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Viersen
"Nummer gegen Kummer" braucht Hilfe

Viersen: "Nummer gegen Kummer" braucht Hilfe
Insgesamt 5569 Anrufe erreichten im vergangenen Jahr das Kinder- und Jugendtelefon in Viersen. FOTO: Busch
Viersen. Im Herbst läuft beim Viersener Kinderschutzbund eine neue Ausbildung im Rahmen des Kinder- und Jugendtelefons an. Von Bianca Treffer

5569 Anrufe waren es im vergangenen Jahr, die beim Kinder- und Jugendtelefon in Viersen aufliefen. Ungewollte Schwangerschaften, Mobbing, Familienstress, das Gefühl von der besten Freundin verraten worden zu sein, Unsicherheiten mit der eigenen Sexualität, der Tod eines nahen Familienmitgliedes, sexueller Missbrauch, Schulprobleme - die Gründe für die Anrufe sind unterschiedlichster Natur. Eins haben sie aber alle gemeinsam. Am anderen Ende der Leitung ist ein junger Mensch, der einfach jemanden braucht, mit dem er oder sie sprechen kann. "Ich denke, das wichtigste ist, dass da jemand ist, der zuhört. Der sich einfach Zeit nimmt und den Anrufer mit seinen Sorgen, Nöten und Ängsten ernst nimmt", sagt Michael. Und genau diese Zeit gibt er.

Der Viersener gehört seit nunmehr viereinhalb Jahren zum Team der insgesamt 28 Telefonbetreuer und er weiß, dass er einen mehr als wichtigen Auftrag erfüllt. Der Senior hat früher bei der Gefangenenhilfe gearbeitet und bei den Lebensläufen seiner Schützlinge schnell erkannt, dass diese Menschen als Kind keine richtige Chance hatten und dort schon die Weichen gestellt wurden. "Mit meiner Arbeit beim Kinder- und Jugendtelefon möchte ich ein Stück dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche eine Anlaufstelle haben", betont er. Das ist auch der Grund, warum Christine sich seit 15 Jahren regelmäßig das Headseat im Büro des Sorgentelefons aufsetzt und ein Stück ihrer Zeit ehrenamtlich investiert. "Ich habe selber ein gutes Elternhaus gehabt und war auch für meine drei Kinder immer da. Etwas, was nicht mehr selbstverständlich ist, wie ich seinerzeit schon bei den Freunden meiner Kinder gemerkt habe, die immer gerne zu uns kamen, weil es bei uns Ansprechpartner gab. Wir hatte immer ein volles Haus", berichtet sie.

Herzklopfen vor dem ersten Einsatz am Kinder- und Jugendtelefon hatten beide. "Man weiß nicht, was einen erwartet und ist dementsprechend aufgeregt", erinnert sich Christine. Es zeigte sich aber schnell, dass die vorab absolvierte Ausbildung sowie das Hospitieren einen bestens auf die Arbeit vorbereitet hat. "Wir haben einen sehr guten Ausbilder und unsere Telefonmitarbeiter werden unter anderen in der Ausbildung durch Rollenspiele auf mögliche Situationen vorbereitet. Sie lernen, auch mit den sogenannten alternativen Anrufen umzugehen, wie wir die Anrufe nennen, die nichts mit dem Sorgentelefon zu tun haben", informiert Brigitta Föhr vom Teamvorstand des Kinderschutzbundes (DKSB), Ortsgruppe Viersen und Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons.

Ein halbes Jahr dauert die 60 Stunden umfassende Ausbildung, wobei die neue Ausbildung im Oktober startet. Es gibt ein Start- und ein Abschlusswochenende sowie einen wöchentlichen Termin am Mittwochsabend. Die ersten Interessierten haben sich bereits beim DKSB für die Ausbildung gemeldet, aber "wir brauchen insgesamt 15 Teilnehmer, damit sich die Kosten der Ausbildung, die wir tragen, auch lohnen", sagt Föhr. Elisabeth ist eine derjenigen, die sich für eine Ausbildung entschieden hat und im Oktober mit dieser starten möchte. "Ich wollte schon immer ehrenamtlich arbeiten und der Gesellschaft damit etwas zurückgeben. Ich bin mir sicher, dass die Arbeit auch eine persönliche Bereicherung für mich wird", sagt die Unternehmerin, die sich dafür jetzt einfach die Zeit nimmt. Sie habe großen Respekt vor der Arbeit am Kinder- und Jugendtelefon, aber Sorgen, dass sie damit nicht zurechtkommen könnte, habe sie nicht. Schließlich erhalte man eine gute Ausbildung, fügt Elisabeth an. Für die Telefonbetreuer gibt es zudem regelmäßige Supervisionen und Weiterbildungen.

(Aufgrund der Anonymität des Kinder- und Sorgentelefons wurden die Namen der Telefonmitarbeiter von der Redaktion geändert)

Quelle: RP
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