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Viersen
Reinhard Kaiser stellt einen "glücklichen Kunsträuber" vor

Viersen. Vivant Denon, der die Kunst in den Louvre brachte, steht am Sonntag im Viersener Salon im Mittelpunkt

Wer den Louvre besucht und den Weg wählt, der "zum ältesten Teil des Museums abzweigt, so gleitet er nach einigen Schritten auf einer nun wieder in die Höhe führenden Rolltreppe den Buchstaben D-E-N-O-N" entgegen ...". So beschreibt Reinhard Kaiser den Weg des Besuchers durch das berühmte Museum in Paris. Seinen Worten folgend macht sich der Leser auf, dem Lebensweg eines Mannes zu folgen, den Napoleon zum ersten Direktor des Louvre machte. Im Auftrag des Kaisers folgte Dominique Vivant Denon (1747-1825) der Grande Armée in die eroberten Länder, beschlagnahmte dort zahlreiche Kunstwerke und ließ sie nach Paris in sein Museum schaffen - darunter auch die Quadriga vom Brandenburger Tor.

Denons spannender Lebensgeschichte hat Kaiser, 1950 in Viersen geboren und heute in Frankfurt am Main lebend, ein Buch gewidmet. Im Viersener Salon des Vereins für Heimatpflege in der Villa Marx, Gerberstraße 20, liest er nun am Sonntag, 3. Juli, 11 Uhr, und stellt den "Mann, der die Kunst in den Louvre brachte", vor. Wer mag, kann danach einen Imbiss einnehmen.

Kaiser ist Schriftsteller und Übersetzer. Er übersetzte unter anderem Romane und Sachbücher von Irene Dische, Sylvia Plath, Neil Postman und Susan Sontag. Für seine Übersetzung der Romane von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen ("Simplicissimus") in gegenwärtiges Deutsch wurde er mit dem Wilhelm-Merton-Preis für europäische Übersetzungen ausgezeichnet.

Zum ersten Mal stieß Kaiser bei den Recherchen für einen Roman auf Denon. Der Roman, "Der kalte Sommer des Doktor Polidori", erschien 1991. "Ich habe dann weiter nach diesem Mann geforscht - lange Zeit mit dem Ziel, auch ihn in einen Roman zu verwickeln -, und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus", sagt Kaiser. "Weitere Zwischenergebnisse dieser Nachforschungen waren zwei größere Radiosendungen über den Kunsträuber und Museumsdirektor Vivant Denon in den Jahren 1993 und 2000." Mit der kontinuierlichen Arbeit an dem Buch, das nun erschienen ist, begann er 2012, als das Grimmelshausen-Projekt abgeschlossen war. Auch für das Buch über Denon war viel Übersetzungsarbeit notwendig, "aber das war im Grunde nur ein zusätzlicher Ansporn. Denn diese Arbeit war für mich eine große Freude", so Kaiser.

Was bewog den Schriftsteller, die Geschichte des "glücklichen Kunsträubers" aufzuschreiben? "Eine wahre Geschichte, die über weite Strecken so abenteuerlich und so unwahrscheinlich ist, dass man sich nicht getrauen würde, sie zu erfinden", sagt Kaiser. "Eine Geschichte, in deren Mittelpunkt eine Gestalt steht, die hierzulande kaum bekannt ist, obwohl sie in Deutschland eine Zeitlang für ziemlichen Wirbel sorgte, das alles hat doch etwas Verlockendes!"

Reinhard Kaiser: "Der glückliche Kunsträuber" Verlag C.H. Beck 2016, 399 S., ISBN 978-3-406-68878-2, 24,95 Euro.

(biro)
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