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Schwalmtal
Schwalmtaler kochen über den Tellerrand hinaus

Schwalmtal. Einheimische und Flüchtlinge bereiteten gemeinsam Speisen zu. Das Projekt des Asylkreises Schwalmtal soll Menschen beim Kochen und Genießen zusammenführen. Von Birgit Sroka

In der Küche ist es ein wenig hektisch, bis alle Aufgaben verteilt sind. Der eine schnippelt, der nächste knetet, der dritte rührt - und manchmal hapert es mit der Verständigung. Dann muss man eben dem anderen zeigen, was zu tun ist. Chef in der Küche ist heute Mohamad Al Mohamid. Er wohnt mit seiner 18-jährigen Tochter Alaa in Waldniel, seine Frau und drei weitere Kinder leben in Jordanien. In seinem Heimatort Daraa in Syrien, nahe der jordanischen Grenze, besaß Al Mohamid zwei Restaurants. Diese verkaufte er und floh 2011 mit seiner Familie nach Jordanien, nachdem nach den ersten Verhaftungen von 15 Kindern, die regimekritische Parolen an Wände geschmiert hatten, Demonstrationen brutal niedergeschlagen wurden und Terror-Organisationen an Macht gewannen.

Im Küchenstudio Königs in Birth sorgt der Syrer heute dafür, dass Flüchtlinge, die in Schwalmtal leben, und Mitglieder des örtlichen Asylkreises gemeinsam ein Mahl kochen. Neben den Flüchtlingen hat der Asylkreis auch Schwalmtaler eingeladen, die sich für das Kochprojekt interessieren.

Nach der anfänglichen Hektik herrscht beim Kochen in der Küche eine entspannte, gemütliche Atmosphäre. Währenddessen spielt der Syrer Ammar Assaf auf der Laute oder auf der Gitarre. Es gibt Tabouleh, ein Salat, der mit Couscous zubereitet wird, Kabsa, ein Gericht mit Reis und Hähnchenschenkeln, und indisches Kebab mit gehacktem Lammfleisch. Zum Abschluss lockt ein Dattel-Dessert.

Normalerweise findet die Kochaktion daheim statt: Eine deutsche Familie verabredet sich mit Flüchtlingen, um gemeinsam ein Gericht aus der Heimat der Flüchtlinge zu kochen. Dabei lernen sich die Teilnehmer kennen, erfahren mehr über die fremde Kultur. Beim Kochen und Genießen verbringen sie Zeit miteinander. "Über den Tellerrand kochen" heißt dieses Projekt aus Berlin, das inzwischen auch in anderen Städten und Gemeinden Ableger gefunden hat, sogenannte Satelliten. Auch Schwalmtaler engagieren sich für das Projekt, bringen so Einheimische und Flüchtlinge zusammen. Al Mohamid ist begeistert von der Aktion. "Ich freue mich, dass ich viele Deutsche kennengelernt habe und nun für alle kochen darf", sagt er. "Ich bin da sehr motiviert und möchte gerne unsere Rezepte vorstellen." Dass er kochen kann, beweist er heute bei der Aktion des Asylkreises. Der Syrer sagt: "Wenn es jemanden gibt, der einen Partner für ein Restaurant sucht oder wenn ich in einem Restaurant als Koch arbeiten kann, würde ich das gerne machen", sagt Al Mohamid. In Jordanien habe er als Flüchtling nicht arbeiten dürfen, erzählt er. Er sei aber kein Typ, der die Hände in den Schoß lege. Daher beschloss er, gemeinsam mit seiner Tochter nach Europa zu flüchten.

Seit Anfang September leben die beiden nun in Waldniel. "Ich möchte nicht nach Jordanien zurück. Momentan ist meine Familie dort zwar relativ sicher, doch möchte ich sie gerne nach Deutschland holen, falls mein Asylantrag genehmigt wird", berichtet der Syrer von seinen Plänen. Die Familie werde in Jordanien vom Sozialamt und vom Deutschen Roten Kreuz versorgt. Notfalls würde er auch wieder nach Jordanien zurückkehren - doch ein Restaurant in Deutschland zu betreiben, das wäre sein Traum.

Auch Dorothee Königs ist von der Kochaktion begeistert. "Essen müssen wir alle. Und das ist eine schöne Art, sich zu begegnen", sagt Königs, die für das "Kochen über den Tellerrand" die Ausstellungsküche zur Verfügung stellte. "Ich hoffe, dass sich hier anschließend mehr Menschen zu weiteren Kochevents zu Hause verabreden", sagt sie. Künftig möchte sie die Aktion regelmäßig anbieten.

Quelle: RP
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