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Viersen
Schauspieler würdigt Erich Kästner in der Festhalle

Viersen. Ulrich Gebauer beeindruckte mit bekannten und unbekannten Texten des beliebten Kinderbuchautors Von Gert Holtmeyer

Erich Kästner ist unvergessen. Davon zeugen in Deutschland zahlreiche Straßen, Plätze und Schulen. In der Festhalle fand Ulrich Gebauer, prominenter Theater- und Fernsehschauspieler, mit seinem Kästner-Programm "herzleid los" vor voll besetzten Studio-Reihen ein interessiertes, begeistert applaudierendes Publikum.

Freunde und Fans des 1899 in Dresden geborenen und 1974 in München gestorbenen bissigen Zeitkritikers und erfolgreichen Kinderbuchautors begegneten dem einen oder anderen bekannten Text wieder, der sachlichen Romanze etwa oder dem Maskenball im Hochgebirge. Aber Gebauer bot kein oberflächliches Potpourri beliebter Kästner-Verse. Er legte das Schwergewicht auf die tief pessimistische Sicht, mit der Kästner nicht nur die in der Tat verheerenden Zeitläufte beschrieb. Kästners Menschenbild, das war unüberhörbar, war insgesamt von tiefem Misstrauen geprägt. Das gilt für viele Satiriker und Humoristen, für Wilhelm Busch und Loriot ebenso. Die Beliebtheit wurzelt in der geistreichen Form, in der die Probleme aufgespießt werden. Befreiendes Lachen schufen in der Festhalle Formulierungen wie die, dass es in Ausnahmefällen sogar Menschen gibt, "die, selbst wenn sie dumm sind, schweigen". Gebauer rezitierte bekannte und unbekannte Kästner-Texte mit dem ganzen Können und Engagement eines gestandenen Bühnenprofis. Dabei wurde er musikalisch begleitet von Ralf Schink, vorwiegend am Klavier, im zweiten Teil auch an der Laserharfe. Wirkte die Musik auf den Vortrag eher unterstützend oder eher störend? Das sah wahrscheinlich jeder Zuhörer etwas anders. Einerseits war das Klavier über weite Strecken im Verhältnis zur Rezitation zu laut. Mitunter klang die Musik auch etwas monoton. Andererseits: Durch den Dialog mit Musik konnte Gebauer viel stärker als in einer reinen Text-Rezitation den Sprachrhythmus der Verse zum Klingen bringen. Und er konnte Sprechpausen in ganz anderem Maße dramatisch lang gestalten.

Schink präsentierte sich nicht nur als versierter Pianist. Schieben wir die Frage, ob der Einsatz einer Laserharfe fürs Verständnis Kästners von Belang ist, einmal beiseite. Aber was Schink auf diesem Instrument vorführte, war für sich genommen faszinierend. Deutlich waren Lichtbögen bei der Berührung der acht Laserstrahlen sichtbar. Und man konnte nur staunen, wie Licht in Klang umgesetzt wurde.

Sind Kästners Texte veraltet? Spätestens der "Hymnus auf die Bankiers" bewies das Gegenteil.

Quelle: RP
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