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Viersen
Schmicklers wuchtige Worte

Viersen. Wilfried Schmickler begeisterte mit scharfem Blick und ebensolchen Worten in der ausverkauften Viersener Festhalle. Von Daniela Buschkamp

Schwarz gekleidet steht Wilfried Schmickler zu Beginn auf der dunklen, punktuell erleuchteten Bühne der Festhalle Viersen. Grimmig-entschlossen wirkt er. Keine Überraschung, lautet der Titel seines aktuellen Soloprogrammes doch "Das Letzte". Ein Hinweis auf einen ernsten Abend. Tausende Menschen auf der Flucht, Übergriffe auf Asylunterkünfte, gefährliche Internetsucht oder auch die Würdigung des Kölner Karnevals als Weltkulturerbe - bei dieser Auswahl könnte es wenig zu lachen geben.

Doch Wilfried Schmickler präsentiert diese Themen mit einer derart mitreißeneden Eloquenz, dass er das Publikum in der ausverkauften Festhalle mühelos in seinen Bann zieht. Für mehr als zwei Stunden seziert er gekonnt die politische Landschaft zwischen Merkels CDU und einer siechenden FDP, die verzweifelt auf junge Dynamik setzt.

Besonders viel Applaus erhält der Kabarettist immer dann, wenn er menschelt. Wenn Schmickler etwa noch einige der täglichen 10.000 Schritte für seine Krankenkasse ablaufen muss. Wenn er den Besuch im schwedischen Möbelhaus schildert und einen Kulturkampf zwischen schwedischen und deutschen Hackbällchen fürchtet. Oder wenn er die Zuschauer mitnimmt in sein Kölner Viertel. Dort hat er die Frage nach dem Untergang des Abendlands gestellt. Bei Schneiderin Frau Dabir, doch die "nimmt um diese Uhrzeit nichts mehr an". Beim Griechen Costa, der dieses Gericht gar nicht auf der Karte hat, dafür aber "Leipziger Allerlei" empfiehlt. Oder bei Thorsten von der Lotto-Annahme, der angesichts des millionenschweren Jackpots dafür "jetzt keine Zeit hat". Erleichtertes Fazit: "Der Untergang des Abendlands findet nicht statt."

Doch Wilfried Schmickler verlangt von seinem Publikum auch das Letzte an Aufmerksamkeit. Wer einmal den Faden verliert, ist raus aus der Nummer. So winden sich seine Antworten auf die schlichte Frage "Was ist wichtig?" zu einem wuchtigen Wortwurm. Verführerisch harmlos klingt sein Lied vom kleinen Mann und seiner kleinen Frau, die Feuer in der Asylunterkunft legen. Auch Fragen wie "Ist es einfacher ein guter Mensch zu sein, wenn man auf nichts verzichten muss?" zeigen Schmicklers moralischen Anspruch.

Mit einem begeisterten Lob für das städtische Kulturteam verließ Wilfried Schmickler die Bühne. Wer etwas von diesem Abend mitnehmen wollte, konnte Buch oder CD kaufen. Oder hoffen, dass auf "Das Letzte" noch ein neues Programm mit solcher Wort-Wucht folgt.

Quelle: RP
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