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Wolfgang Genenger
Schützen wollen sich Neuem öffnen

Wolfgang Genenger: Schützen wollen sich Neuem öffnen
Wolfgang Genenger repräsentiert jetzt rund 250 000 Schützen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Der Stellvertretende Bundesschützenmeister spricht über die Herausforderungen, denen sich das Brauchtum zu stellen hat. Von Klas Libuda

Der Viersener Wolfgang Genenger wurde am vergangenen Sonntag von der Bundesvertreterversammlung des Bundes der historischen Schützenbruderschaften zum Stellvertretenden Bundesschützenmeister gewählt. Der 53-Jährige möchte über die Integration von Muslimen nachdenken. Die Schützen müssen auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren, sagt er.

Was wird Ihre allererste Amtshandlung sein?

Genenger Die erste Amtshandlung wird sein, nun meinen Nachfolger als Diözesanbundesmeister zu finden. Das bin ich nämlich noch bis zum Februar nächsten Jahres. Bis ich das Amt aufgebe, möchte ich die Projekte, die ich angepackt habe, für mich zu Ende führen und für eine geordnete Übergabe sorgen.

Sie sind der gewählte Vertreter von 250 000 eingetragenen Schützen. Haben Sie sich vor der Wahl Gedanken gemacht, wie Sie so viele Menschen vertreten wollen?

Genenger Es ist für mich kein Neuland, weil ich dem Präsidium des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften bereits seit zehn Jahren als Diözesanvertreter und -bundesmeister angehöre. Als Mitglied des Präsidiums bin ich bundesweit immer schon viel unterwegs gewesen. Die Weichen sind also gestellt.

Ist denn das neue Amt nicht auch eine Belastung?

Genenger Es soll vor allem Freude machen. Ich habe in meiner Bewerbungsrede im Beisein von Bischof Heiner Koch die Frage aufgeworfen, ob wir den Verband und seinen christlichen Hintergrund nach vorne bringen oder ob wir nur eine Feiergesellschaft sein wollen, die ihre Schützenfeste durchzieht. Mir ist aber gar nicht an diesem "oder" gelegen. Ich möchte ein "und" sehen. Man kann beides miteinander verknüpfen, das ist für mich wesentlich. Das müssen wir nach außen transportieren.

Welche Aufgaben werden Sie im neuen Amt übernehmen?

Genenger Neben den monatlichen Vorstandssitzungen werde ich Ausschüsse des Bundes betreuen, den Kontakt zur Basis intensivieren und vor allem repräsentative Aufgaben wahrnehmen. Ende April gehen die Schützenfeste wieder los, bis Ende September bin ich dann eigentlich jedes Wochenende mit dabei. Wobei ich meine Basis nicht verlieren möchte. Ich bin mit Leib und Seele Viersener Schützenbruder und möchte meinen Verband auch immer wieder besuchen.

Und Sie glauben, das klappt?

Genenger Das klappt. Ich habe meine Frau dabei, die legt da Wert drauf.

Zuletzt gab es für die Schützen schlechte Nachrichten. Die Unesco möchte das Schützenwesen nicht als Kulturerbe anerkennen. Die Kommission forderte mehr "kulturelle Vielfalt". Ist die Kritik berechtigt?

Genenger Ist sie überhaupt nicht. Die Begründung der Kommission ist überzogen gewesen, wenn etwa von "Biodeutschen" die Rede ist, entspricht das nicht unserem Denken. Manches hat die Unesco auch sicher nicht so gemeint. Aber auch nicht wir haben den Antrag gestellt, sondern die Europäische Gemeinschaft der Schützen, bei der wir auch nur Mitglied sind. Meines Erachtens ist die Prüfung auch viel zu schnell vonstattengegangen. Man sollte sich eher gemeinsam hinsetzen und über die Situation reden.

Würden Sie sich denn das Schützenwesen als Kulturerbe wünschen?

Genenger Es würde diese besondere Kultur in jedem Fall würdigen. Oftmals werden wir ja belächelt, aber allein im Diözesanverband Aachen gibt es 435 Schützenbruderschaften. Jeder Ort hat einen Schützenzug. Das prägt die Ortschaften und das Miteinander. Sich aber nur zum Schützenfest zu treffen ist zu wenig. Wir müssen auch die Jugendlichen mit attraktiven Angeboten an uns binden.

Sie sagten kurz nach ihrer Wahl, die Bruderschaften müssten sich jetzt Gedanken über ihre Stellung in der Gesellschaft machen. Wie meinten Sie das?

Genenger Wir haben auch mit Mitgliederschwund zu kämpfen. In einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen müssen wir die Dinge gemeinsam anpacken, anders geht es gar nicht. Wir Altschützen müssen darum etwa die Jungen mit ins Boot holen und ihnen mit gleichem Respekt begegnen.

Und wie steht es um die Wiedereingliederung von Geschiedenen und Wiederverheirateten. Würde das unserer Zeit nicht auch gerecht?

Genenger Das ist so, da müssen wir uns nichts vormachen. Wenn ich geschieden und wiederverheiratet bin, dann bin ich nicht aus der Kirche ausgetreten und habe immer noch meinen Glauben. Warum sollen wir diese Leute dann nicht mitnehmen. Allerdings können wir das nur im Einklang mit der Kirche, aber auch die versucht sich schließlich zu öffnen.

Werden Sie sich auch für Angehörige anderer Religionen öffnen?

Genenger Wir sind ein christlicher Verband und schon heute gibt es Angehörige von 28 Religionsgemeinschaft, die uns angehören. Ich habe auch überhaupt nichts gegen Muslime und bin bereit, darüber nachzudenken, wie wir sie integrieren können.

Wie könnte das gehen?

Genenger Die Akzeptanz und der Respekt gegenüber dem katholischen Glauben muss von Andersgläubigen gewährleistet sein. Das ist ein Punkt, an den wir jetzt ranmüssen und der uns sehr wichtig ist. Aber da werden wir uns mit der Basis und mit der Kirchen besprechen. Wir können nicht sagen, wir sind ein kirchlicher Verband und anschließend die Kirche mit Füßen treten. Wir müssen jetzt das Traditionelle mit dem Neuem verbinden.

Wird die Basis solche Veränderungen denn überhaupt mittragen?

Genenger Ja. Die Basis geht doch längst in diese Richtung. Und mir ist wichtig, das klarzustellen: Solche Veränderungen gehen nicht von der Bundesvertretung oder von mir aus. Ich wurde doch gerade erst gewählt. Das müssen wir gemeinsam anpacken.

Sie sitzen für die CDU im Viersener Stadtrat. Haben Sie sich denn schon einen Schlachtplan gemacht, wie Sie Ihr kommunalpolitisches Engagement, den Beruf und das neue Amt unter einen Hut bekommen wollen?

Genenger Ich habe das bislang immer gut miteinander verknüpfen können und ich habe eine Familie, die mich unterstützt. Dann geht das.

Quelle: RP
 
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