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Serie Vor 200 Jahren
Peter Joseph von Monschaw

Viersen. Der erste Landrat des Kreises Kempen steht am Anfang einer Reihe erfolgreicher Nachfolger Von Prof. Dr. Leo Peters

Kempen/oedt "Ein Gott im Himmel, ein König in Berlin und ein Landrat im Kreise". Dieses gängige Bonmot aus dem 19. Jahrhundert deutet auf originelle Weise an, welch' wichtige Rolle ein königlich-preußischer Landrat spielte. Er war der Vertreter des Königs im Kreis, ihm unterstanden die Bürgermeister.

Der vor 200 Jahren gegründete Kreis Kempen (1816-1929) hat markante Landratspersönlichkeiten aufzuweisen. Den meisten war zudem eine vieljährige Dienstzeit vergönnt, und alle konnten sie wirkungsvoll ihres Amtes walten. Von allen haben wir Abbildungen - bis auf den ersten, nämlich Peter Joseph von Monschaw (gesprochen: Monschau). Von ihm sind lediglich Schriftproben erhalten. Er kam vor 200 Jahre ins Amt und soll hier vorgestellt werden als eine Beamtenpersönlichkeit, dem der Kreis Kempen viel zu verdanken hat.

Geboren wurde er am 13. September 1768 in Köln als Spross einer angesehenen und wohlhabenden Beamtenfamilie, deren männliche Mitglieder sich auf Grund eines Patentes von Kaiser Franz I. von 1756 "Reichsritter und Edler von Monschaw" nennen durften. Sein Geburtshaus in der Kölner Rheingasse in der Nähe des Overstolzen Hauses unterstreicht den gesellschaftlichen Anspruch der Familie. Den belegt auch ein prachtvolles Gemälde der Familie von Monschaw im Wallfraf-Richartz-Museum. Vom renommierten Kölner Gymnasium führte sein Weg zur Universität seiner Heimatstadt, wo er die juristischen Studien mit dem Titel eines "magister artium" abschloss.

Von Monschaw gehörte zu den nicht wenigen Persönlichkeiten seiner Zeit im Rheinland, die öffentliche Ämter im alten Römischen Reich Deutscher Nation, unter französischer Herrschaft und unter dem preußischen Adler bekleideten, die also gleich mehrere grundlegende politische und gesellschaftliche Systemwechsel überstehen mussten. 1792 gehörte er unter die Kölner Ratsherren, 1796 war er Mitglied der französischen Munizipalität von Köln. Die Vermögensverhältnisse der Familie verschlechterten sich unter dem revolutionären Regime beträchtlich und von Monschaw verschlug es an den Niederrhein, wo man ihn 1811 als Niersinspektor und 1812 als Maire von Oedt antrifft. In Oedt hatte er das adelige Dückerhaus erworben, wo er bis zu seinem Tod 1840 lebte.

Aber seine Fähigkeiten wurden zu Recht höher eingeschätzt als sie im Amt eines Bürgermeisters von Oedt erwartet wurden. Und die Preußen störte die vormalige Zusammenarbeit mit dem französischen Regime wenig. Es rollten nicht gleich reihenweise die Köpfe der alten Verwaltungselite. So konnte auch Peter Joseph von Monschaw nahtlos in den preußischen Dienst übernommen werden. 1815 nahm er an der Erbhuldigung der Rheinlande für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. in Aachen teil.

Am 1. Mai 1816 wurde Peter Joseph von Monschaw zum ersten Landrat des nur zehn Tage zuvor gebildeten Kreises bestimmt, zunächst kommissarisch, ab 1817 endgültig. Nach preußischen Grundsätzen hatte er eine Kreisverwaltung gleichsam aus dem Nichts aufzubauen. Man wird sie sich kaum bescheiden genug vorstellen können. Wahrscheinlich ging die Verwaltung zunächst teilweise vom Dückerhaus bei Oedt aus. Sehr unvollkommen sah es auch in manchen Gemeindeverwaltungen aus. Noch 1838 wurde in Lobberich und Oedt darauf gedrängt, die Verwaltungslokale nun endlich aus den Wirtshäusern zu verlegen.

Der Geschäftsbereich des Landrates umfasste Sicherheits-, Feuer- und Baupolizeisachen, das Gesundheitswesen, Militärangelegenheiten, Kommunal-, Armen-, Gewerbe- und Ackerbauwesen, die Forst- und Jagdpolizei, Getreidepreise, Aufsicht über Maße und Gewichte, Landstraßenwesen, Aufsicht über das Staatseigentum sowie das Steuerwesen. Weisungsbefugt war Peter Joseph von Monschaw gegenüber den Ortsobrigkeiten der kreisangehörigen Städte und des platten Landes. Strafrecht bis zu einer Strafhöhe von zwei Tagen Gefängnis oder fünf Taler stand den Landräten ebenfalls zu. 1837 nahm von Peter Joseph von Monschaw aus Gesundheitsgründen fast 70-jährig seinen Abschied.

Verheiratet war er mit Maria Anna Pauli. Von den drei Töchtern verschlug es zwei in die USA. Von den beiden Söhnen wurde Karl preußischer Notar und Justizrat. Als erfolgreicher und tüchtiger Verwaltungschef steht Peter Joseph von Monschaw am Anfang einer Reihe von allesamt qualifizierten Beamten bis zum Ende des Kreises Kempen 1929: Maximilian Anton Foerster (1839-1876), Rudolf Freiherr von Bönninghausen (1877-1903), Hermann Strahl (1803-19189 und Karl von Hartmann-Krey (1918-1929).

Quelle: RP
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