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Kreuzung in Boscherhausen
"Nur eine gefühlte Unfallhäufungsstelle"

Kreuzung in Boscherhausen: "Nur eine gefühlte Unfallhäufungsstelle"
Der Unfall von Freitag gehört zu den Einbiegen/Kreuzen-Unfällen. FOTO: hah
Niederkrüchten. Viele Niederkrüchtener wissen von Unfällen und Beinahe-Unfällen an der Kreuzung zu berichten. Doch in der Polizeistatistik tauchen kaum Unfälle auf.

Zur Kreuzung Boscherhausen/K9 kann fast jeder in Niederkrüchten eine Geschichte erzählen - von einem Unfall, den er dort beobachtet hat, oder - und das ist noch viel häufiger der Fall - von Unfällen, die um Haaresbreite vermieden wurden. Am vergangenen Freitag hat es dort wieder gekracht. Für die beiden Beteiligten, eine 71-jährige Niederkrüchtenerin und einen 76-jährigen Niederkrüchtener, war es zunächst Glück im Unglück, denn beide blieben unverletzt. Allerdings entstand an ihren Autos hoher Sachschaden.

Die Höhe des Sachschadens spielt eine Rolle bei der Einschätzung, ob es sich bei dieser Kreuzung um eine Unfallhäufungsstelle handelt oder nicht. Bei der Beschreibung einer Unfallhäufungsstelle gibt es sieben Unfall-Kategorien, wobei nur die ersten vier eine Rolle spielen: Kategorie eins beschreibt einen Unfall mit Todesopfer, Kategorie zwei einen Unfall mit mindestens einem Schwerverletzten, drei mit mindestens einem Leichtverletzten und vier einen "schwerwiegenden Verkehrsunfall mit Sachschaden".

Schwerwiegend ist per Definition daran festgemacht, dass mindestens eines der beteiligten Fahrzeuge nicht mehr fahrbereit ist. Das war am Freitag der Fall. Demnach müsste dieser Unfall in die Kategorie vier eingestuft werden.

Außer den Kategorien gibt es sieben verschiedene Unfalltypen: Der Fahrunfall, der besagt, dass ein Fahrer aus irgendeinem Grund die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Der Abbiegeunfall mit dem Verkehr in gleicher Fahrtrichtung oder in Gegenrichtung. Der Einbiegen/Kreuzen-Unfall, bei dem jemand beim Einbiegen mit dem Verkehr auf einer vorfahrtberechtigten Straße kollidiert. Der Überschreiten-Unfall, der dann passiert, wenn ein Fußgänger die Straße kreuzt und angefahren wird. Der Unfall durch ruhenden Verkehr - zum Beispiel beim Ein- oder Ausparken. Der Unfall im Längsverkehr, also beim Überholen. Schließlich der "sonstige Unfall" - zum Beispiel ein Wildunfall oder ein geplatzter Reifen.

Man muss also erstens zwischen den Unfall-Kategorien unterscheiden und zweitens zwischen den Unfalltypen, wenn man eine Unfallhäufungsstelle beschreiben möchte. Der Unfall von Freitag gehört zu den Einbiegen/Kreuzen-Unfällen, weil die 71-Jährige bei dem Versuch, von Boscherhausen in die vorfahrtberechtigte K9 einzubiegen, den Wagen des 76-Jährigen, der in Richtung Niederkrüchten unterwegs war, übersah.

Zum gleichen Unfalltyp, aber zu einer anderen Kategorie, gehört der letzte schwere Unfall dort, als im Januar beim Zusammenstoß zwischen einem Kleinbus und einem Fiat Punto sieben Menschen schwer verletzt wurden. Dieser Unfall fällt in Kategorie zwei - Unfälle mit Schwerverletzten.

Damit eine Kreuzung als Unfallhäufungsstelle anerkannt werden kann, müssen entweder innerhalb eines Kalenderjahres drei Unfälle des gleichen Typs aus den Kategorien eins bis vier passieren, oder innerhalb von drei Jahren drei Unfälle - auch unterschiedlichen Typs - mit Toten und Schwerverletzten, oder fünf Unfälle mit Radfahrern oder Fußgängern, die getötet, schwer oder leicht verletzt wurden.

Der aktuelle Unfall findet also Eingang in die Jahresstatistik, nicht aber in die Zählung über drei Jahre, weil dort Sachschadensunfälle nicht mehr gezählt werden. Überhaupt nicht gezählt werden die vielen Beinahe-Unfälle, von denen die Niederkrüchtener berichten. Eine Nachfrage bei der Polizei ergab, dass es im Jahr 2014 keinen einzigen registrierten Verkehrsunfall dort gab. Bis ins Jahr 2008 zurück ist die Kreuzung nie als Unfallhäufungsstelle aufgefallen.

(hah)
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