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Prozess in Viersen
Serientäter aus Faszination für Feuer?

Prozess in Viersen: Serientäter aus Faszination für Feuer?
Im Oktober 2015 brannte auf der Feldstraße in Süchteln ein Kleinwagen. Das war eine der Taten, für die sich die Angeklagten nun verantworten müssen FOTO: GJU
Viersen. Nach einer Serie von Brandstiftungen in Süchteln stehen nun zwei Männer vor Gericht. Ein Bedburger (30) und ein Tönisvorster (25) leben seit einigen Jahren in der LVR-Klinik. Die freien Nachmittage nutzten sie zum Zündeln Von Tanja Karrasch

Die Liste der Taten, die den zwei Männern vorgeworfen werden ist lang: Zwischen August und Oktober 2015 sollen sie mehrere Hochsitze, Silagen, Autos, gelagerte Holzpaletten und einen Lkw in Brand gesetzt haben. Außerdem sollen sie versucht haben, ein Gartenhaus anzuzünden und für eine Detonation Anfang November 2015 im alten Pumpwerk verantwortlich sein. Für insgesamt elf Fälle von Brandstiftung mussten sich der 30-Jährige und der 25-Jährige gestern vor der Großen Strafkammer am Landgericht Mönchengladbach verantworten. Beide sind bereits stationär in der LVR-Klinik in Süchteln untergebracht - allerdings aufgrund vorheriger Straftaten.

Zur Überraschung des Vorsitzenden Richters des Landgerichts, Helmut Hinz, waren die Angeklagten aber bereit, ausführliche Angaben zu ihrer Person und den vorgeworfenen Straftatbeständen zu machen. Die Zeugenaussagen von betreuenden Therapeuten der Angeklagten wurden daher auf den nächsten Verhandlungstag verschoben.

Der 30-jährige Angeklagte kommt gebürtig aus Bedburg. Er sprach vor Gericht von einer Kindheit, in der körperliche Gewalt zum Alltag gehörte. Er machte seinen Hauptschulabschluss, brach eine Ausbildung ab und wurde früh Vater von zwei Kindern. Kurz darauf wurde er straffällig, seit 2009 ist er inhaftiert.

Vor etwa sechs Jahren kam der Bedburger in die LVR-Klinik in Süchteln. Dort lernte er den heute 25-jährigen Tönisvorster kennen. Die beiden freundeten sich in der Arbeitstherapiegruppe Gartenbau an. Schnell habe sich die Faszination des 30-Jährigen für Feuer und der Feuerwehr gezeigt: Der Tönisvorster sagte aus, er sei dabei gewesen, als der Bedburger mehrfach in öffentlichen Einrichtungen fälschlicherweise den Feueralarm ausgelöst habe - so wie im städtischen Krankenhaus, aber auch in der Orthopädieabteilung. Manchmal hätten sie dann gewartet, bis die Feuerwehr eintraf.

Laut Anklageschrift entstand alleine beim brennenden Lkw ein Schaden von 80.000 Euro. Alle Taten seien im Voraus von den Tätern gemeinsam geplant worden. Bei der Explosion in der Pumpstation an der Feldstraße betrug der Schaden 15.000 Euro. Dort sei eine Scheibe eingeschlagen worden, die Täter ließen Benzin in den Versorgungstrakt laufen, legten eine Spur nach draußen und zündeten diese an. Die Folge war eine laute Explosion.

Zu den Tatorten seien die beiden immer während ihrer Ausgangszeiten gefahren, schilderte der 25-Jährige. Zwei bis drei Stunden am Nachmittag standen ihnen zur freien Verfügung. Mit Fahrrädern erkundeten sie Süchteln und Umgebung. Dabei habe sein Freund auch den ersten Hochsitz entdeckt. Das Benzin, mit dem dieser anschließend in Brand gesteckt wurde, habe man nach Aussage des Angeklagten ebenfalls aus der Therapiegruppe Gartenbau entwendet. In einem Kellerraum habe es einen Tank gegeben, um Rasenmäher und Gartenmaschinen zu betanken.

Beim ersten Hochsitz war es ein Fünf-Liter-Kanister, den der 30-Jährige nach Angaben des 25-Jährigen aus der Arbeitsgruppe mitnahm und bis zum Einsatz hinter einem Trafohäuschen versteckte. Manchmal wurde für das Entfachen des Feuers auch Feuerzeugbenzin benutzt.

Von Mal zu Mal steigerte sich die Intensität der Taten: Nach den Hochsitzen kamen Silagen, dann Autos, der Lkw, die Pumpstation. Der Bedburger habe in allen Fällen die Tat ausgeführt, sich selbst beschrieb der 25-Jährige eher als "stillen Mitläufer". Er habe großen Respekt vor Feuer, sei nur mitgegangen, um den Kontakt zu seinem Freund nicht zu verlieren und mit diesem Zeit zu verbringen. Das Gericht hatte Zweifel an dieser Darstellung: Ob der 25-Jährige denn die Taten nie hinterfragt, seinen Freund nie nach dem "Warum" gefragt habe, wollten die Richter wissen. Der Angeklagte zeigte sich auf diese Fragen wortkarg, darüber sei nie geredet worden. Nur einmal habe der Bedburger gesagt, er habe mal wieder "Lust, etwas anzuzünden". Der zweite Angeklagte reagierte wütend auf diese Schilderungen. Für ihn stellte sich die Beteiligung des damaligen Freundes anders da.

Spätestens nach der Explosion in der Pumpstation hätte man ans Aufhören denken sollen, fand das Gericht. Doch die Täter lernten nicht dazu, zündelten wieder und wurden nach der Tat von einem Autofahrer, der ihnen entgegen fuhr, gesehen. Die Kriminalpolizei traf die beiden vor der Kirche in Süchteln an, nahm die Personalien auf. Am 5. Dezember wird die Verhandlung fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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