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Schwalmtal
Sarah wirbt für Weuthens "Annabelle"

Schwalmtal: Sarah wirbt für Weuthens "Annabelle"
In strömendem Regen stellten die Experten Kartoffelroder vor. Manch kleiner Gast suchte per Hand nach. FOTO: Busch
Schwalmtal. Die rheinische Kartoffelkönigin eröffnete den 26. Weuthen-Kartoffeltag, der im Waldnieler Westen auf eigens präparierten Wiesen und Äckern stattfand und über 1 500 Besucher vom ganzen Niederrhein anzog. Von Manfred Meis

Kartoffeln müssen "leistungsgerecht und qualitätssichernd" gerodet werden, denn "Qualität wird bezahlt", erläutert Heinz-Günter Gerighausen, als er eine Erntemaschine größer als die andere vorstellt. Der Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Rheinland kennt sich in den Feinheiten der Ungetüme aus, die auf extra breiten Reifen daher rollen, um den Bodendruck so gering wie möglich zu halten. An die 20 dieser Maschinen führen auf den eigens für diesen Tag angepflanzten Kartoffeläckern vor, wie schonend sie ernten und schon teilweise vorsortieren. Mit Kennerblick oder auch vor allem bei älteren Landwirten erstaunten Minen verfolgen die Besucher die Vorführungen, klettern auch mal oben hinauf auf den zweiten Leitstand. Manche fahren selbst, manche werden von PS-starken Traktoren gezogen.

Welcher Landwirt kann sich solche Maschinen leisten? "Noch erstaunlich viele", meint Karl-Josef Dammer, einer der Geschäftsführer des Wilhelm Weuthen Agrarhandels. Wenn solch eine Maschine 10 bis 15 Hektar Kartoffeln pro Tag rodet, zahle sich das schon aus, denn dann "ist die große Maschine nicht teurer als die kleine, die weniger schafft". Allerdings: Landwirte bilden Maschinenringe, damit in der Haupterntezeit zwischen Mitte September und Mitte Oktober bis zu 180 Hektar gerodet werden können. 50 000 Tonnen wandern in die Hallen der über ganz Deutschland verbreiteten Kartoffelgruppe Weuthen, die insgesamt 1,5 Millionen Tonnen vermarktet. Sie ist damit der größte Kartoffelhändler Europas.

Dass das vor 130 Jahren gegründete Waldnieler Unternehmen über die Grenzen hinaus blickt, war an gelbschwarzen und weißroten Autokennzeichen zu sehen und bei Gesprächen zu hören. Auch ein Teil der Erntemaschinen kam aus Limburg; vor allem niederländische Kartoffelzüchter zeigten ihre neuen Sorten, die meist wohlklingende Frauennamen wie Arielle oder Lady Christl haben, aber auch Ibiza heißen oder schlicht SM 11-121-08. Schöne Namen verkauifen sich offenbar gut. Das gilt auch für die Weuthen-Favoritin "Annabelle", eine "sehr frühe bis frühe Salatsorte, mit schöner Form, zarter Schale, gelbem Fleisch und einer hervorragenden Speisequalität".

Der trockene Sommer ist dem Wachstum der Knollen bisher nicht so gut bekommen, doch nach dem Regen schöpfen die Landwirte wieder Hoffnung, sagte Weuthen-Geschäftsführer Ferdi Buffen vor rund 500 Fachleuten aus Landwirtschaft, Handel, Verarbeitung, Logistik, Maschinenbau, Pflanzenschutz und Versicherungswirtschaft im großen Ausstellungszelt. Zur Preissituation äußerte er sich verhalten optimistisch. Im Speise- und Exportmarkt werden 15 bis 20 Euro für den Doppelzentner erwartet. Bei lagerfähigen Kartoffeln könnten die Landwirte "gelassen und optimistisch bessere Vermarktungsmöglichkeiten abwarten". Das Rheinland sieht er gut positioniert. Es biete mit dem Frühkartoffelanbau, der hohen künstlichen Bewässerung und dem ertragreichen Boden "eine Ertrags- und Qualitätssicherheit gegenüber anderen Regionen".

Auch wenn sie eigentlich gelernte Landwirtin mit Schwerpunkt Milchviehwirtschaft ist, will sich die rheinische Kartoffelkönigin Sarah Verhülsdonk (Kevelaer) für den "wichtigsten Bodenschatz des Rheinlandes, unser rheinisches Gold" einsetzen. Die Kartoffel sei nicht nur gesund, sondern als Allround-Talent in ihrer Vielfalt nicht zu toppen. "Sie ist einfach klasse und unentbehrlich", lobte die 20-Jährige, die nach einem Gesellenjahr auf dem elterlichen Hof nun die Fachschule für Agrarwirtschaft in Kleve besucht. Ihr Lieblingskartoffelessen: "Schmörkes mit Dip" - kleine mit Schale in der Pfanne gebratene Frühkartoffeln. Bei Weuthen stand jetzt aber "Annabelle" obenan.

Quelle: RP
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