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Viersen
Seelische Abgründe auf der Festhallenbühne

Viersen: Seelische Abgründe auf der Festhallenbühne
Die "Grande Dame" des Objekttheaters, Agnès Limbos, und Schauspieler Gregory Houben zeigen am 11. und 12. April in der Festhalle das Stück "Brandungen" in einem deutsch-englisch-französischen Sprachmix. FOTO: Alice Piemme
Viersen. In der neuen Spielzeit bietet die Kulturabteilung mit dem Studio-Abonnement ein tolles Programm. Den Auftakt macht Schauspieler Matthias Brandt mit dem Thriller "Psycho" Von Birgitta Ronge

Im Oktober wird die Bühne der Festhalle zur Bühne des Grauens: Dann sind der Schauspieler Matthias Brandt und der Sänger und Pianist Jens Thomas zu Gast. Zu Brandts inszenierter Lesung inszeniert Thomas den Soundtrack. Brandt, Krimifans bestens aus der ARD-Serie "Polizeiruf 110", greift für die Inszenierung auf den Roman "Psycho" von Robert Bloch zurück, der 1959 erschien und schon ein Jahr später von Alfred Hitchcock verfilmt wurde.

Wer glaube, mit Hitchcock das Grauen von "Psycho" schon zu kennen, werde an diesem Abend eines Besseren belehrt, verspricht die Kulturabteilung der Stadt: "Dieser besondere Abend ist nicht festgelegt und routiniert einstudiert, er lebt vielmehr von der intensiven, spontanen Interaktion zwischen beiden Akteuren." Dabei gelinge es ihnen irre gut, die Besucher in die seelischen Abgründe des Mörders Norman Bates schauen zu lassen.

Die Kulturabteilung hat für die neue Spielzeit ein vielversprechendes Programm zusammengestellt. Die Abonnementreihe "Studio" umfasst neben "Psycho - Fantasie über das kalte Entsetzen" am 11. Oktober vier weitere Veranstaltungen, Beginn ist in der Regel um 20 Uhr. Am Sonntag, 19. November, ist das Theater Urknall zu Gast, das seine Märchenadaption "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" nicht nur nachmittags für Familien, sondern auch abends (Beginn ausnahmsweise um 19 Uhr) präsentiert. "Ein theatrales Bonbon für alle Figurentheaterfans", befindet die Kulturabteilung - schließlich werden diese in der Abonnementreihe "Studio" immer zahlreicher. Die Puppenspieler Dorothee Carls und Michael Hatzius lernten sich während des Studiums kennen und gründeten das Theater Urknall. In Zusammenarbeit mit dem Theater Waidspeicher aus Erfurt entstand eine komödiantische Umsetzung des Märchens, in dem Michael Hatzius den Frosch, Dorothee Carls die vorwitzige Königstochter spielt.

Ein Muss für Theaterfans ist die Aufführung am Sonntag, 3. Dezember: Das Renaissance-Theater Berlin zeigt die Uraufführungs-Inszenierung "Entartete Kunst - Der Fall Cornelius Gurlitt". Der britische Autor Ronald Harwood, der 2003 den Oscar für das Holocaust-Drama "Der Pianist" erhielt, hat sich für dieses Stück eines echten Falls angenommen, der vor fünf Jahren weltweit durch die Presse ging: Bei der Einreise von der Schweiz nach Deutschland fällt dem Zoll ein älterer Herr auf, der keine Einkünfte besitzt und nie Steuern gezahlt hat - aber eine Sammlung moderner Kunst sein eigen nennt, die er vom Vater geerbt hat.

Der Vater war ein Kunstexperte, den die Nazis mit der Einziehung sogenannter "entarteter Kunst" beauftragt hatten, die Kunstsammlung ist geschätzt eine Milliarde Euro wert. Doch wem gehören die Kunstschätze wirklich? Cornelius Gurlitt wird von Udo Samel gespielt, der seit 2004 zum Ensemble des Wiener Burgtheaters gehört.

Das Stück "Patricks Trick" von Kristo agor, mit dem das Theaterkohlenpott Herne am Mittwoch, 7. März, zu Gast ist, beleuchtet das Thema Behinderung: Der elfjährige Patrick wünscht sich einen Bruder. Zufällig hört er ein Gespräch der Eltern und erfährt, dass er einen Bruder bekommen wird. Dieser wird behindert sein und wohl niemals sprechen können. Patrick will das nicht einfach hinnehmen und sucht Mittel und Wege, um seinem Bruder den Start ins Leben zu erleichtern. Die Schauspieler Manuel Moser und Jan-Philipp Scharper zeigen den Zuschauern mit Humor und Slapstick, mit welch unterschiedlichen Sichtweisen man sich dem Thema Behinderung nähern kann.

Mit herausragenden Figuren- und Objekttheaterinszenierungen hat sich die "Studio"-Reihe in der Festhalle in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Die "Grande Dame" des Objekttheaters, Agnès Limbos, kommt gemeinsam mit dem Schauspieler Gregory Houben nach Viersen. Am Mittwoch und Donnerstag, 11. und 12. April, spielen sie ein paar, das verloren auf weiter See in einem kleinen Kahn treibt. Die beiden haben bei einem Unwetter alles verloren - das schicke Haus, das teure Auto. Doch dann stoßen sie auf eine Insel, die reich an natürlichen Schätzen ist. Ist dieses von der Brandung umspülte Paradies die Rettung, um wieder nach oben zu kommen? Das Stück "Brandungen (Ressacs)" der Compagnie Care Central aus Belgien wird in einem Sprachmix aus Deutsch, Englisch und Französisch aufgeführt. Weil die Zuschauerzahl begrenzt ist, wird es an zwei Abenden gezeigt.

Quelle: RP
 
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