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Brüggen
Sepp und Sam pflegen den Buchenwald

Brüggen: Sepp und Sam pflegen den Buchenwald
Die kräftigen Pferde Sepp und Sam ziehen einen Pflug durch den Wald im Oebeler Bruch, Fuhrhalter Georg Stevens geht hinterher. Der Pflug zieht Streifen in den Waldboden, so dass dort Bucheckern keimen und wurzeln können. FOTO: Busch
Brüggen. Der Buchenbestand im Oebeler Bruch ist etwa 120 Jahre alt. Um ihn zu verjüngen, ziehen Pferde einen Pflug über den Waldboden. In den Furchen können die vielen Bucheckern, die die Bäume jetzt abwerfen, Wurzeln schlagen Von Birgit Sroka

Im Oebeler Bruch, in der Nähe des Eggenbergs in Brüggen, befindet sich auf einer Fläche von etwa anderthalb Hektar ein 122 Jahre alter Buchenbestand. "Für diesen eher schlechteren Boden ist das für die Buchen schon ein hohes Alter", sagt Christoph Zebunke vom Regionalforstamt Niederrhein im Landesbetrieb Wald und Holz. Dieses Jahr ist ein Bucheckernjahr. Nur alle fünf bis sieben Jahre trägt die Rotbuche, auch "Mutter des Waldes" genannt, so viele Bucheckern wie in diesem Herbst. In den vergangenen zwei Jahren haben die Bäume die Weichen dafür gestellt, solch dicke Früchte abwerfen zu können wie jetzt. Doch das kostet die Buchen viel Kraft. Der richtige Zeitpunkt also für eine Naturverjüngung.

"Es wird Zeit, dass wir die nächste Generation Buchen heranziehen", sagt Zebunke. Doch bei der Aufzucht der Buchen muss das Regionalforstamt nachhelfen. "Es ist ein Kleinod, das man erhalten muss", erklärt er. Das Problem: Die Bucheckern fallen auf humosen Boden. Eine dicke Schicht am Boden verhindert, dass die Bucheckern keimen und Wurzeln schlagen können.

Auf diesem Gelände, auf dem zwischen den Buchen auch einige Eichen stehen, die wahrscheinlich noch älter als 122 Jahre sind, kann der Boden nicht mit schwerem Gerät bearbeitet werden. Darum kommen im Oebeler Bruch jetzt zwei Pferde zum Einsatz: Sepp und Sam, ein süddeutsches Kaltblut und ein Noriker. Die kräftigen Tiere kommen aus den Alpen und gehören Nicola Basten und Georg Stevens. Nebenberuflich Nebenberuflich sind die beiden Fuhrhalter und setzen die Pferde zum Holzrücken und Pflügen ein. So auch im Brüggener Wald. Georg Stevens steht hinter dem Pflug, Sepp und Sam ziehen ihn, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen. "Das Wetter ist genau richtig - und für die beiden ist das eine eher entspannte Arbeit", sagt Nicola Basten lachend. Zwischen den Bäumen werden Streifen gezogen, wo der Humus nun den festen Mineralboden freigibt. Ein zweites Mal kommen die Pferde zum Einsatz, wenn sie in ein paar Wochen vor eine leichte Egge gespannt werden, um die gefallenen Eckern abzudecken. Das soll die Früchte auch vor hungrigen Tauben schützen. "Die haben ganz schnell raus, was hier Leckeres liegt", sagt Zebunke. Er erklärt: "Pro Quadratmeter fallen etwa 200 bis 300 Bucheckern auf den Boden. Buchen sind Flachwurzler. In den Furchen können sie sich festsetzen. Wir warten dann ab, ob die Eckern im nächsten April keimen." Einige Eckern werden vielleicht Wildschweinen zum Opfer fallen, zarte Pflänzchen könnten absterben. "Das Ergebnis wird aber deutlich besser ausfallen, wenn der Boden bearbeitet ist." Ziel ist es, das genetische Material der Buchen, die schon den Smog Mitte der 1980er-Jahre und den bisherigen Klimawandel verkraftet haben, im Boden zu bewahren.

"Die Buchen ziehen alle Kraft aus den Blättern, um dicke Eckern zu bilden. Das macht mir schon etwas Sorge. Es werden sicherlich ein paar Bäume in den nächsten Jahren absterben", fürchtet Zebunke. Er ist froh, dass Dieter Dresen, bei der Gemeindeverwaltung Brüggen zuständig für die Forstbewirtschaftung, damit einverstanden war, dass die Burggemeinde die Kosten für den Einsatz der Pferde übernimmt und so die Natur selbst für einen jungen Buchenbestand sorgen kann.

Quelle: RP
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