigen. Im Burginnenhof wird natürlich auch weiterhin Theater gemacht - etwa bei den Niederrheinischen Theaterfestspielen, die 2018 zum neunten Mal stattfinden.

Mit dem Einzug des Theaters wächst die Zahl der Kulturschaffenden in der Burg. Der Gitarrenlehrer Sebastian Bierbaums hat dort schon einen ehemaligen Ausstellungsraum bezogen. Im Band-Proberaum proben die ersten Musiker. Jetzt das Theater. Die Burggemeinde setzt ihr Konzept, das ortsbildprägende Gebäude zur "Kreativ-Hoch-Burg" zu entwickeln, weiter um - um das historische Gemäuer zu beleben und Geld für seinen Unterhalt zu bekommen. In der Burg befinden sich die Tourist-Information der Gemeinde, eine Informationsstelle des Naturparks Schwalm-Nette sowie das Museum Mensch und Jagd. Das Jagdthema beflügele heute nicht mehr die Massen, gibt Brüggens Wirtschaftsförderer Guido Schmidt zu, "der Betrieb ist zutiefst unrentabel". Täglich kämen keine 20 Besucher ins Museum. Die Ausstellung aufgeben kann die Gemeinde aber auch nicht: "Sie ist mit gewaltigen Fördermitteln eingerichtet worden", sagt Schmidt. "Es ist nicht unser Anspruch, das Museum zu schließen. Dann wären Fördergelder zurückzuzahlen." Stattdessen wolle die Gemeinde die "Wertschöpfung" erhöhen.

Einen Teil soll nun das Niederrheintheater beisteuern. Die Beteiligten sprechen von einer Win-Win-Situation. "Wir holen Frequenz hier rein", sagt Bürgermeister Frank Gellen (CDU), und: "Ich habe nichts dagegen, wenn sich jemand vor einer Vorführung das Museum ansieht und sagt: ,Das sehe ich mir mit meinen Kindern noch mal an.'"

Die Theatermacher freuen sich, bald mitten im Ort zu sein. "Wir können Sachen machen, die wir vorher nicht machen konnten", sagt Koenen. "Im Sommer können wir beispielsweise mit den Schauspielschülern nach draußen gehen, das bringt auch Öffentlichkeit." Überhaupt sei die Burg für die Jugendlichen, die an der Sommerschauspielschule teilnehmen, besser zu erreichen als das Schloss im Wald.

Die Idee, dass das Theater gut in die Burg passen würde, hätten Bill und er schon vor Jahren gehabt, sagt Michael Koenen, "aber damals gab es keine Räume". Vor einigen Monaten kam dann der Seminarraum unterm Dach ins Gespräch - und dann ging alles ganz schnell. Jetzt ist der Pachtvertrag unterzeichnet.

Ein Gewinn für beide Seiten sollen auch Ausstattung und Technik sein. "Wir bringen unsere Bühnentechnik ein, die dann auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann", erklärt Koenen. Die Burggemeinde will im Kultursaal eine feste Bühne einbauen, die auch, aber nicht nur, vom Theater genutzt werden kann - oder von Paaren, die sich für eine Ambientetrauung in der Burg entschieden haben.

An der neuen Spielstätte wird das Niederrheintheater ab 2018 alle Aufführungen zeigen. Ins Theaterjahr starten Bill und Koenen mit dem Thriller "Der Anruf", das Stück wird am 24. Februar gezeigt. Am 21. April folgt die Komödie "Das Spiel von Liebe und Zufall", Hauptstück der Niederrheinischen Theaterfestspiele 2017. Wer die Vorstellungen in diesem Jahr verpasst hat, hat dann also noch einmal die Gelegenheit, die Komödie zu sehen.

Das Hauptstück der Theaterfestspiele 2018 bildet das heitere Kriminalstück "Fisch zu Viert", in dem neben Bill und Koenen auch Carmen-Marie Zens und Nadine Schaub zu sehen sind. Im Mittelpunkt stehen drei Brauerei-Erbinnen, denen Diener Rudolf in allen Lebenslagen stets zu Diensten ist - ohne das Wissen der anderen. Als er droht zu plaudern, wird den Frauen klar: Der unbequeme Diener muss weg. Premiere ist am 27. Juli, fünf weitere Aufführungen sind geplant.

Außerdem zeigt das Niederrheintheater das Familienmärchen Hänsel und Gretel und das Schauspiel- und Lese-Event "Wir kommt selten allein" mit Autor Ralph Neubauer. Auch die Aufführungen der Sommerschauspielschule und des Theaterkurses finden in der Burg statt.

Quelle: RP
 
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