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Viersen
Polizeieinsatz im Schulausschuss

Viersen. Ein junger Mann mit einem Araber-Tuch besucht eine öffentliche Sitzung im Viersener Forum. Als er leise zu beten beginnt, kommt Nervosität auf. Am Ende beschäftigt sich der Staatsschutz mit dem Vorfall. Passiert ist eigentlich nichts. Von Joachim Niessen

Nach den Anschlägen des IS in Paris ist eine gewisse Unsicherheit allgegenwärtig. Jetzt hat dieses Gefühl auch unmittelbar Viersen erreicht.

Als am Donnerstag gegen 19 Uhr während der öffentlichen Sitzung des Schulausschusses der Stadt Viersen ein junger Mann mit einem Araber-Tuch um den Hals und einer Art Rucksack den Saal betritt und sich unter die Zuhörer setzt, kommt dort Unruhe auf. Als der Unbekannte leise zu beten beginnt, verlassen mehrere Personen spontan die Zuschauertribüne. Und auch unter den Politikern herrscht plötzlich eine hektische Betriebsamkeit. Ein Hausmeister wird alarmiert, zivile Einsatzkräfte der Viersener Polizei erscheinen, die den jungen Mann später mit zur Wache nehmen, wo Beamte des Staatsschutzes ihn noch einmal befragen. "Es handelt sich bei dem jungen Mann um einen einschlägig bekannten Junkie", so Polizeisprecher Willy Theveßen. "Er wollte nur Aufmerksamkeit erregen." Der Vorfall sei nicht politisch motiviert gewesen. Besonders würdigt Theveßen die Vorgehensweise des Hausmeisters, der seine Dogge in den Sitzungssaal mitgebracht hatte: "Er hat besonnen und richtig reagiert."

Im Forum - in dem auch Gremien des Kreises tagen - traf sich der Schulausschuss zu seiner öffentlichen Sitzung. FOTO: Busch

Es ist eine Stunde nach Sitzungsbeginn, die Mitglieder des Schulausschusses diskutieren unter anderem gerade über Bildungspolitik und deren zentrale Bedeutung für die Integration von Flüchtlingen, als der junge Mann mit seinem arabischen Tuch lächelnd den großen Sitzungssaal des Viersener Forums betritt. Zielgerichtet geht er in Richtung Zuschauerränge, legt einen Beutel neben sich auf einen freien Platz. Wie eine Ausschuss-Besucherin später berichtet, beginnt er, leise zu beten. Auch ein Globus soll eine Rolle gespielt haben.

FDP-Vorsitzender Dr. Frank a Campo, für seine Partei im Schulausschuss, reagiert als erster. Er informiert Ursula Heyer, verantwortlich für den Schulbereich in Viersen, die unmittelbar neben dem Ausschussvorsitzenden Dr. Jürgen Moers sitzt. Während der CDU-Politiker die Sitzung souverän fortsetzt, verlässt Heyer kurz ihren Platz. Derweil packen mehrere Zuhörer ihre Sachen und verlassen zügig das Forum.

Artig wartet die Dogge im Sitzungssaal des Forums. FOTO: Jon

Kurz nach 19.15 Uhr betritt der Hausmeister mit einer angeleinten Dogge den Saal, während der Vorsitzende unbeirrt den nächsten Tagesordnungspunkt aufruft. Der Kreisangestellte bindet den Hund am unteren Treppenende zur Zuschauertribüne fest, geht die Stufen nach oben und spricht den Unbekannten leise an. Rund zehn Minuten dauert der Dialog der beiden, während wenige Meter entfernt die Politik über die Streichung von Landesgeld für die Beschäftigung von Sozialarbeitern an Schulen streitet.

Plötzlich stehen der Hausmeister und der Unbekannte auf, verlassen - mit dem Hund - den Raum. Eine unmittelbare Störung gibt es nicht. Im Foyer geht das Gespräch zwischen Kreismitarbeiter und jungem Mann weiter. Der räumt seinen Beutel teilweise aus, kniet zwischendurch nieder, dann versucht er, den Hund zu streicheln. Auf einmal füllt sich der Vorraum mit Leben. Mindestens vier Polizeibeamte in Zivil erscheinen, schauen kurz kontrollierend in den Sitzungssaal und wenden sich dann dem jungen Mann zu. Dr. Moers und seine Ausschusskollegen beginnen zwischenzeitlich mit den Haushaltsberatungen für den Schulbereich.

Der junge Mann mit dem Araber-Tuch sitzt lächelnd unter den Zuhörern. FOTO: Niessen, Joachim (jon)

Es ist inzwischen 19.30 Uhr, der junge Mann leert den kompletten Inhalt seines Beutels auf einen Stehtisch. Die Stimmung ist ruhig, aber angespannt. Immer wieder versucht er, den Hund zu berühren, doch das Tier reagiert nicht. Jetzt schließt der Hausmeister eine der Türen zum Sitzungssaal. Innen kehrt Ruhe ein, Moers ruft den Tagesordnungspunkt "Inklusion" auf. Die Zivilpolizisten begeben sich mit dem jungen Mann in die Nähe des Ausgangs, reden mit ihm, Hektik kommt nicht auf. Es ist nach 20 Uhr, gemeinsam wird der Weg zur nur wenige hundert Meter entfernten Kreispolizeibehörde zurückgelegt. Dort beschäftigen sich Beamte des Staatsschutzes mit dem jungen Mann.

Das Fazit einer ungewöhnlichen Schulausschusssitzung: Es ist eigentlich nichts passiert. "Aber es haben alle Seiten richtig reagiert", so Polizeisprecher Theveßen.

Quelle: RP
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