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Viersen
Perfekte Symbiose aus Fotos und Skulpturen

Viersen. In der 700 Jahre alten Clörather Mühle sind in der "Sommergalerie" zurzeit Kunst-Fotografien und Stein-Objekte zu sehen Von Jiota Kallianteris

Fine-Art-Fotografie trifft Bildhauerei und beide vereinen sich innerhalb und außerhalb der Clörather Mühle zu einer Kunstausstellung der besonderen Art. In der "Sommergalerie" zeigen die Künstler Manfred Mangold (Bildhauerei) und Fotograf Norman Guy gemeinsam mit Ruth und Ludwig Mertens, den Eigentümern der alten Kornmühle, ihre Werke. Das Projekt entstand in Eigenregie der Beteiligten, die - aller Gegensätzlichkeiten zum Trotz - in einer harmonischen und gelungenen Balance zusammengefunden haben, ohne dabei ihre Individualität zu verlieren.

Die historische Kornmühle, inmitten der natürlichen und wilden Landschaft der Niersauen gelegen, bietet für diese Kunstausstellung den perfekten Rahmen, um der Vereinigung der Gegensätze den benötigten Raum zu geben. Rund 90 Gäste haben die Eröffnung am vergangenen Samstag besucht.

Dabei werden die Kunstobjekte einmal auf filigranem Fotopapier an das über 700 Jahre alte Mauerwerk angebracht, und gleichzeitig das grobe Material Stein in die Landschaft und auf zwei Geschossen in die so genannten "Mahlgänge" der Mühle integriert. Der Betrachter taucht nicht nur visuell, sondern auch physisch in das Kunsterleben ein. Er kann sich der Atmosphäre, gebildet aus den eingehausten Mahlwerken mit den Mühlsteinen und Zahnrädern, die von dorisch anmutenden Eichensäulen getragen werden, hingeben und die Skulpturen auch berühren.

Wohingegen die Fotografien unberührbar bleiben und nur zu betrachten sind. Sie würden durch Berührung ihren Glanz verlieren. Norman Guy gelingt es, gewöhnliche Ansichten spröde realistisch, anmutig romantisch, aber auch surrealistisch darzustellen. Die Bilder leben vom Spiel mit dem Licht, der perfekten Inszenierung von Modellen oder Objekten, und der Benutzung von analogen Kameras. Mit seiner individuellen Handschrift bearbeitet Guy die Fotografien, bevor sie auf klassischem Fotopapier ausbelichtet werden. Oftmals fragt sich der Betrachter, ob er tatsächlich auf eine Fotografie oder nicht doch auf ein Ölgemälde schaut. Besonders eindrucksvoll wirkt dieses Phänomen bei dem Werk "Hommage an Pieter Claesz", des flämisch-niederländischen Stillleben-Malers aus dem 16. Jahrhundert.

Blickt man vom Obergeschoss hinab in die Tiefe und auf den Mühlgraben, durch den die Niers vor ihrer Begradigung floss oder schaut aus den hohen Fenstern hinaus in die Landschaft, so ragen die Skulpturen des Steinbildhauers Manfred Mangold wie erhabene Urgesteine in den Himmel. Dennoch sind sie harmonisch eingebettet in die Natur, aus der Mangold alle Materialien für seine Werke bezieht. Eindrucksvoll scheint die aus Gneis bestehende Skulptur "Metamorphose" aus dem Boden zu wachsen. Der raue Stein wirkt zunächst hart und undurchdringbar, zeigt jedoch nach und nach seine Nachgiebigkeit und ein kleines Stück seines inneren Glanzes, wird brüchig und lässt am Ende vier strahlend glatte und fein geschliffene Oberflächen hervorbersten. Mangold hat mit dieser Skulptur ein perfektes Zusammenspiel von groben Formen und glatt ausgearbeiteten Details geschaffen. Die Fantasie des Betrachters wird angeregt. Man fühlt sich erinnert, vielleicht an die eigenen Metamorphosen, die von Wechselbädern der Gefühle begleitet wurden, und die der Bildhauer hier in Stein gemeißelt hat.

Zahlreiche weitere Werke beider Künstler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sind in perfekter Symbiose in das urige Ambiente der Clörather Wassermühle mit ihrer blühenden Landschaft integriert. Die Besucher können auf ihrem Rundgang durch Gebäude und Umgebung immer neue Details entdecken und erleben den Kunstgenuss vielseitig: mal dynamisch von einer Skulptur zur nächsten gehend und sie berührend, um dann, versunken in ruhiger Betrachtungen der Fotografien dazustehen. Es ist ein ungewöhnliches Kunsterlebnis, das Zeit und Neugier fordert, dafür jedoch mit beeindruckenden Impressionen belohnt.

Quelle: RP
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