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Kreis Viersen
Schwerbehinderte in den Beruf bringen

Kreis Viersen: Schwerbehinderte in den Beruf bringen
Lagerleiter Hubert Boeckem (v.l.) mit den Prolegura-Geschäftsführern Michael Gubanski und Marco Leuer sowie Elena Odenbach und Dirk Strangfeld von der Agentur für Arbeit Krefeld im Lager der Nettetaler Firma. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Kreis Viersen. Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Viersen und in Krefeld ist im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gesunken. Bei Menschen mit Behinderung stagniert die Entwicklung dagegen. Ein Nettetaler Betrieb zeigt, wie gut es laufen kann Von Emily Senf

Als einer von zwei Lagerleitern ist Hubert Boeckem viel beschäftigt. Gerade sitzt der 57-Jährige am Steuer des Gabelstaplers und fährt Kisten voll Kleidung zwischen Presse und Lager hin und her. Seit Februar arbeitet der Gladbacher in der Firma Prolegura in Nettetal-Kaldenkirchen. Manchmal kann er mit der linken Hand nicht mehr ganz so gut zupacken, das linke Bein kribbelt. "Doch er war noch nicht einen Tag krank", sagt Geschäftsführer Marco Leuer, der Boeckem aus seinem alten Betrieb mit in das 2016 gegründete Unternehmen am Herrenpfad-Süd genommen hat. Der 57-Jährige hat Multiple Sklerose und ist damit einer von acht Schwerbehinderten bei Prolegura, einem sogenannten Inklusionsbetrieb. "Das ist super", sagt er.

Die Firma für Altkleider- und Schuhsammlungen entstand aus dem Zusammenschluss dreier Unternehmen. Bei der Neugründung sei klar gewesen, dass man aktiv Inklusion betreiben wolle, berichtet Michael Gubanski, ebenfalls Geschäftsführer der Prolegura GmbH. Unterstützung gab es von der Agentur für Arbeit Krefeld, zuständig für den Kreis Viersen. Dort liegt ein Schwerpunkt darauf, Behinderte in den Beruf zu bringen. Während die Zahl der Arbeitslosen im November mit 21.806 Menschen vier Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt, stagniert die Entwicklung bei Menschen mit Behinderung. Von 171.940 Beschäftigten im Agenturbezirk sind 6125 Schwerbehinderte (3,6 Prozent). Aktuell gibt es in Krefeld und im Kreis Viersen 1696 arbeitslose Schwerbehinderte (Krefeld: 819, Kreis Viersen: 877), 17 mehr als vor einem Jahr.

"Insgesamt nimmt die Arbeitslosigkeit ab und die Beschäftigung zu", sagt Dirk Strangfeld, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld. Auch die Jugendarbeitslosigkeit (Menschen bis 25 Jahre) sei gesunken. "Es ist häufiger so, dass Betriebe ihre Auszubildenden nach dem Ende der Lehre behalten, obwohl vielleicht erst in einem Jahr eine passende Stelle frei wird", sagt Strangfeld. "Das ist sinnvoller, als später jemand Neues einzustellen."

Doch um nun auch die Zahl der arbeitslosen Behinderten zu senken, läuft bei der Agentur für Arbeit beispielsweise gerade die siebte bundesweite Aktionswoche für Menschen mit Behinderung. "Gerade in dieser Gruppe ist das Qualitätsniveau hoch", sagt Strangfeld. Das haben auch Gubanski und Leuer erkannt. Bislang haben sie ihre Mitarbeiter, die Einschränkungen haben, für einfache Tätigkeiten wie etwa an der Schneidemaschine und an der Kleidungspresse eingesetzt. Für das kommende Jahr aber suchen die Geschäftsführer zwei Mitarbeiter für den IT-Bereich, zudem denken sie darüber nach, Ausbildungen für Behinderte anzubieten.

Derzeit sind in dem Betrieb mit 20 Mitarbeitern neben Boeckem unter anderem Schwerhörige und Autisten beschäftigt. "Andere haben vorher gesagt, wir sollen die Finger von denen lassen", sagt Gubanski. Bereut habe die Firma ihre Entscheidung bislang aber nicht. "Man bekommt von den Mitarbeitern wahnsinnig viel zurück", sagt Tochter Hanna Gubanski aus der Personalabteilung. "Manche sind so motiviert, dass wir sie sogar bremsen müssen." Der Betreuungsaufwand sei überschaubar. Beispielsweise habe jeder Schwerhörige einen Paten, der ihm bei einem Notfall wie einem Brand zur Seite steht.

Die Agentur für Arbeit Krefeld selbst liegt mit zehn Prozent deutlich über der Schwerbehinderten-Quote für Firmen von fünf Prozent. Einer der wenigen Unterschiede bei der Beschäftigung von Behinderten sei es, dass das Integrationsamt zustimmen müsse, wenn die Firma ihnen kündigen möchte, sagt Elena Odenbach, Betreuerin für Arbeitgeber im Reha-Bereich. Sorgen müsse sich deswegen aber kein Arbeitgeber: Die Zustimmungsquote liege bei 80 Prozent. "Wenn es nicht passt, passt es nicht", sagt sie.

Quelle: RP
 
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