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Brüggen
Reisen in neue Welten und zu altbekannten Orten

Brüggen. Die "Brüggenale 2016" begann im Kultursaal der Burg mit erlesener Vokal- und Instrumentalmusik. Von Heide Oehmen

Volker Mertens und das Klaviertrio "panta rhei" haben sich für ihre diesjährige "Brüggenale" das Thema "Reisen" ausgesucht und das schier grenzenlos - bis zu fernen Galaxien soll es im Laufe des Jahres gehen. Doch beim ersten Konzert im leider nicht optimal besuchten Vortragssaal der Burg (vielleicht ist in der dunklen Jahreszeit der Sonntagabend doch nicht so recht geeignet?) blieben die Künstler noch auf unserem Planeten und fanden auch hier überaus Erstaunliches.

Mertens, der mit Schubert-und Mendelssohn-Liedern begonnen hatte, stellte mit drei Beispielen aus dem Zyklus "Reiselieder" des Engländers Ralph Vaughan Williams (1872-1958) dessen lyrisch-schwärmerische, spätromantische Klangsprache vor. Ebenfalls bestach der durch nie nachlassende Ausdrucksintensität faszinierende Bass-Bariton mit fünf Liedern von Maurice Ravel (1875-1937), die auf griechische Volksweisen fußen. Wie schön wäre es gewesen, wenn diese fein austarierten Stimmungsbilder nicht von Beifall unterbrochen worden wären! Dafür wäre die wie gewohnt mit auserlesener Spielkultur begleitende Pianistin Julia Vaisberg gewiss auch dankbar gewesen. Das Trio "panta rhei" mit Gudrun Pagel (Violine), Sonja Asselhofen (Violoncello) und Julia Vaisberg (Klavier) - schon seit Jahren in Niederkrüchten und Brüggen heimisch - stellten Antonin Dvoráks "Dumky-Trio" vor. Hier wollte der böhmische Komponist - wie er einem Freund schrieb - "in anderen als den gewohnten, allgemein benützten Formen schreiben", deshalb legte er seinem Werk eine "Dumka", ein ukrainisches Erzähllied, zugrunde, das zwischen schwermütigen Gesangsmelodien und tänzerischen Abschnitten wechselt. Die Musikerinnen wurden den hohen Anforderungen des umfangreichen Tongemäldes mit hohem Klangsinn, brillanter Technik und gezügeltem Temperament mehr als gerecht.

Das gilt in mindestens gleichem Maße auch für das stark von Jazz-Elementen geprägten Trio "Worlds beyond" des 1961 in der Schweiz geborenen Daniel Schnyder. Hier zeigten die vielseitigen Gäste, dass ein "klassisches Trio" sich auch sehr wohl im Jazz auskennt und eine ansonsten für sie ungewohnte Musik gültig und mitreißend zu interpretieren versteht.

Zum Abschluss des mit reichem Applaus bedachten Programms beschenkten Solist und Trio die Zuhörer mit Francesco Paolo Tostis (1846-1916) melodiösem "Visione!" Hier erzählt der Dichter Gabriele D'Annunzio vom nahenden Tod, der durch die Vision einer "Feldblume für den weißen Falter" ein wenig von seinem Schrecken verliert.

Weitere Termine der Brüggenale im Kultursaal der Burg: 30. April, 19 Uhr, "Walpurgisnacht mit Hexensuppe", Eintritt 20, ermäßigt 15 Euro; 25. September, 12 Uhr, Kinderkonzert "Zibbeldibix", Eintritt zehn, Kinder fünf Euro; 5. November, 19 Uhr "La Grande Bouffe", mit Buffet Eintritt 30, ermäßigt 25 Euro. Karten gibt es in der Burg, Telefon 02163 5701 4711.

Quelle: RP
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