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Kreis Viersen
Notruf für Schwangere

Kreis Viersen. Ein Angebot für werdende Mütter in Krisen, die keinen Weg sehen, wie sie ein Baby aufziehen können, ist eine zentrale Notrufnummer für Stadt und Kreis Viersen: Unter Ruf 0173/ 270 4000 ist anonyme Beratung möglich. Von Gabi Laue

Niemand weiß, unter welchen Umständen „Philip Montag“ Ende November 2005 zur Welt gekommen ist. Seine Mutter hätte bei einer Schwangeren-Beratungsstelle anrufen können, ohne ihren Namen nennen zu müssen. Doch sie sah wohl keinen Ausweg: Ihren etwa einen Tag alten Jungen fand ein Zivi im Keller des Süchtelner Irmgardis-Krankenhauses. Das Findelkind gab den Anstoß für die Einrichtung einer Notrufnummer für Schwangere: Werdende Mütter, die bestehende Beratungsstellen nicht kennen oder sich nicht hintrauen, finden künftig auf Plakaten im Kreisgebiet die Mobilfunk-Nummer 0173/ 270 4000. Der Arbeitskreis „Mutter-Kind-Gesundheit“ stellte die Aktion gestern vor.

„Wir wissen nicht, wie es der Frau geht, die sich vor zwei Jahren in einer akuten Krise befand. Mit dem Schwangerennotruf möchten wir alle erreichen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll“, sagte Hildegard Vuskans, Beraterin beim Sozialdienst Katholischer Frauen Viersen (SkF). „Es ist ein Angebot für Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen würden. Wir wollen verhindern, dass ein Kind ausgesetzt wird“, ergänzte SkF-Vorsitzende Wilma Quack. Die Anruferin entscheidet selbst, ob sie ihren Namen nennt oder anonym bleibt. Am Handy erreicht sie von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr eine von drei Mitarbeiterinnen der Schwangerschafts-Beratung oder zwei der Adoptionsvermittlung. Außerhalb der Bürozeiten kann eine Nachricht hinterlassen werden oder es wird an die Telefonseelsorge verwiesen.

Dr. Wolf Lütje, Chefarzt der Frauenklinik des Allgemeinen Krankenhauses Viersen, verwies auf die Möglichkeit der anonymen Geburt und den geschützten Rahmen, den das AKH der jungen Mutter bei Vorsorge und Entbindung bieten kann. Niedergelassene Ärzte, der Arbeitskreis ProBe (Prophylaxe/ Begleitung für Schülerinnen) und das Jugendamt zögen mit. Das vor zwei Jahren realisierte Projekt „Familienhebammen“ soll ausgeweitet werden. Ein Pilotprojekt kündigte Dr. Lütje an: Hebammen bilden sich in Viersen erstmals zum „Umgang mit Problemfamilien“ fort. Am AKH legt er auch Wert auf „Bonding“, die Mutter-Kind-Bindung, „um den Start ins Leben so positiv zu gestalten, dass die Basis für Grundbedürfnisse gelegt ist“.

Für Frauen in Ausnahmesituationen kann ein positiver Start ins Leben auch bedeuten, ihr Kind abzugeben. „Das ist verantwortungsvoller, als ein Kind zu töten oder auszusetzen“, sagte Wilma Quack. Dr. Christoph Aring, Chefarzt der AKH-Kinderklinik, erinnerte an die durch das Findelkind aufgeflammte Diskussion um eine Babyklappe. Den Notruf hält er für die bessere Lösung: „Es macht mehr Sinn, schon in der Schwangerschaft Hilfe anzubieten.“ KOMMENTAR

Quelle: RP
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