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Viersen
Notdienstpraxis: Schnelle Hilfe vor Ort

Viersen: Notdienstpraxis: Schnelle Hilfe vor Ort
Dr. Bernhard Wolf von der Notdienstpraxis und Dr. Peter Gretenkort, Notarzt am Allgemeinen Krankenhaus Viersen (AKH), beantworteten Fragen zur medizinischen Notfallversorgung im Kreis Viersen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. In der RP-Telefonaktion fragten mehrere Leser unserer Zeitung nach, in welchen Notfällen sie die 112 wählen und wann sie zur kostenfreien Nummer der Notdienstpraxis greifen sollten. Von Sabine Janssen

In ihrer ersten Woche als zentrale, kreisweite Notdienstpraxis hatten die Ärzte gut zu tun: Über die Ostertage, vom vergangenen Mittwoch bis zum Dienstagmorgen, zählte das Gesundheitsnetz Viersen (GNV), das die Notdienstpraxis betreibt, 889 Notfälle - davon 68 Hausbesuche. Seit 1. April gibt es nur noch diese eine Notdienstpraxis für den gesamten Kreis Viersen. Die Notdienstpraxis am Nettetaler Krankenhaus hat ihre Türen geschlossen, die Notdienstsprengel im Ostkreis sind aufgelöst. Für Erwachsene wie Kinder ist ab jetzt die bereits bestehende Notdienstpraxis in Dülken zuständig, die im Sommer an das Allgemeine Krankenhaus Viersen (AKH) umziehen wird.

Wann aber suche ich die Notdienstpraxis auf, und in welchen Fällen rufe ich den Rettungswagen über 112? Um die praktischen Fragen der Notversorgung ging es gestern Nachmittag bei der RP-Telefonaktion. Dr. Peter Gretenkort, Chefarzt für Anästhesie und Notarzt am AKH, und der in Niederkrüchten niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Bernhard Wolf beantworteten die Fragen der Leser.

Welche Nummer wähle ich, wenn mein Hausarzt keine Sprechstunde hat?

Diese Frage stellte Rudolf Tillmanns (89) aus Willich-Schiefbahn. "Wenn Sie starke Beschwerden haben, sind Sie bei 112 richtig", erklärte Gretenkort dem 89-jährigen Willicher. "Allerdings landen sie dann mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit stationär im Krankenhaus", prognostizierte der Notarzt. "Wenn Ihre Beschwerden nicht ganz so schlimm sind, können sie die Notdienstpraxis aufsuchen - vorausgesetzt, Sie sind mobil, oder Sie sprechen telefonisch ein Hausbesuch ab, wenn es einige Stunden Zeit hat." - "Ich würde mir ein Taxi nehmen", sagte der rüstige Rentner, der nur für den Ernstfall gerüstet sein will.

Was mache ich bei starken Bauchschmerzen?

Trude Hoppmanns (75) aus Breyell hat über die Feiertage einen Beinahe-Notfall erlebt. "Ich hatte heftige Schmerzen im Oberbauch. Ich habe das mit Kamillentee hinbekommen, aber an wen hätte ich mich wenden sollen?" - "Das ist tatsächlich schwierig", antwortete Allgemeinmediziner Wolf. Bauchschmerzen könnten sogar auf einen Herzinfarkt hindeuten. Ein Anruf in der Notdienstpraxis wäre in jedem Fall richtig gewesen, denn dort sitzen geschulte Arzthelferinnen, die mit den Patienten die Situation abklären und auch zu einem der Ärzte durchstellen können.

Kann ich auch 116117 wählen?

Die Nettetalerin Trude Hoppmanns war angesichts der unterschiedlichen Rufnummern irritiert. "Ja, Sie können auch 116117 wählen. Dann landen sie in einem der bundesweit eingerichteten Callcenter. Für Nettetal-Viersen liegt das in Duisburg, und von dort werden sie weiterverbunden", sagte Wolf.

Gibt es in Nettetal keine Notärzte mehr?

"Wohin gehe ich, wenn mein Sohn epileptische Anfälle hat? In Nettetal gibt es ja keinen Notarzt mehr", sagte eine Leserin aus Lobberich bekümmert. "Das ist ein Missverständnis", klärte Allgemeinmediziner Wolf auf, der seit Jahrzehnten im Notdienst tätig ist. Das Krankenhaus in Nettetal hat weiterhin Ambulanz und Notärzte."

Wo sind die Rettungswagen stationiert?

"Rettungswagen oder Notarzt müssen laut in acht bis zwölf Minuten vor Ort sein", erklärte Gretenkort. Im Kreis Viersen müssen die Kommunen den Rettungsdienst sicher stellen. Es gibt sechs Standorte: Waldniel, Viersen, Willich, St. Tönis, Lobberich und Kempen.

Was passiert, wenn ich einen Rettungswagen gerufen habe, und die Beschwerden sind harmlos?

"Man blockiert im schlimmsten Fall einen Rettungswagen für andere Patienten. Aber ein gewisser Prozentsatz an Eingängen, die nicht so ernst sind, wie sie zunächst scheinen, ist normal", sagt Gretenkort. "Das passiert auch immer wieder, wenn kleine Kinder Fieberkrämpfe haben. Das sieht dramatisch aus für die Eltern." Gerade dann sei es besser einen Rettungswagen zu rufen, als sich aufgeregt und allein mit dem Kind ans Steuer zu setzen.

Quelle: RP
 
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