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Niederkrüchten
Noch lebt die Hauptschule

Niederkrüchten: Noch lebt die Hauptschule
Zehntklässler der Hauptschule Niederkrüchten. Sie fühlen sich wohl an ihrer Schule. FOTO: Busch
Niederkrüchten. Voraussichtlich in drei Jahren wird die Hauptschule Niederkrüchten endgültig schließen. Die Auslaufphase beginnt schon jetzt. Dennoch herrscht normaler Schulalltag. Es dominiert Gelassenheit – mit einem Schuss Wehmut. Von Jochen Smets

Untergangsstimmung? Nicht die Bohne. An der Hauptschule Niederkrüchten geht alles seinen gewohnten Gang. Auf dem Schulhof herrscht in der Pause fröhliches Stimmengewirr, in der Cafeteria sitzen Schüler entspannt beim Frühstück. Was fehlt, ist das typische Bild in den ersten Tagen eines neuen Schuljahrs: Neulinge, die in einer Mischung aus Neugier und Unsicherheit durch die Gänge wandern – wo war nochmal der Klassenraum, wo die Toilette, und wo geht's zum Sekretariat? Neulinge gibt es nicht mehr. Die Schule wird geschlossen – aber nicht von jetzt auf gleich. Sie läuft langsam aus. Neue Fünftklässler werden nicht mehr aufgenommen. Für die jetzigen Hauptschüler jedoch ändert sich in den nächsten drei Jahren wenig bis gar nichts. Die endgültige Schließung kommt wahrscheinlich 2015. Dann haben die heutigen Acht- bis Zehntklässler ihren Abschluss in der Tasche. Und die verbleibenden Sechst- und Siebtklässler wechseln auf eine andere Hauptschule.

Unter Eltern, Lehrern und Schülern herrscht Gelassenheit, sagt Schulleiter Jakob Mülstroh. Melisa, Philip, Sigourney und Katharina haben sowieso andere Sorgen. Alle sind Zehntklässler, alle stehen vor großen Entscheidungen: Eine Lehre anfangen? Auf eine weiterführende Schule gehen? Melisa möchte auf die Berufsschule nach Dülken. Philip hat gerade sein Jahrespraktikum in einer Schreinerei begonnen. "Wenn's klappt, möchte ich dort eine Ausbildung machen", sagt er. Der Entschluss ist wohlüberlegt, denn die Hauptschule hat ihren Schwerpunkt auf die Hinführung zum Beruf gelegt: Mit dem Projekt "Startklar" in Klasse 8, mit Block- und Ganzjahrespraktika, mit Berufsberatung und einem "Tag der Berufe", in dem Firmen mit ihren Ausbildungsangeboten in die Schule kommen, können die Schüler in viele Bereiche hineinschnuppern. Philip hat Praxiserfahrung als Maurer, Gas-/Wasser-Installateur, Maler/Lackierer und im Holzbau gesammelt. Sigourney will eine Ausbildung als Krankenschwester machen. Katharina will schulisch durchstarten: Sie wird an der Hauptschule die Fachoberschulreife schaffen und strebt danach das Abitur oder Fachabitur an. Dass es die Hauptschule bald nicht mehr gibt, macht das Quartett aber doch ein bisschen traurig. "Man bekommt hier die Chance, etwas aus sich zu machen, wenn man sich anstrengt", meint Sigourney.

Heike Hoffmann und Uschi Münch ist die Hauptschule sehr ans Herz gewachsen. Die Ehrenamtlerinnen betreuen die Schulcafeteria – obwohl ihre eigenen Kinder schon lange nicht mehr auf der Schule sind. "Es ist sehr schade, dass diese Schule ausläuft", sagt Münch. "Hier kennt jeder Lehrer jedes Kind und umgekehrt. Viele Kinder brauchen eine kleine Schule und viel Zuwendung. Das wird fehlen."

Quelle: RP
 
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