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Diana Menschig
Schreiben klappt mit Ruhe und viel Kaffee

Diana Menschig: Schreiben klappt mit Ruhe und viel Kaffee
Geboren in heute in Dülken zu Hause: Diana Menschig, Autorin und Psychologin. Foto: Norman Guy FOTO: Süchteln,
Viersen. Mit Fantasy-Romanen machte sich die Dülkenerin Diana Menschig einen Namen. Jetzt veröffentlichte sie unter Pseudonym ein Buch, das eine Familiengeschichte rund um den Ersten Weltkrieg thematisiert. "Schreiben ist wie Marathon", sagt sie

Gerade ist bei Knaur Ihr Buch "Ein Tal von Licht und Schatten" erschienen - anders als "Hüter der Worte" kein fantastisches, sondern ein historisches Thema aus Südtirol. Wie sind Sie auf die Familiengeschichte rund um den Ersten Weltkrieg gekommen?

Menschig Das Thema ist wirklich ein Herzensprojekt. Die Region und die Landschaft der Dolomiten haben mich erstmals begeistert, als ich 2006 am Radsportmarathon Maratona teilgenommen habe. Auch beim Wandern erlebt man die Faszination der Berge und stößt überall auf Spuren des Ersten Weltkriegs, auf Gedenksteine, Kreuze oder Kapellchen. Zunächst hatte ich die Idee für eine fantastische Geschichte: Berge, die sich gegen die Wunden, die ihnen geschlagen wurden, erheben ... eine schöne Idee, doch dafür findet man keinen Verlag.

Wie ging die Arbeit am Buch dann weiter?

Menschig, Auch 2007 und 2009 haben wir dort wieder Urlaub gemacht. Ich habe mich in die Geschichte des Ersten Weltkriegs vertieft, habe in Bibliotheken und Archiven Material gesammelt. Viele Gespräche mit Veronica Craffonara vom Institut Micurá de Rü kamen hinzu. So konnte ich noch tiefer in die Welt der Ladiner eintauchen.

Eine Welt, die Sie ja schon kannten.

Menschig Ja, für die Fantasy-Sprache meiner früheren Bücher bildete Ladinisch die Grundlage. Manche Dinge ergaben sich bei "Ein Tal von Licht und Schatten" aber auch per Zufall: So trägt die Hauptfigur Elisa den Nachnamen unserer Vermieter. Sie wussten davon nichts, bis ich ihnen ein Buch geschickt haben. Sie haben sich sehr gefreut. Wenn ich das nächste Mal dort bin, wird mir ihr Großvater noch mehr Geschichten erzählen.

Ihr erstes Buch "Hüter der Worte" wurde um fast 150 Seiten gekürzt. Was fühlt ein Schriftsteller dabei?

Menschig Auch Autorenkollegen empfinden solche Kürzungen oft als Amputation, Bei "Ein Tal von Licht und Schatten" habe ich gegen zu viele Kürzungen der jetzt erschienenen 650 Seiten gekämpft. Insgesamt musste ich auf rund 60 Seiten verzichten. Dafür musste ich aber einige Stellen umschreiben, um die Übergänge zu glätten.

Warum haben Sie jetzt unter dem Pseudonym Marie Buchinger veröffentlicht?

Menschig Das war ein Wunsch des Verlags, der sich aber mit meiner Einstellung zu Pseudonymen deckte, dem Leser damit Orientierung zu geben. Als Diana Menschig veröffentliche ich weiterhin fantastische Stoffe. Marie Buchinger, deren Name einen süddeutschen-österreichischen Klang hat, wird für ein historisches Thema verwendet.

J.K. Rowling soll für ihr erstes Harry- Potter-Buch im The Elefant Café im Edinburgh Inspiration gesucht (und gefunden) haben. Ist es bei Ihnen ähnlich idyllisch: Schreiben im Café, bei einer Tasse Tee?

Menschig (lacht) Nein, das wäre mir zu hektisch. Bei mir ist das Schreiben eher langweilig, ich sitze vor dem großen PC-Monitor an meinem Schreibtisch. Ich brauche zum Schreiben viel Ruhe, verzichte auf Musik, dafür gibt es viel Kaffee.

Haben Sie sich ein bestimmtes Pensum gesetzt?

Menschig In der Woche möchte ich gern 25 Seiten schaffen, das sind fünf Seiten am Tag. An manchen Tagen fülle ich 20 Seiten, muss die aber auch intensiv nacharbeiten. Manchmal versinke ich so in meiner Arbeit, dass ich einfach drauflos schreibe - und muss danach durchaus noch viele Fehler herausholen. Und die eigenen Fehler überliest man ja auch leicht. Zumal ich auch den Anspruch habe, meinem Lektor ein möglichst fehlerfreies Manuskript zu übergeben.

Sie schreiben allerdings nebenbei.....

Menschig Vom Schreiben allein kann ich nicht leben. Meinen Stundenlohn rechne ich lieber gar nicht erst aus. Für mein nächstes historische Buchprojekt, das 2018 geplant ist, habe ich zwar schon einen Vertrag unterschrieben und einen Vorschuss erhalten - doch damit allein kann ich mich nicht nur aufs Schreiben konzentrieren.

Haben Sie überhaupt noch Zeit zum Lesen? Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

MenscHig Ich lese wirklich alles - vom Heftroman bis zum Sachbuch. Doch bei deutschen Autoren fallen mir dann oft stilistische Dinge auf, ich denke ,Das hättest du anders geschrieben'. Das stört mich zunehmend beim Abtauchen in eine Geschichte. Deswegen lese ich immer mehr Bücher in englischer Sprache. Genial fand ich etwa zuletzt "Ready Player One", einen Fantasyroman über eine virtuelle Realität von Ernest Cline.

Was bestärkt Sie dennoch auf Ihrem Weg als Schriftstellerin?

Menschig Als ich mein erstes Buch geschrieben und etwas verschämt einer Nachbarin zum Lesen gegeben hatte, kam sie direkt am nächsten Tag und sagte: ,Du musst weiterschreiben - ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht'. Zwischen meinem ersten Buch und dem neuen gibt es schon eine Entwicklung. Gäbe es die nicht, wäre es schade - und auch für mich langweilig. Dann würde ich aufhören zu schreiben.

Welche Überschrift würden Sie einem Porträt von sich geben?

Menschig Irgendetwas mit Geschichtenerzählerin oder "Mit Worten etwas bewegen".

DANIELA BUSCHKAMP FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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