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Brüggen/Nettetal
Retter üben im Brüggener Tierpark

Brüggen/Nettetal: Retter üben im Brüggener Tierpark
Die Helfer haben alle Verletzten zu einem Platz gebracht, um sich einen Überblick zu verschaffen: Wer ist wie schwer verletzt? Wer benötigt zuerst Hilfe? Teams der Realistischen Unfalldarstellung vom Jugendrotkreuz aus Brüggen und Kaldenkirchen sorgen dafür, dass Verletzungen möglichst echt aussehen. FOTO: Heike Ahlen
Brüggen/Nettetal. Ein Blitz schlägt in die Hochbahn des Tierparks ein, es gibt einen Toten und viele Verletzte. Mit diesem Szenario übten Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz aus Brüggen und Nettetal ihre Zusammenarbeit für den Ernstfall. Von Heike Ahlen

Es ist Samstagabend, kurz vor 18 Uhr. Der Natur- und Tierpark in Brüggen leert sich. Als letzte Gäste sind noch eine Schulklasse mit Lehrer sowie eine hochschwangere Frau mit ihrem kleinen Sohn auf dem Spielplatz. Die Schüler hatten zuvor in einer kleinen Hütte am Wald gegrillt. Jetzt wollen sie noch einmal mit der Hochbahn fahren, schaukeln oder rutschen. Aus dem Nichts zieht ein Gewitter auf. Ein Blitz schlägt ganz in der Nähe ein. Der Boden bebt, der Strom fällt aus. Hilfeschreie gellen durch die Dämmerung. Vor der Hütte fällt der Grill um, die Rest-Glut setzt den nahen Wald in Brand.

Dieses Szenario haben sich Ausbilder der Löschzüge Brüggen, Breyell und Schaag ausgedacht. Angelehnt ist es an einen Einsatz, den mehrere Wehren im Kreis Viersen sowie die Hilfsorganisationen am 12. Juni gemeinsam bewältigen mussten. Damals war tatsächlich ein Blitz auf einem Zeltplatz in der Nähe von Schloss Dilborn eingeschlagen. Am Ende ging es glimpflich aus - aber es könnte ja auch anders sein, deshalb diese Übung.

Als die ersten Feuerwehrkräfte eintreffen, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens. Menschen irren umher, schreien. "Paul, Paul, er bewegt sich nicht mehr", ruft die junge Mutter immer wieder verzweifelt. Ein Jugendlicher liegt mit verrenkten Gliedern unter der Hochbahn, er ist abgestürzt. Tot. Ein anderer hängt in einem Zaun, ein Nagel hat sich durch seine Hand gebohrt. Ein Mädchen liegt mit offenem Oberschenkelbruch unter einer Schaukel, bei einem anderen ragen Knochen aus der Hand.

Dafür, dass es echt aussieht und zugeht, sorgen die Teams der Realistischen Unfalldarstellung vom Jugendrotkreuz aus Brüggen und Kaldenkirchen: Kunstblut läuft über die Gesichter, die offenen Brüche bestehen aus Schweineknochen, Kaltschweiß gibt es aus einer kleinen Flasche. Jeder hat seine Rolle. Es gibt ganz stille Verletzte, die nur vor sich hinstarren, und andere, die lautstark um Hilfe schreien, sich an Feuerwehrleuten festklammern. In der Hochbahn sitzen drei Klassenkameraden des Toten. Kaum verletzt, aber völlig geschockt. Der Lehrer hat möglicherweise ein Metall-Teil berührt, das vom Blitz unter Strom gesetzt war. Vielleicht hat sich der Lehrer auch nur zu sehr aufgeregt. Jedenfalls erleidet er einen Herzinfarkt.

Wehrleute aus Breyell und Schaag löschen den Brand an der Grillhütte und im Wald. Es wird ein Sammelplatz für die Verletzten eingerichtet. Schnellstmöglich müssen sich die Helfer ein Bild machen: Wer ist wie schwer verletzt? Wer benötigt zuerst Hilfe? Bei wem genügt es, wenn er zunächst betreut wird? Verzweifelt kämpfen die Retter um das Leben des kleinen Paul, während die Mutter immer wieder seinen Namen ruft und zu ihrem Kind möchte.

Das Feuer ist schnell gelöscht, auf dem Platz, wo die Verletzten sind, gibt es einen Überblick. Tatsächlich sind alle Menschen, die noch im Park waren, gefunden. Zuletzt bringen Feuerwehrleute Katja. Sie war oben auf dem Bahnhof der Hochbahn bewusstlos zusammengebrochen. 14 Schüler sind da, der Lehrer, die Schwangere und ihr Sohn. Ein Jugendlicher ist tot, den kleinen Paul können die Rettungskräfte stabilisieren. Mit ihm sind fünf Menschen schwer und schwerst verletzt, sechs weitere sind leichter verletzt, fünf haben nur kleine Verletzungen und stehen unter Schock.

Weitere Rettungswagen rollen an, bei der Einsatzleitung auf dem Parkplatz wird verteilt, welcher Rettungswagen in welches Krankenhaus fährt. Nach gut anderthalb Stunden sind alle Verletzten versorgt. Willi Lehnen, Löschzugführer in Schaag und stellvertretender Wehrführer Nettetals, zieht eine positive Bilanz: "Das Übungsziel ist erreicht worden. Die Zusammenarbeit der Löschzüge hat super funktioniert." Auch mit der Zusammenarbeit zwischen DRK und Feuerwehr ist Übungsleiter Dennis Uschmann vom Brüggener Löschzug sehr zufrieden.

Quelle: RP
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