| 00.00 Uhr

Kreis Viersen
Pfarreien waren schneller als der Papst

Kreis Viersen: Pfarreien waren schneller als der Papst
FOTO: Jobu
Kreis Viersen. Einige Kirchengemeinden haben den Appell aus Rom längst umgesetzt, Flüchtlingsfamilien in Pfarrhäusern wohnen zu lassen. Manche Pastöre wollen sich zuerst mit den Kommunen abstimmen. Von Joachim Burghardt

Aus Angst um Leib und Leben seit Wochen auf der Flucht: Die junge Frau aus dem Nahen Osten sucht für sich, ihr Baby und ihren Lebensgefährten zunächst nichts anderes als eine sichere Unterkunft. "In solch einem Fall zu helfen, da sind nicht nur die Gemeinden gefragt, das ist ganz einfach Christenpflicht", meint Wolfgang Türlings. Der Brüggener Diakon begrüßt deshalb grundsätzlich den Aufruf des Papstes, katholische Pfarrhäuser sollten Flüchtlingsfamilien aufnehmen. Wie aber halten es die Gemeinden in der Region überhaupt mit dem Appell aus Rom?

"Das sagt sich so leicht, Flüchtlinge in Pfarrhäusern unterzubringen", mahnt Günter Puts, Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden in Nettetal. Zum einen müsse man prüfen, ob es überhaupt geeignete Gebäude in den Pfarren gebe, zum andern müsse "so etwas vernünftig koordiniert" werden: "Wir stehen mit den Behörden in Nettetal in Kontakt, wenn da ein Bedarf angemeldet würde für eine Wohnung für Flüchtlinge, dann müssten sich auch die Pfarren unter einander abstimmen", stellt der Pfarrer von Breyell und Schaag klar. In seinen Gemeinden gebe es derzeit keine geeigneten Gebäude, die leer stünden.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Stimmen nach dem Motto, der Papst in Rom habe leicht reden, sind durchaus zu hören in einzelnen Gemeinden. Aber es gibt auch ernsthafte Bemühungen und Initiativen wie etwa in Viersen, wo man "schneller als der Papst" war: "Wir haben schon im Mai in einem alten Pfarrhaus eine Wohnung hergerichtet", berichtet Roland Klugmann, Pfarrer im Gemeindebezirk St. Remigius Viersen.

Angesichts der Not vieler Menschen auf der Flucht habe man in einem ersten Schritt mit der Stadt gesprochen und mit den Gemeindemitgliedern, dann eine leere Wohnung bewohnbar gemacht: "Das war ganz schön Arbeit, aber wir hatten erfreulicherweise viele Helfer", so Klugmann. Bei dieser einen Bleibe für eine Flüchtlingsfamilie soll es nicht bleiben. Der Pfarrer weiter: "Doch es geht nicht allein um Wohnungen, in kirchlichen Häusern findet Sprachunterricht statt, von hier aus werden Aktivitäten von Ehrenamtlern mit Flüchtlingen unternommen."

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Auf einen anderen Aspekt verweist Gemeindereferent Bernhard Müller; schließlich habe sich die Kirche auch vor der aktuellen Flüchtlingssituation immer schon um Zuwanderer gekümmert: "Als vor Jahren in St. Clemens in Kaldenkirchen die frühere Kaplanei frei wurde, haben wir die Wohnung einer Migrantenfamilie angeboten, die bis heute da wohnt."

Passenderweise werde im Anbau, dem Familienzentrum Brigittenheim, Flüchtlingshilfe groß geschrieben, etwa durch Betreuung von Kindern sowie die Annahme und Verteilung von Kleider- und Sachspenden.

FOTO: jobu

Mitunter aber scheint es gar nicht so einfach, Flüchtlinge in einem kirchlichen Gebäude wohnen zu lassen, wie Regionaldekan Johannes Quadflieg schildert: "Wir haben erlebt, dass Ämter sich schwer damit taten, weil es für den Umzug einer Familie aus einer Notunterkunft in ein Pfarrhaus keine Statuten gab." Doch trotz "viel Hickhack mit der Behörde" habe man bereits im vergangenen Jahr in einer Grefrather Pfarrgemeinde eine Flüchtlingsfamilie aus Ägypten untergebracht.

Der Appell des Papstes, führt Quadflieg aus, sei eine Bestätigung, auf diesem Weg weiterzumachen, und nicht nachzulassen in der Flüchtlingsarbeit: "Hilfe für diese Menschen in Not ist ein ständiges Thema, ob im Regionalpastoralrat, in den einzelnen Gemeinden, bei den Kontakten mit den Kommunen, mit den erfreulich zahlreichen Ehrenamtlern." Durch die Hilfe für Flüchtlinge, auch durch die gute Willkommenskultur, betreibe man "nach meinem Verständnis Seelsorge an den Menschen".

Ähnlich sieht das Diakon Türlings: "Der Papst-Appell ist genau unsere Botschaft". Türlings weiter: "Vergessen wir nicht, Maria und Josef mit Jesus, das war ja auch eine Flüchtlingsfamilie!" Eben jene junge Frau mit dem Baby und ihrem Lebensgefährten aus dem Nahen Osten.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Viersen: Pfarreien waren schneller als der Papst


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.