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Viersen
Samstags muss man es sich verkneifen

Viersen: Samstags muss man es sich verkneifen
Im Betriebsgebäude an der Totenhalle gibt es zwar Toiletten. Diese sind aber nur während der Dienstzeiten geöffnet. Der "Arbeitskreis Friedhof" mit Vertretern aus Politik und Verwaltung sucht nach einer Lösung. FOTO: Busch
Viersen. Die Toiletten auf dem städtischen Friedhof "Auf der Löh" in Viersen sind am Wochenende geschlossen. Von Beate Wyglenda

Jede Woche besucht Gudrun Rohmann-Jung den städtischen Friedhof "Auf der Löh". Auf Höhe der verlängerten Petersstraße kümmert sie sich um das Grab ihrer Eltern. Danach muss sie in Richtung Hüsgesweg, um ein weiteres Grab zu pflegen.

"Man ist durchaus eine Weile unterwegs, allein schon, weil der Friedhof so groß ist", sagt die Viersenerin. Insgesamt verbringt sie zur Grabpflege rund eineinhalb Stunden auf dem Friedhof. Wehe, wenn da mal die Blase drückt.

Schon seit Jahren sorgen die fehlenden Toilettenanlagen auf dem städtischen Friedhof für Gesprächsstoff. Auch bei der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Friedhof, der sich aus Vertretern der Kommunalpolitik und der Verwaltung zusammensetzt, war der Mangel an WCs zentrales Thema. "Der Arbeitskreis hat dem Thema Toiletten die höchste Prioritätsstufe zugewiesen", erläutert der Pressesprecher der Stadt Viersen, Frank Schliffke.

Für Rohmann-Jung ein positives Signal. "Die jetzige Situation jedenfalls ist ziemlich blamabel", betont sie. "Viersen ist Kreisstadt. Es kommen viele Menschen, von nah und fern, die hier ihre verstorbenen Angehörigen betrauern und sich um deren Gräber kümmern."

Zwar gibt es im Betriebsgebäude an der Totenhalle WCs, diese sind aber nur während der Dienstzeiten - montags bis freitags, 8 bis 12.30 Uhr, und montags bis donnerstags, 14 bis 16 Uhr - geöffnet. Viele Leute, beklagt Rohmann-Jung, kümmerten sich aber gerade am Wochenende um die Grabpflege. Auch die Viersenerin ist meist samstags am Friedhof. Dabei sind ihrer Meinung nach nicht nur die fehlenden Klos an sich beklagenswert.

"Die Konsequenz aus der Suche nach dem stillen Örtchen ist, dass sich viele Leute in die Büsche verschlagen", sagt Rohmann-Jung. Sie fände bei ihren Friedhofsbesuchen regelmäßig Papierhäufchen an den dichtbegrünten Wegesrändern. An mancher Stelle steige einem sogar immerzu ein unangenehmer Geruch in die Nase. "Das ist untragbar und für die Trauernden verletzend", so die Viersenerin.

Exkremente in den Grünanlagen wurden von den Städtischen Betrieben bisher nicht festgestellt. Die Grünpflege und Wartung erfolge hier kontinuierlich nach Bedarf. Die Reinigung und Kontrolle der Toiletten an der Totenhalle Löh stehe an jedem Arbeitstag an, so der Pressesprecher der Stadt Viersen.

Die Friedhofsverwaltung befindet sich in unmittelbarer Nahe. Dennoch, so ergänzt Schliffke, sei das Problem rund um die Toilettenanlagen hinlänglich bekannt. Im Jahr 2011 wurde die Außentoilette in Nähe des Eingangs Hüsgesweg nach einem Beschluss des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Klimaschutz außer Betrieb genommen. "Hintergrund waren enorme Sanierungskosten", erklärt Schliffke. "Es gab immer wieder Fälle, dass Randalierer die Anlage beschädigt haben."

Eine bewachte Außenanlage sei aus finanziellen Gründen aber nicht machbar. Es gebe auf dem Friedhof einfach zu wenig Benutzer, um die Kosten wieder auszugleichen. "Um die Ausgaben zu decken, müssten wir pro Toilettengang etwa fünf oder sechs Euro verlangen", verdeutlicht Schliffke.

Eine konkrete Lösung für das Toiletten-Problem auf dem Friedhof "Auf der Löh" gibt es bislang nicht. Der Fachbereich 25 "Gebäudemanagement" bei der Viersener Stadtverwaltung, der sich um die bauliche Unterhaltung und gegebenenfalls um die Sanierung von Toiletten auf Friedhöfen kümmert, arbeite aber daran.

Auf den anderen von der Stadt Viersen betriebenen Friedhöfen sieht die Lage entspannter aus: Die Friedhöfe in Süchteln, Dülken und Boisheim haben allesamt öffentliche Toilettenanlagen. Die Toiletten an den Totenhallen in Dülken und Süchteln sind jederzeit zugänglich. Auf dem Friedhof in Boisheim sind die WCs wie auf dem Friedhof "Auf der Löh" nur während der Dienstzeiten von Montag bis Freitag, 8 bis 12.30 Uhr, und Montag bis Donnerstag, 14 bis 16 Uhr, geöffnet. Lediglich auf den Friedhöfen Helenabrunn und Bockert sollte man vor dem Besuch vielleicht nicht allzu viel trinken.

Quelle: RP
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