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Kreis Viersen
Servicenummer 115 - ruft keiner an?

Kreis Viersen: Servicenummer 115 - ruft keiner an?
FOTO: dpa-tmn
Kreis Viersen. Die Verwaltungskurzwahl 115 scheint kaum angenommen zu werden. Zu den Kosten möchte der Kreis nichts sagen. Von Ludger Peters

Die Vorschusslorbeeren sind verwelkt und die mit Einführung der zentralen Behördennummer verbundenen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Kurzwahl "115" entpuppt sich eher als telefonischer Irrläufer denn als hilfreiche Kurzwahl für die Bürger und die Kreisverwaltung Viersen. Der Kreis selbst hält sich mit seinem Urteil im Augenblick zurück und ist zudem wenig auskunftsfreudig. Auf Anfrage rückte er lediglich eine dürre Anruf-Statistik des vergangenen Jahres heraus.

Fragen nach den Kosten werden nicht beantwortet. Man verschanzt sich im Kreishaus hinter angeblich vertragsrechtlichen Geheimhaltungspflichten. Im März 2011, als die Nummer vorgestellt wurde, hieß es, der Kreis zahle jährlich 2500 Euro fürs 115. Im Haushaltsplan steckt der Betrag unter dem Sammelposten "Erstattung laufender Verwaltungstätigkeit Gemeinden" in der Gesamthöhe von rund 110.000 Euro. Angemerkt wird dazu, die Stadt Dortmund habe in den Jahren 2014 und 2015 "Kostenanpassungen" vorgenommen. Klüger macht das auch nicht. Der Löwenanteil der Summe dürfte allerdings in Beträgen stecken, die der Kreis Viersen an den Kreis Wesel überweist, weil der die Aufgabe des "Einheitlichen Ansprechpartners" wahrnimmt. Das ist ein Service für Dienstleister in Verfahrens- und Informationsfragen.

Die Statistik des Jahres 2015 für die Kurzwahl 115, die der Kreis auf Anfrage herausgerückt hat, fällt ernüchternd aus. Registriert wurden insgesamt 42.951 Anrufe, davon kamen aber lediglich 1197 über die Rufnummer 115 herein. Wer die zentrale Rufnummer 02162 390 im Festnetz wählte, hatte rein statistisch sogar bessere Aussichten, dass am anderen Ende jemand den Anruf aufnahm. Für 95 Prozent der Versuche zur telefonischen Kontaktaufnahme war das der Fall, über die 115 wurde bei 246 Anrufen nicht angenommen - die Quote der fehlgeschlagenen Anrufe unter der Kurzwahl beträgt 21 Prozent.

Knapp vier Jahre nach der Einführung der Service-Nummer im Kreis Viersen ist das Ergebnis sehr dürftig. Das Ziel der schnelleren Erreichbarkeit und der besseren Auskünfte ist eher nicht erreicht worden. Selbst eine großangelegte Werbekampagne des Kreises in der Startphase, der verschiedene eigene Fahrzeuge mit entsprechenden Aufkleber-Botschaften durch die Gegend schickte, veranlasste weit weniger Bürger als erwartet, die 115 einzutippen. Es scheint so, als hätten die Bürger im Kreis weit weniger das Bedürfnis, in der Landschaft entdeckte Müllhaufen, Auskunft in Bauangelegenheiten oder Fragen zum Führerschein über die 115 zu stellen, als man bei der Installierung angenommen hatte.

Die im Bundesinnenministerium geborene Idee verfing am Niederrhein nicht. Angelehnt an die bekannten Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Rettungsdienst/Feuerwehr) sollte die 115 sich in den Köpfen etablieren. Der Kreis Viersen ging für den Niederrhein an der Seite der Stadt Dortmund, der die zentrale und koordinierende Funktion zugefallen war, tapfer voran. Weit und breit beteiligten sich in der Region nur noch die Kreise Wesel und Neuss. Die Städte und Gemeinden warteten lieber ab, welche Erfahrungen der Kreis machte. Sie warten auch heute noch. Kein Bürgermeister hat sich bisher dazu durchringen können, sich der Behördenkurzwahl 115 anzuschließen. In der Kreisverwaltung wird die 115 hinter vorgehaltener Hand als "Rohrkrepierer" bezeichnet.

Quelle: RP
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