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Kreis Viersen
Polizei: Teenies brachen 30 Mal ein

Kreis Viersen. Die nach einer spektakulären Verfolgungsjagd in Aachen festgenommenen Jugendlichen sollen laut Polizei auch für rund 30 Einbrüche im Kreis Viersen verantwortlich gewesen sein. Hilfe bekamen sie von einem 14-jährigen Mädchen Von Martin Röse

Die Polizei im Kreis Viersen ist sich aufgrund nachgewiesener DNA-Spuren ziemlich sicher: Zwei am Montag in Aachen nach einer filmreifen Verfolgungsfahrt festgenommenen Jugendlichen sind auch für mehr als zwei Dutzend Einbrüche im Kreis Viersen verantwortlich. Und: Einen der beiden hatte die Polizei Anfang November in Hinsbeck bereits festgehalten - aber wieder laufen lassen. Er hatte damals sein Alter mit zwölf Jahren angegeben, sei nicht strafmündig. Die Polizei überstellte ihn ans Jugendamt. Eine 14-jährige mutmaßliche Mittäterin wurde festgenommen.

Auch bei der Aachener Polizei erklärten die beiden Jugendlichen, nicht strafmündig zu sein. "So gab der Fahrer an, zwölf Jahre alt zu sein; sein Mittäter war nach eigenen Angaben nicht viel älter", erklärte ein Sprecher der Aachener Polizei. "Eine Altersbestimmung mittels einer Knochenmessung in einem Krankenhaus ergab aber: Der Fahrer hat ein Knochenalter von 16 Jahren; der Mittäter eines von 15 Jahren." Bei der Knochenmessung wird der Verdächtige geröntgt.

Wenn der Mittäter jetzt 15 Jahre alt ist, muss er bei dem Zugriff der Polizei vor knapp sieben Monaten auf jeden Fall strafmündig gewesen sein. Hätte die Viersener Polizei ihn damals schon festnehmen und weitere Taten verhindern können? Antje Heymanns, Sprecherin der Polizei im Kreis Viersen, erklärte gestern auf Anfrage unserer Redaktion: "Der Tatvorwurf lautete im November auf versuchten Einbruch in einem Fall. Die Beamten hatten keine Zweifel bezüglich der gemachten Altersangabe." Erst nach einem Teilgeständnis der verhafteten 14-Jährigen hätten sich Anhaltspunkte ergeben, dass der Mittäter an zahlreichen Einbrüchen beteiligt war; damals war die Polizei von neun Taten seit Oktober 2015 ausgegangen. "Hätten wir diese Information bereits vorher gehabt, hätten wir auch eine entsprechende Knochenmessung durchführen lassen", sagte Heymanns. Die Viersener Polizei setze diese Form der Altersbestimmung durchaus ein, sagte die Sprecherin der Behörde.

Generell sind Knochenmessungen nicht unumstritten, betont der zuständige Oberstaatsanwalt Axel Stahl von der Krefelder Staatsanwaltschaft. "Eine forensische Altersbestimmung mittels Knochenmessung liefert keine tagesscharfen Ergebnisse; insbesondere, wenn es um die genaue Abgrenzung zwischen strafmündig und strafunmündig geht und der Täter ein Alter im Grenzbereich hat, wird es ausgesprochen schwierig." Er könne nachvollziehen, dass die Viersener Polizei davon abgesehen hat, eine Knochenmessung durchführen zu lassen.

Das 14-jährige Mädchen war am Vormittag des 4. November in Hinsbeck festgenommen worden, nachdem eine Bewohnerin der Hagelkreuzstraße in Lobberich das Paar erkannt hatte. Sie hatten bei ihr geschellt, weil sie angeblich eine Freundin suchten. Die Frau war durch Medienberichte bereits vorgewarnt und erkannte die Masche auch sofort wieder. Sie öffnete nicht und rief die Polizei an. Die nahm die 14-Jährige, die einen Schraubendreher bei sich trug, in Hinsbeck fest, ihr angeblich zwölfjähriger Begleiter wurde identifiziert.

Er war, gemeinsam mit seinem 16-jährigen Komplizen, bei einem Einbruch in Aachen entdeckt worden. Mit einem unversicherten Seat flüchtete das Duo mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, überfuhr rote Ampeln, wich einem Streifenwagen aus, kollidierte dann mit einem geparkten Auto und einer Mauer sowie in der Folge zwei weiteren Autos. Der Sachschaden beträgt mehrere 10.000 Euro. In dem Fahrzeug fanden die Polizisten Diebesgut.

Quelle: RP
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