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Viersen
Rote Blumen für Verkehrssünder

Viersen: Rote Blumen für Verkehrssünder
Mit Warnwesten bekleidet postierten sich die Kindergartenkinder auf dem Hüsgesweg. Die Audi-TT-Fahrerin erhielt eine gelbe Gerbera. Sie war nicht schneller als die dort erlaubten 30 Stundenkilometer gefahren. FOTO: paka
Viersen. Die Kinder der Tagesstätte "Am Hüsgesweg" in Viersen haben Blumen an Autofahrer verteilt. Eine rote bedeutete: zu schnell gefahren oder falsch geparkt. Die Organisatoren hoffen, dass die Aktion lange nachwirkt. Von Jiota Kallianteris

Eine besondere Blumenart haben die Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte "Am Hüsgesweg" in Viersen unter die Leute gebracht. Es handelte sich um die Spezies der sogenannten Verkehrsblume, die an Autofahrer verschenkt wurde - entweder als Dankeschön für angepasstes Fahren und ordentliches Parken oder aber in der Signalfarbe Rot an diejenigen, die zu schnell unterwegs waren oder ihr Fahrzeug ordnungswidrig abstellten.

Pünktlich um 8 Uhr standen die Drei- bis Sechsjährigen in ihren neongelben Westen vor der Einrichtung am Straßenrand. Dabei hatten sie 200 Gerberas. Die "Blumeninsel" in Viersen hatte sie zur Hälfte gesponsert und alle Blumen mit einem kleinen Etikett versehen. Darauf ein Foto der Kinder und die Bitte: "Fahr vorsichtig. Danke!"

"Ich habe schon zwei rote Blumen verschenkt", erzählte Isabella (5). "Die sind zu schnell mit dem Auto gefahren, und das finden wir nicht so gut." Auch Luna war fleißig. "Grade habe ich der Frau im Auto eine rosafarbene Blume gegeben. Die hat sich gefreut, weil sie gut gefahren ist und aufgepasst hat", berichtete die Fünfjährige.

Die Aktion lief unter dem Namen "Fahr vorsichtig" und wurde auf Initiative des Elternbeirates und mit Hilfe des Fördervereins der Kindertagesstätte "Am Hüsgesweg" ins Leben gerufen. Jessica Welter vom Beirat war über das Fahr- und Parkverhalten am und um den Hüsgesweg sehr besorgt. Sie wollte etwas tun, das die Menschen auch erreicht und ihnen in Erinnerung bleibt. "Der ganze Bereich hier ist eine Bündelung von Einrichtungen, die besonderer Achtsamkeit bedürfen. Hier liegt das Krankenhaus, das Kinderhaus für langzeit-pflegebedürftige Kinder, unsere Kindertagesstätte, und demnächst wird hier auch eine Einrichtung mit Kleinkinderbetreuung entstehen. Da muss Rücksicht genommen und das Tempolimit und die Parkregelungen eingehalten werden", findet Jessica Welter. Sie und die anderen Eltern, aber auch die Erzieherinnen können es nicht nachvollziehen, dass bei Tempomessungen der Stadt hier eine durchschnittliche Durchfahrtsgeschwindigkeit von 34 km/h ermittelt worden ist. "Das können wir nicht bestätigen, jedenfalls nicht zu den Stoßzeiten. Interessant wäre es zu wissen, unter welchen Parametern gemessen worden ist", sagte Gaby Ueberschär, kommissarische Leiterin der Kita.

Unterstützer für die Idee fand man auch bei der örtlichen Polizei. Polizeihauptkommissar Dominic Leiterer war am Aktionstag dabei. Fachmännisch wurden die Fahrzeuge angehalten, sodass die Kinder die entsprechende Blume verschenken konnten und mit den Fahrern ins Gespräch kamen. "Als ich von der Aktion hörte und gefragt wurde, ob ich mitmachen möchte, habe ich sofort zugesagt. Denn erstens ist es eine klasse Idee, um Aufmerksamkeit für die Sache zu bekommen, und zweitens gehört der Hüsgesweg auch zu dem Bereich, den ich betreue", erzählte Dominic Leiterer. Er hofft, dass die Aktion lange nachwirkt. "Natürlich wird hier heute besonders vorsichtig gefahren, denn man sieht ja schon von weitem viele Kinder am Straßenrand stehen", erklärte der Polizeihauptkommissar.

"Ich verspreche, dass ich ab heute langsamer und aufmerksamer fahren werde", sagte eine Autofahrerin, die eine rote Blume verpasst bekommen hat. "Das ist eine super Aktion und könnte ruhig häufiger stattfinden", ergänzte sie. Ein anderer sagte: "Man ist zu oft mit den Gedanken woanders und in Eile unterwegs. Da bin ich dankbar, dass ich von den Kindern auf diese Weise aufmerksam gemacht wurde. Man würde seines Lebens nicht mehr froh, wenn etwas Schlimmes passiert."

"Wir möchten, dass diese kleine Ermahnung den Autofahrern im Gedächtnis bleibt, und sie auch in Zukunft den Hüsgesweg als 30er-Zone verinnerlichen", sagte Gabi Ueberschär. Jessica Welter ergänzte: "Wünschenswert wären weitere Maßnahmen, die die Autofahrer gezielt darauf hinweisen, dass es sich um eine sensible Straße handelt, etwa Markierungen oder ein Zebrastreifen." Der Elternbeirat plane, sich an das Ideen- und Beschwerdemanagement der Stadt zu wenden, um ihre Belange weiterzugeben. "Vielleicht können wir etwas verändern, zum Wohle aller", sagte Jessica Welter.

Quelle: RP
 
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