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Kreis Viersen
Pipi-Petition: Arbeitgeber in der Pflicht

Kreis Viersen. Die Bürgermeister im Kreis Viersen sollen sich dafür einsetzen, dass mehr Toiletten für Busfahrer geschaffen werden. Die Verwaltungschefs hingegen sagen, das sei Sache der Verkehrsunternehmen Von Martin Röse U. Birgitta Ronge

Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, hat es im Kreis Viersen nicht leicht. Öffentliche Toiletten gibt es kaum, vorhandene werden oft abends abgeschlossen. Kürzlich hatten 170 Busfahrer aus dem Kreis Viersen eine Petition an die Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Kreis auf den Weg gebracht. "Wir fordern Sie auf, in Kooperation mit den Nahverkehrs- und Busunternehmen im Liniennetz des ÖPNV Kreis Viersen ausreichende Möglichkeiten zum Toilettengang zu schaffen", schrieben sie den Bürgermeistern. Insbesondere in Viersen sehen die Busfahrer ein Problem: Sie fordern, dass sich Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) dafür einsetzt, dass am Busbahnhof in Süchteln ein Pausenraum mit Toilette eingerichtet wird, und dass die Toiletten am Viersener Bahnhof wieder geöffnet werden. Diese sollen, so kündigte Viersens Kämmerer Norbert Dahmen an, auf Kosten der Stadt gebaut werden. Wann, sagte er nicht.

Bürgermeister im Kreis Viersen äußern Verständnis für die Nöte der Busfahrer, die berichten, dass sich Kollegen in Gebüschen erleichtern oder Eimer dabei haben, die sie bei Bedarf nutzen. Die Gemeinde Schwalmtal werde nun Gespräche mit Verkehrsunternehmern führen, kündigte Bürgermeister Michael Pesch (CDU) an. In Waldniel allerdings scheine die Lage für die Busfahrer nicht ganz so prekär zu sein wie in Viersen, so Pesch: An der zentralen Haltestelle an der St.-Michael-Straße gebe es eine Toilette, die nicht nur den Busfahrern im ÖPNV, sondern auch den Fahrern des Bürgerbusses zur Verfügung stehe.

In Brüggen soll in der nächsten Ratssitzung über die Petition der Busfahrer gesprochen werden. Dort gebe es an den wesentlichen Haltestellen die Möglichkeit, eine Toilette zu nutzen, erläutert Gerd Schwarz, allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters. In Brüggen können die öffentlichen Toiletten im Burginnenhof und im Rathaus genutzt werden, in Bracht die Toiletten in der Verwaltungsnebenstelle, in Born steht eine Toilette an der "Dorfschänke" zur Verfügung, die die Gemeinde gemietet hat. Geht es um die Petition, sieht Schwarz die Arbeitgeber in der Pflicht: "Es kann nicht Aufgabe der Gemeinde sein, Pausenräume zur Verfügung zu stellen. Das ist eine originäre Aufgabe der Verkehrsunternehmen."

Das sieht auch Niederkrüchtens Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) so: "Hier ist der Arbeitgeber gefragt, nicht die Kommune." In Elmpt halte der Bus bei McDonald's, dort hätten Busfahrer die Möglichkeit, die Toilette aufzusuchen. Dafür gebe es eine Vereinbarung mit dem Unternehmen. Sollte eine Buslinie in Zukunft auf das ehemalige Flugplatzgelände weitergeführt werden, werde es auch dort eine Möglichkeit für Busfahrer geben, eine Toilette zu benutzen. "Wenn es darüber hinaus Bedarf gibt, zeigen wir uns kooperativ", sichert Wassong zu. In Viersen betrachtet man das Problem der Busfahrer ebenfalls als Sache der Verkehrsunternehmen: "Das Schaffen von Sozialräumen für Arbeitnehmer ist Aufgabe des Arbeitgebers", sagt Stadtsprecher Frank Schliffke. "Es gibt auch viele andere Berufstätige, die im Außendienst sind, für die können wir auch keine Toiletten bauen."

Das Problem der Busfahrer sei seit Jahren bekannt, erklärt der Chef eines Verkehrsunternehmens. Eine Weile habe man mobile WCs aufgestellt, doch nachdem diese immer wieder beschädigt worden seien, gebe es sie nicht mehr. Und nicht an allen Endhaltestellen, beispielsweise am Viersener Bahnhof, gebe es Toiletten. Bei der NEW mobil hingegen sind keine Klagen von Arbeitnehmerseite bekannt: "Für das Kreisgebiet Viersen liegen dem Unternehmen keine Beschwerden der Mitarbeiter vor", sagt Sprecherin Kathrin Schreiber. NEW-Busfahrer könnten an sechs Standorten Toiletten benutzen, nämlich am Busbahnhof Viersen, wo es auch einen Pausenraum für die NEW-Fahrer gibt, am Busbahnhof Süchteln, in Brüggen, Elmpt, Schiefbahn und Willich.

Bei der Suche nach Toiletten sieht sich die SWK als Unternehmen in der Pflicht. "Wir fühlen uns als Arbeitgeber in der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern", sagt Sprecher Dirk Höstermann. Den Viersener Bahnhof, der von den Busfahrern in ihrer Petition genannt worden war, fahre die SWK nicht an. An anderen Standorten nutze man die vorhandene Infrastruktur: In Süchteln gebe es etwa am Busbahnhof einen Kiosk, mit dem das Unternehmen eine Vereinbarung getroffen habe. Dort dürften SWK-Fahrer die Toilette benutzen. "Und wo es diese Infrastruktur nicht gibt, stellen wir Dixie-Klos auf."

Quelle: RP
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