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Kreis Viersen
Nutrias zerstören Deiche und Ufer

Kreis Viersen: Nutrias zerstören Deiche und Ufer
Eine Nutria (Archiv). FOTO: Hans Glader
Kreis Viersen. Die Gewässerverbände fordern eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um die Schädlinge zu dezimieren. Niederländische Profi-Jäger sind deutlich erfolgreicher als die deutschen Fallensteller Von Joachim Burghardt

Sie sehen harmlos und possierlich aus, tatsächlich aber sind sie gefräßig und schädlich: "Nutrias bereiten uns große Probleme, weil sie an Gewässerufern wühlen, Böschungen zerstören und sogar Deiche untergraben", klagt Thomas Schulz vom Schwalmverband in Brüggen. Die Wasser- und Bodenverbände in der Region sehen an Schwalm, Niers und Nette und ihren Zuflüssen den Hochwasserschutz ebenso gefährdet wie Renaturierungsmaßnahmen. Weil man der Plage kaum Herr wird, sollen professionelle Nutria-Jäger aus den Niederlanden helfen.

"Die meisten Methoden zur Bekämpfung der Nutrias, das Aufstellen von Fallen beispielsweise, haben sich als nicht sonderlich erfolgreich erwiesen", sagt Schulz. Dabei sei es dringend geboten, den Bestand der Nagetiere zu dezimieren: "Aktuell haben wir wieder eine Stelle an der Schwalm, wo die Böschung abgebrochen ist, weil Nutrias vom Wasser aus das Erdreich am Ufer ausgehöhlt haben." Ein Nutria-Bau reicht einige Meter tief und weit ins Ufer, Deiche können dadurch beim Endringen von Wasser unterspült werden.

Nicht nur die Schwalm, sondern auch die Niers ist betroffen. "Wir haben immer wieder Probleme mit Schäden durch Nutrias, zuletzt im Bereich Wachtendonk", erklärt Wilfried Manheller vom Niersverband. Nicht besser sieht es an der Nette aus: "Wir haben im Bereich Leuther Mühle Stahlplatten ins Erdreich am Ufer rammen lassen, damit Nutrias nicht mehr da bauen können", sagt Marc Heußen vom Netteverband.

Während sich die Wasserverbände um ihre Uferbefestigungen und Deiche sorgen, schlagen Biologen und Naturschützer Alarm, weil Nutrias die heimische Flora und Fauna gefährden: "Die Tiere fressen die Röhrichtbestände kahl, zerstören so auch Lebensräume für andere Arten", sagt Ansgar Reichmann von der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Neuanpflanzungen etwa am sogenannten Rohrdommelprojekt habe man deshalb mit Draht vor Nutrias schützen müssen. Und nicht nur das: "Wir beobachten seit Jahren, dass Nutrias zu Allesfressern werden, sich über Süßwassermuscheln hermachen und so die Nahrungskette unterbrechen", sagt der Biologe und Geschäftsführer der Biologischen Station.

Reichmann verschließt sich deshalb nicht einer Bejagung: "Ich sehe keine andere Möglichkeit." Das Problem dabei: Nutrias als Art, die ursprünglich nicht hier heimisch ist, unterliegen nicht dem Jagdrecht. Sondergenehmigungen für den Abschuss werden zwar in der Regel erteilt, bringen aber nicht viel: "Jeder Jäger schießt nur in seinem Revier, da ist eine gebündelte Strategie kaum möglich", bedauert Schultz vom Schwalmverband.

Immerhin, die Wasserverbände zahlen eine "Schwanzprämie" für jede erlegte Nutria, der Schwalmverband zum Beispiel sechs Euro pro vorgelegtem Nutriaschwanz. Laut Schulz kommen da "jährlich so 300 bis 400 getötete Tiere zusammen". Was sich als nicht nachhaltig erweist, denn weibliche Nutrias können dreimal im Jahr jeweils fünf bis acht Junge bekommen. Nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) wurden in NRW im vergangenen Jahr über 8000 Nutrias geschossen.

Erfolgreicher ist man mit der Bekämpfung in den Niederlanden, wo der Bestand von Deichen und Dämmen überlebensnotwendig ist, weil ein Großteil des Landes unter dem Meeresspiegel liegt: "Dort haben professionelle Nutria-Jäger die Tiere ziemlich dezimiert. Sie klagen aber, dass aus der deutschen Grenzregion immer welche in die Niederlande einwandern würden", berichtet Schulz.

Die deutschen Boden- und Wasserverbände und ihre niederländischen Pendants plädieren deshalb dafür, dass Profis aus dem Nachbarland im grenznahen deutschen Raum Nutrias bejagen dürfen, wovon beide Seiten profitieren würden. Dazu Manheller vom Niersverband: "Wir haben das Anliegen bei der Bezirksregierung vorgetragen". Entscheiden müssten aber letztlich die zuständigen Ministerien, sagt Manheller.

Für einen Erfolg indes muss laut Schulz ein Umdenken in der Bevölkerung einsetzen. "Leider werden immer wieder Nutrias durch Fütterungen auch in Siedlungsbereiche gelockt, in denen eine Jagd schlecht möglich ist," sagt der Schwalmverband-Geschäftsführer. "Das Füttern der Tiere ist verboten und kann mit einem Bußgeld bestraft werden, aber manche Leute scheinen unbelehrbar."

Quelle: RP
 
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