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Niederkrüchten
"Sankt Matthes" reitet in den Ruhestand

Niederkrüchten: "Sankt Matthes" reitet in den Ruhestand
Matthias Derix ritt gestern Abend zum letzten Mal als Sankt Martin durch Elmpt. Der 76-Jährige übergibt das Amt im kommenden Jahr an Björn Cüsters. FOTO: Ahlen
Niederkrüchten. Der Sankt Martin von Elmpt und Overhetfeld steigt vom Pferd: Nach fast 40 Jahren legte Matthias Derix gestern die Zügel aus der Hand Von Heike Ahlen

Wie oft er schon als Sankt Martin unterwegs war, weiß Matthias Derix nicht. Ungefähr 130 Einsätze werden es wohl gewesen sein, schätzt er. 40 Mal trat Derix allein in seiner Heimat Overhetfeld auf. 1977 hatte er diese Aufgabe dort als junger Vater übernommen. Nun legte er gestern Abend die Zügel aus der Hand. In Overhetfeld wurde er schon am vergangenen Samstag gebührend verabschiedet, gestern Abend ritt er ein letztes Mal dem Martinszug in Elmpt voran. Sein Nachfolger wird im kommenden Jahr Björn Cüsters.

Overhetfeld bietet für Derix die schönste Kulisse für die Mantelteilung. "Als ich da zum letzten Mal um die Kapelle ritt, musste ich schon schlucken", berichtet der 76-Jährige. Doch dann habe er sich wieder auf sein Pferd konzentriert - und es sei gut gewesen. "Irgendwann muss Schluss sein", sagt der Overhetfelder. "Mein Vater hat immer gesagt: ,Hör auf, solange du noch gut bist.'" So habe er es als General der Bruderschaft gehalten, ebenso im Reitverein und im Karneval bei der Karnevalsgesellschaft Hehler.

Martinsumzüge in Viersen 2016

In Elmpt wollte er als Sankt Martin eigentlich nur eine "einmalige Leihgabe aus Overhetfeld" sein. Das war vor 26 Jahren. Mit dem Ausfall im Jahr 2010, als der Martinszug wegen eines Sturms abgesagt werden musste, stieg Derix dann aber auch in Elmpt 26 Mal aufs Pferd.

Auch für mehrere Kindergärten und die Kinder und Jugendlichen der Jugendhilfeeinrichtung Schloss Dilborn in Brüggen ist Derix "der Sankt Martin". Viele Kinder wissen genau, wie der Mann heißt, der da als Heiliger dem Zug voran reitet. Aber an diesem Abend haben sie Respekt. Nur ein einziges Mal sei es vorgekommen, dass ihn ein Kind am Ärmel gezupft und "Hallo Matthes" gesagt habe, erzählt Derix. Und die ersten, die 1977 als etwas ältere Kinder zu dem Mann auf dem Pferd aufschauten, haben heute schon Enkelkinder auf dem Arm, wenn sie am Straßenrand stehen und den Martinszug sehen.

In den Anfangsjahren war Matthias Derix mit seinem eigenen Pferd als Heiliger unterwegs. Seit etlichen Jahren ist nun "Grando" aus einem Verleihstall in Mönchengladbach sein treuer Partner. Der Rappe wird für den Zug jedes Jahr ebenso festlich herausgeputzt wie Sankt Martin selbst. "Ein Pferd hat genauso eine Berechtigung, schick zu sein, wie eine Frau", sagt Derix augenzwinkernd. Seinen eigenen Helm poliert er selbst auf Hochglanz, den Mantel hat seine Frau zu Beginn seiner Zeit als Sankt Martin für ihn genäht.

Wenn der Martinszug durch Elmpt oder Overhetfeld zieht, hat "Sankt Matthes" immer ein Martinslied auf den Lippen. Er kennt die Lieder alle, "nur das Pferd will nicht mitsingen", sagt er und zwinkert wieder. Seine Motivation, über so viele Jahre Sankt Martin zu sein? Die ist für ihn denkbar einfach: "Es ist für die Kinder", sagt Derix, "für die Tradition".

Die wird in den Gemeinden bewahrt werden - auch, wenn Derix im kommenden Jahr zum ersten Mal seit 40 Jahren den Martinszug vom Straßenrand aus verfolgt.

Quelle: RP
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