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Kreis Viersen
Polizei hat so viele Bewerber wie nie

Kreis Viersen: Polizei hat so viele Bewerber wie nie
Kommissaranwärter Tim Hetgens (l.) und Personalwerber Lars Golder schätzen ihren Beruf. Derzeit arbeiten bei der Polizei im Kreis Viersen 431 Polizisten. Das Durchschnittsalter liegt bei 49 Jahren. FOTO: Emily Senf
Kreis Viersen. Mehr als 9000 junge Menschen wollten in diesem Jahr in NRW in den Polizeidienst eintreten, rund 2000 wurden genommen. Davon profitiert auch der Kreis Viersen. Probleme, freiwerdende Stellen neu zu besetzen, gibt es hier nicht Von Emily Senf

In weniger als drei Monaten wird Tim Hetgens die Litze auf seiner Schulter gegen einen Stern austauschen. Dann ist der 26-Jährige nicht mehr Kommissaranwärter, sondern Polizeikommissar - und hat seinen Traum erfüllt. "Mir hat schon immer das Leitbild des helfenden Polizisten gefallen", sagt der Straelener. Bis dahin leistet er seinen Dienst bei der Polizei Viersen, fährt Streife, kontrolliert den Verkehr und nimmt Unfälle auf.

Spannende Einsätze, klare Strukturen und gegenseitiges Vertrauen - so wirbt die Polizei in einem Flyer um Nachwuchs. Wie es scheint, ist sie damit erfolgreich: Für den Start des neuen Jahrgangs am 1. August haben sich 9373 junge Menschen beworben. "Das ist Rekord", sagt eine Sprecherin des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP), das für die Polizeianwärter in Nordrhein-Westfalen zuständig ist. Rund 2000 von ihnen haben eine Zusage bekommen, auch diese Zahl ist laut Sprecherin so hoch wie nie zuvor. Seit 2011 verzeichne das LAFP einen Zuwachs von 35 Prozent. 7527 Personen hatten sich damals beim Land beworben, etwa 1400 kamen in den Polizeidienst.

Lars Golder ist Personalwerber bei der Kreispolizeibehörde Viersen und kennt die Zahlen. "Junge Leute waren schon immer an der Polizei interessiert", sagt er. "Woher diese Begeisterung kommt, wissen wir allerdings nicht." Für Hetgens zumindest lagen die Vorteile des Berufs schon früh auf der Hand. Neben dem Wunsch, anderen Menschen zu helfen, sah er einen sicheren Job. Wie sein Vater, der Feuerwehrmann ist, muss er sich keine Sorgen um seine berufliche Zukunft machen.

Wolfgang Wiese hat das alles schon hinter sich. In knapp zwei Wochen wird der Kempener 60, er geht in den Vorruhestand. "Ich würde den Beruf wieder wählen. Die Entscheidung war gut und richtig", sagt der scheidende Führungsstellenleiter der Kriminalpolizei in Viersen. Auch er wusste seinen Beamtenstatus zu schätzen: "Ängste, wie die Zukunft aussehen könnte, hatte ich nie." Obwohl er zuletzt viel administrative Arbeit leisten musste, sagt er: "Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Man weiß morgens nicht, was einen im Laufe des Tages erwartet." Ganz besonders wichtig aber sei ihm: "Polizist zu sein, hat auch eine soziale Komponente, einen moralischen Wert. Man tritt ein für den Schutz der Bevölkerung."

Derzeit arbeiten bei der Polizei im Kreis Viersen 431 Polizisten, darunter 79 Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 49 Jahren. In den kommenden vier Jahren werden etwa 16 Prozent der Beamten in den Ruhestand gehen: 2017 sind es 16, jeweils 13 in den Jahren 2018 und 2019 sowie 26 im Jahr 2020. Wie viele der Nachwuchspolizisten im Kreis Viersen eingesetzt werden, konnte die Sprecherin des LAFP nicht sagen. "Aber wir sind gut aufgestellt", sagte sie. Das LAFP verteilt die jungen Polizeikommissare nach ihrem Bachelor-Abschluss auf die Kreispolizei-Behörden. Wünsche werden berücksichtigt, aber nicht zwangsläufig erfüllt.

Kommissaranwärter Hetgens sieht seine Erwartungen an den Beruf nach drei Jahren Ausbildung erfüllt. "Ich mag den Kontakt mit den Menschen und dass man viel draußen ist", sagt der 26-Jährige. Obwohl Studien zufolge die Gewalt gegen Polizeibeamte zunimmt, macht er sich keine Sorgen um seine Sicherheit. "Bislang bin ich auf überwiegend freundliche Bürger getroffen", sagt Hetgens. Außerdem sei er bei der LAFP in Selm in Rollenspielen auf brenzlige Situationen intensiv vorbereitet worden. Großstädte wie beispielsweise Duisburg, in denen es sogenannte No-go-Areas geben soll, in die sich Polizisten gar nicht mehr hineintrauen, würden den Nachwuchs nicht abschrecken, sagt Personalwerber Golder, im Gegenteil: "Städte finden sie spannend."

Quelle: RP
 
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