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Viersen
Pfarrer Bublitz verabschiedet sich

Viersen. Nach knapp 28 Jahren in Viersen geht Günter Bublitz in Rente. Doch er will die evangelische Kirchengemeinde Viersen weiterhin unterstützen Von Nadine Fischer

Die Haustür ist offen, vor dem Eingang parkt ein bepackter weißer Lieferwagen. Pfarrer Günter Bublitz kommt aus seinem Arbeitszimmer im Erdgeschoss, steht im Hausflur und lächelt leicht verlegen: "Machen Sie die Augen zu. Wir sind mitten im Umzug." Dabei wirkt es im Flur gar nicht so unordentlich, auch nicht im Arbeitszimmer. Die Bücherregale sind gefüllt mit theologischen Werken und Belletristik. Der 65-Jährige hat also noch ein paar Kartons zu packen, bevor er zum letzten Mal von außen die Haustür zuzieht. Knapp 28 Jahre haben seine Frau Elisabeth und er schräg hinter der evangelischen Kreuzkirche an der Hauptstraße in Viersen gewohnt. Jetzt verabschiedet sich der Pfarrer in den Ruhestand und übergibt den Hausschlüssel an einen Nachfolger.

Bublitz kommt gebürtig aus der Niederlausitz. "Meine Schul- und Lümmeljahre habe ich in Eisenach verbracht", erzählt er. An der Humboldt-Universität in Berlin studierte er Theologie, arbeitete danach zwei Jahre als Studieninspektor im Theologischen Konvikt. "Während dieser Zeit lief mein Ausreiseantrag. Die DDR war mir in jeder Hinsicht geistig zu eng." Im Juli 1979 durfte er sie verlassen, "meine Frau ist im Kofferraum eines Autos nachgereist". Die beiden zogen nach Bonn. Dort war Bublitz Vikar, danach Hilfspfarrer in der Eifel oder wie er es nennt: "Papa für alles". Von 1985 bis 1990 war er als Pfarrer in Düsseldorf - "dann sind wir mit unseren fünf Kindern nach Viersen geflüchtet".

In der Großstadt wohnte die Familie an einer sechsspurigen Straße, auf der vierten Etage eines Mietshauses. Das sei einfach zu laut gewesen, sagt Bublitz. "Viersen hat uns viele gute Möglichkeiten eröffnet", ergänzt er. Weg wollte Bublitz nie: "Wenn man mit der Gemeinde gut kann und die Gemeinde mit einem, dann bleibt man." Die Ausländerbehörde hingegen sei manches Mal an ihm verzweifelt. So kritisierten seine Frau und er zum Beispiel im Juli 2016 öffentlich, dass die Stadt eine albanische Familie abschieben ließ: "Bei Nacht und Nebel, das hat mich sehr aufgeregt." Ein paar Monate später hätten sie für zwei Wochen einem jungen serbischen Roma Kirchenasyl gewährt. "Er durfte in Deutschland bleiben."

Nach rund 30 Jahren als Pfarrer hält Bublitz nun am Sonntag zum letzten Mal vor dem Ruhestand einen Gottesdienst. "Das war immer meine liebste, aber auch schwerste Tätigkeit", erzählt er. Es sei ein sehr aufwendiger Prozess, eine Predigt zu schreiben - eine, die sich nicht zu sehr von den Bibeltexten löst. "Wir brauchen eine neue Rückbesinnung auf unsere Quellen und auf die Substanz unseres Glaubensbekenntnisses", betont der 65-Jährige.

Seine Kinder und sieben Enkel werden am Sonntag auch in der Kirche sein. Mit ihnen möchte er künftig mehr Zeit verbringen. "Ich werde meiner Frau auch ein bisschen bei ihrer Rumänien-Hilfe unter die Arme greifen", sagt Bublitz. Außerdem werde er viel lesen, skandinavische Krimis, Sachbücher mit philosophischen Themen, Bücher über Religion. "Ich bin ja nach wie vor Theologe. Das ist meine Passion." Als erstes kümmern seine Frau und er sich aber darum, das neue Haus in Viersen-Noppdorf wohnlich einzurichten. "Ich freue mich sehr auf den Ruhestand", sagt Bublitz, doch betont: "Wenn mich die Gemeinde braucht, springe ich ein. Mit dem Rad sind es vom Noppdorf nur fünf Minuten bis zur Kreuzkirche."

Quelle: RP
 
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