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Brüggen
Politiker kritisieren Klima-Management

Brüggen. In Brüggen beraten die Fraktionen, ob die Klimaschutz-Managerin für zwei weitere Jahre beschäftigt werden soll. Sie fordern, das Energie-Management für gemeindeeigene Gebäude endlich anzugehen. Noch fehlt die Software dafür Von Birgitta Ronge

Wie viel Energie verbraucht das Hallenbad, das Rathaus oder die Grundschule? Und was passiert, wenn die Grundschule neue Fenster und eine neue Heizung bekommt? Sinken dann die Heizkosten und der Kohlendioxid-Ausstoß so deutlich, dass man sagen kann: Ja, die Maßnahme war zwar teuer, aber sie hat sich gelohnt?

Das sind Fragen, die die Ratsherren und -frauen in Brüggen umtreiben - und zwar schon seit Jahren. 2014 hatte die CDU beantragt, für das Gebäude- und Klimamanagement der Gemeinde ein Controlling-System und ein Berichtswesen einzuführen. Seit Jahren investiere die Gemeinde bei Neubau- und Renovierungsprojekten in moderne Haustechnik, etwa Blockheizkraftwerke, Photovoltaikanlagen oder Hackschnitzel-Heizungen sowie eine bessere Wärmedämmung.

Stets stellten Planungs- und Ingenieurbüros den teilweise sehr hohen Investitionskosten Berechnungen gegenüber, was man in den Folgejahren an Energie und Kosten einsparen werde. Doch ob diese Einsparziele tatsächlich erreicht werden, lasse sich bisher nicht belegen, argumentierte die CDU. Und das zu wissen, sei doch wesentlich, um künftig bei Neubauten oder Renovierungen entscheiden zu können. Außerdem könnte man dann auch - im Einklang mit dem in Brüggen 2013 verabschiedeten Klimaschutzkonzept - feststellen, wie viel Kohlendioxid durch die Maßnahme eingespart wurde. Diese Arbeit würde ideal in den Aufgabenbereich des Klimamanagers passen, meinte die CDU. Und dem stimmte der Ausschuss für Bauen und Klimaschutz damals auch einstimmig zu.

Inzwischen gibt es mit Denise Lange eine Klima-Managerin. Sie wurde 2016 für drei Jahre eingestellt. Da ihr Vertrag im Dezember 2018 endet, muss die Politik jetzt entscheiden, ob Lange für zwei weitere Jahre beschäftigt werden soll. Die ersten drei Jahre wurden vom Bund mit 65 Prozent der Projektkosten gefördert. Für die Jahre 2019 und 2020 rechnet die Gemeinde mit rund 126.000 Euro. 40 Prozent gibt es als Förderung, das sind 54.400 Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt, verteilt auf zwei Jahre, bei 75.600 Euro.

Ob der Vertrag verlängert wird, ist noch nicht klar. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen und Klimaschutz hatte die Verwaltung der Politik empfohlen, einer Verlängerung zuzustimmen. Doch die Fraktionen meldeten noch Redebedarf an. Denn mit der Arbeit der Klima-Managerin zeigten sich einige Politiker unzufrieden. Dirk Hufschmidt (FDP) mahnte an, das Energiemanagement jetzt endlich anzugehen. Der Ausschussvorsitzende Artur Rütten (CDU) fasste zusammen: "Ich denke, wir waren nicht zufrieden mit der Arbeit, weil das, was wir uns gewünscht haben, nicht oder mit großer Verzögerung bearbeitet wurde." Auch habe sich die Politik Hilfe für eigene Immobilien gewünscht. Winfried Goertz (CDU) bat, die Entscheidung zu vertagen, um in den Fraktionen noch einmal in Ruhe darüber zu reden und zu sehen, was bisherige Maßnahmen gebracht haben. Ulrich Siebert (Grüne) verteidigte Lange: Er erinnerte daran, wie komplex und umfangreich das Feld sei, das sie zu beackern habe, und dass es verfrüht sei, den Stab über ihre Arbeit zu brechen.

Bauamtsleiter Dieter Dresen zeigte sich verwundert darüber, dass die Arbeit der Klima-Managerin so massiv kritisiert wurde: "Wir haben geliefert", betonte er. Auch erinnerte er daran, dass der Rat 2013 das Klimaschutzkonzept mit den einzelnen Bausteinen verabschiedet habe, um die sich Lange nun kümmere. Zunächst umfasste der Katalog 29 Punkte, inzwischen sind es 36, die auf der To-do-Liste stehen.

Am 7. Dezember steht das Thema erneut auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bauen und Klimaschutz. Lange will dann einen Jahresbericht abgeben. "Ich denke, der Nutzen des Klimaschutzes ist allen bewusst", sagt Lange. "Aber man kann darüber diskutieren, worauf man den Fokus legt." Welche Maßnahmen man ins Auge fasse, könne die Gemeinde selbst entscheiden, sie habe sich das Klimaschutzkonzept selbst gegeben. Lange macht aber auch deutlich: "Die jetzt enthaltenen Maßnahmen lassen sich nicht alle in drei Jahren umsetzen."

Für die kommenden Jahre hat Lange das von der Politik so heiß ersehnte Klima-Management auf der To-do-Liste: "Das wird auf jeden Fall ein großes Thema sein, gerade mit Blick auf Sanierungen." Sie hofft, dass die Politik auch der Anschaffung einer Software dafür zustimmt. Denn noch wird im Rathaus der Energieverbrauch für die Gemeinde-Gebäude von Hand in Excel-Tabellen eingetragen, "und da stößt man an seine Grenzen", sagt Lange.

Quelle: RP
 
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