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Viersen
Niemand will die "Viersener Kurve"

Viersen: Niemand will die "Viersener Kurve"
Ein Personenzug fährt hoch auf dem Damm durch Viersen. An einigen Abschnitten gibt es heute bereits Lärmschutzwände. Sollte die Viersener Kurve als unmittelbare Verbindung von Dülken in Richtung Anrath gebaut werden, durchschneidet sie die Wohngebiete im Alt-Viersener Ortsteil Rahser. FOTO: Busch
Viersen. Viersens CDU informierte Bürger über Pläne zum Schienenausbau Von Ludger Peters

Der Schock im Rathaus saß tief, als das Bundesverkehrsministerium die "Viersener Kurve" in den Bundesverkehrswegeplan einbaute. Denn hier will das keiner. Angemeldet für die Finanzierung bis 2030 hatte die Region den zweigleisigen Ausbau der Strecke Kaldenkirchen-Dülken. Wer veranlasst hat, die Zweigleisigkeit und die Kurve zu einem Projekt zu machen, weiß - angeblich - niemand.

Im jetzt vorliegenden Planentwurf hat die Zweigleisigkeit es nicht in vorderste Kategorie geschafft. Berlin hatte nicht einmal eine Kosten-Nutzen-Berechnung vorgenommen. Die einzige gute Nachricht betraf den "Eisernen Rhein". "Das ist eine Strecke aus dem 19. Jahrhundert, da soll sie bleiben", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer bei einer Informationsveranstaltung der Viersener CDU. Vorsitzender Marc Peters und Verkehrsexperte Thomas Güttgens wollten erfahren, was Bürger möchten. Die meisten der etwa 60 Besucher äußerten sich skeptisch. Sie befürchten noch mehr Betrieb, mehr Lärm und sehen keinen Nutzen. Die Viersener Kurve kam in der Diskussion kaum vor.

Schummer unterstrich, dass er den politischen Auftrag erhalten hat, sich für die Zweigleisigkeit einzusetzen. Er erwarte klare Positionen des Stadtrats und des Kreistags zum Entwurf für seine Arbeit. Das Land NRW werde sich für die Zweigleisigkeit einsetzen, aber ohne die Viersener Kurve. Das sei die einzige Chance, auch Lärmschutz zu erhalten. Der Nestor der Viersener CDU, Fritz Meies, lehnt alle Änderungen ab. "Die Zweigleisigkeit bedingt, ob nun früher oder später, die Viersener Kurve", behauptete er.

Die CDU-Politiker sahen sich im Laufe des Abends einem Bündel unterschiedlicher Auffassungen gegenüber. Fakten zur Planung gab es kaum, dafür viele Spekulationen. Das Dilemma: Es fehlen eindeutige Informationen über den Frachtverkehr auf der Strecke. Wer fährt Linienverkehr, wohin fährt er, welche Güter transportiert er? Wer ist sonst noch unterwegs mit welchen Frachten und zu welchen Zielen?

So schwirrten unbewiesene und zurzeit unbeweisbare Behauptungen durch die Mensa der Gesamtschule im Rahser. "Der Holländer" wolle nur Frachten von Venlo über Viersen nach Duisburg bringen. Leidtragender sei immer der Viersener. Überhaupt wurde "der Holländer" als Quell allen Übels auf Schiene und Straße ausgemacht. Ein Bürger war darüber entrüstet. Europa werde immer jämmerlicher. Auch hieß es, auf der Strecke seien hochbrisante Gefahrstoffe unterwegs, ohne dass geeignete Sicherheitsvorkehrungen getroffen würden. Die Zahl von derzeit 156 Zügen am Tag (in beide Richtungen) werde um bis zu hundert weitere Züge steigen, der Lärm werde zunehmen, und Bahnübergänge wie am Kampweg in Dülken blieben täglich dann zusätzlich sechs Stunden geschlossen.

Schummer musste bei solchen Erklärungen passen. Der Politik fehlen ganz offensichtlich solche Daten, die Spekulationen erhärten, sie widerlegen oder womöglich übertreffen. Er versuchte zu lieber erläutern, was von der Realpolitik zu erwarten sein wird. "Man hat mich vor einigen Jahren hier in Viersen ausgelacht, als ich höhere Trassenpreise für lärmintensive Güterzüge ankündigte. Sie sind Wirklichkeit. Es wird demnächst auch Nachtfahrverbote für besonders laute Züge geben", kündigte er an.

Quelle: RP
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