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Viersen
Pianistin mit atemberaubender Technik

Viersen. Sophie Pacini brillierte in der Festhalle — mal spielte sie rasant, mal ganz zurückgenommen Von Heide Oehmen

Beim dritten Kammerkonzert in der sehr gut besuchten Festhalle war die deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini zu Gast. Sie begeisterte ihr Publikum nicht nur mit brillantem, interpretatorisch ausgereiftem Klavierspiel - sie wusste auch mittels fundierter, knapp gefasster, teils humoriger Erklärungen vor jedem ihrer Vortragsstücke die Zuhörer auf willkommene Weise einzubeziehen.

Vor allem das Eingangswerk, die beinahe düstere Sonate Nr.14 a-Moll D784 von Franz Schubert, die 1824 - parallel zu seiner berühmten "Unvollendeten" - entstand, wusste die international beschäftigte, weit gereiste Künstlerin gut nachvollziehbar zu erklären. Schubert hatte, als er die Sonate komponierte, die niederschmetternde Nachricht erhalten, dass er an Syphilis leide, was zumindest zu dieser Zeit ein Todesurteil bedeutete. Die Kämpfe, die er mit sich ausstehen musste, wusste Pacini durch ihr ausdrucksstarkes Spiel und den Ernst ihrer Wiedergabe den Zuhörern fesselnd nahezubringen.

Fröhlicher ging es bei Frédéric Chopin zu - bei seiner Polonaise-Fantasie As-Dur op.61 und mehr noch beim Fantasie-Impromptu cis-Moll op.post.66 (mit einer mehrmals wiederkehrenden, Ohrwurm verdächtigen Melodie im Mittelteil) konnte die Pianistin mit ihrer atemberaubenden Technik, die anmutet, als sei Klavierspielen ein Kinderspiel und ihrer überlegten, von hoher Musikalität kündenden Interpretationskunst überzeugen.

Auch zu Robert Schumanns frühem "Carnaval" op.9, in dem der Komponist unter anderem seine spätere Frau Clara und Chopin charakterisiert, wusste Sophie Pacini Wissenswertes zu erklären, bevor sie die 22 kurzen Sätze überlegt strukturiert und - ihren Eigenarten entsprechend - mal ganz zurückgenommen, mal in rasantem Tempo spielte und damit das Auditorium zu rauschendem Beifall animierte.

"Als Zugabe setzen wir noch einen drauf", sagte die Pianistin am Schluss des Kammerkonzerts, und das tat sie dann auch mit Franz Liszts sechster "Ungarischer Rhapsodie".

Quelle: RP
 
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