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Kreis Viersen
Polizei fahndet nach IS-Unterstützern

So lief die Razzia gegen Islamisten in Tönisvorst
So lief die Razzia gegen Islamisten in Tönisvorst FOTO: Lothar Strücken
Kreis Viersen. Auf Anweisung des Generalbundesanwalts wurde gestern in St. Tönis ein Haus an der Gelderner Straße durchsucht. Festgenommen wurde niemand. Die Gesuchten in NRW und Niedersachsen sollen für den IS geworben haben Von Heribert Brinkmann und Andreas Reiners

In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hat es gestern in den Morgenstunden Razzien der Polizei gegeben. Neben Düsseldorf, Duisburg und Dortmund wurde auch ein Haus in Tönisvorst durchsucht. Der Generalbundesanwalt ließ gestern die Wohn- und Geschäftsräume dreier namentlich bekannter Männer durchsuchen. Die drei Gesuchten werden verdächtigt, seit Januar 2015 und Juli 2015 um Mitglieder und Unterstützer für den Islamischen Staat (IS) geworben zu haben. Einer der Beschuldigten steht darüber hinaus in Verdacht, die Terrororganisation finanziell und logistisch unterstützt zu haben. Gestern erfolgten aber keine Festnahmen, wie die Pressestelle des Bundesgerichtshofes mitteilte. Zu weiteren Einzelheiten wurden mit Blick auf die laufenden Durchsuchungsmaßnahmen keine Auskünfte erteilt. Das Landeskriminalamt Düsseldorf bestätigte lediglich, an den Razzien beteiligt gewesen zu sein. Die Kreispolizei Viersen war beim Einsatz in Tönisvorst überhaupt nicht dabei.

Tönisvorst rückt damit zum zweiten Mal in den Fokus des Staatsschutzes. Als im Juni 2012 Polizei und Staatsanwaltschaft in elf NRW-Städten Quartiere von Salafisten durchsuchten, war damals vor vier Jahren die Gelderner Straße schon einmal Zielpunkt einer Durchsuchung. Damals wurde ein 28-jähriger Iraker gesucht, der ein führender Prediger der Salafisten und unter dem Namen "Abu Walaa" bekannt sein sollte. Der Mann, der angeblich ein führender Prediger der Frankfurter Gruppe "Dawa" (Ruf zum Islam) sein sollte, wurde in St. Tönis nicht angetroffen, nur seine Lebensgefährtin und deren drei Kinder.

Wer gestern gesucht wurde, teilte die Polizei nicht mit. Am Klingelschild am Haus an der Gelderner Straße 48 steht der Name Abdulaziz A. Nachbarn beschreiben die Familie, die in dem kleinen Einfamilienhaus zur Miete leben, als eine verschleierte Frau und einen bärtigen Mann, "der sich seit 30 Jahren nicht mehr rasiert hat". Außerdem lebten Kinder im Haus. Die Kamera an der Türklingel ist überklebt, die Rollläden der Fenster zur Straße sind heruntergelassen, das Tor zum Innenhof ist verschlossen. Im hinteren Teil des Grundstückes befindet sich ein weiterer Flachbau, der ebenfalls von der Polizei durchsucht wurde. Gleich nebenan befindet sich ein verwildertes Grundstück mit Brombeerhecken.

Razzia gegen Islamisten in Düsseldorf FOTO: Gerhard Berger

Ein Schild der Postbank-Immobilien kündigt den Bau von zwei Einfamilien-Stadthäusern an. Am Zaun werben Plakate für das Gastspiel vom Circus Traber (11. bis 14. August auf der Jahn-Sportanlage). Schräg gegenüber am Nordring ragt die historische Streuff-Mühle auf. Auf der Gelderner Straße hat die Stadt mehrere Wohnungen angemietet, in denen Flüchtlinge und Asylanten untergebracht sind. Bei der gestern durchsuchten Immobilie handelt es sich allerdings nicht um eine städtische Unterkunft. Die Wohnung wurde privat vermietet.

DIe Gelderner Straße ist als Zufahrtsstraße zur St. Töniser Innenstadt viel befahren. Das durchsuchte Haus liegt in der Nähe der Kreuzung Nordring/Westring, kurz dahinter liegt das Seniorenhaus der Alexianer Tönisvorst GmbH. Gegen 9.30 Uhr waren mehrere Polizeifahrzeuge in der Gelderner Straße zu sehen, zwei Mannschaftswagen der Einsatzhundertschaft und einige Zivilfahrzeuge. Die Beamten trugen normale Uniformen einer Einsatzhundertschaft, keine SEK-Uniformen. Andere Beamte waren in zivil zu sehen.

Razzia in Düsseldorf-Oberbilk

Schwere Waffen waren nicht zu sehen. Das mag zu Beginn des Einsatzes anders gewesen sein. Die Straße war nicht abgeriegelt, der Verkehr lief normal.

Quelle: RP
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