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Schwalmtal
So soll die Grabeskirche in Amern aussehen

Schwalmtal: So soll die Grabeskirche in Amern aussehen
Der Mönchengladbacher Architekt Burkhard Schrammen stellte gestern die Planung für die Grabeskirche St. Anton vor. Das Mittelschiff bleibt frei, dort können für Gottesdienste oder Veranstaltungen Stühle aufgestellt werden. An den Seiten werden die Urnenkammern eingerichtet. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Schwalmtal. Die Kirche St. Anton, eine von zwei katholischen Kirchen in Amern, erhält eine neue Bestimmung. Gestern stellten Pfarrer Thorsten Aymanns und Architekt Burkhard Schrammen die Planung für die Grabeskirche vor. Von Birgitta Ronge

Im Rahmen des "Kirchlichen Immobilienmanagements" (KIM) hatten sich die Gremien der Pfarrei St. Matthias Schwalmtal lange mit der Frage beschäftigt, was aus den Gebäuden der Pfarrei werden soll. Denn das Bistum kann nicht mehr alle Gebäude finanzieren. 2015 beschlossen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat, St. Anton in eine Grabeskirche umzuwandeln. 2016 wurde die Planung mit Bistum und Denkmalbehörde abgestimmt.

Jetzt geht es los. Für Samstag und Sonntag, 8. und 9. Juli, sind Veranstaltungen geplant, bei denen Gemeindemitglieder Erinnerungen austauschen können. In der Messe am Abend des 9. Juli wird die Kirche entwidmet. Dann können die Details geplant werden, kann der Umbau beginnen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 1,1 Millionen Euro. Die größten Posten bilden Dach und Fach, Boden und Heizung. Das Bistum beteiligt sich an den Kosten für die Sanierung. Die Grabeskirche soll sich künftig selbst tragen.

Der neue, helle Boden soll die gesamte Kirche heller machen. Links sind die Kupferplatten zu sehen, die die Grabstellen abschließen. FOTO: Schrammen

Das Mittelschiff bleibt im Wesentlichen so, wie es jetzt ist. Einzig der Boden wird in der gesamten Kirche ausgetauscht, die dunklen Fliesen werden einem zementgebundenen, hellen Belag weichen, der den Kirchenraum insgesamt heller machen wird. Die Orgel, ohnehin sanierungsbedürftig, wird wegen der Bauarbeiten ausgebaut. Ob sie repariert wird und wann, ist unklar: Aymanns rechnet mit etwa 40.000 Euro, die dazu nötig wären.

Der Altar bleibt in der Kirche. In Anlehnung an die Messingplatten am Altar sieht der Architekt die Gestaltung der Grabbereiche vor: Die Urnenkammern, die links und rechts des Mittelschiffs vorgesehen sind, sollen mit Kupferplatten verschlossen werden. Durch die Oberfläche des Kupfers in verschiedenen Behandlungsstufen ergibt sich ein lebendiges Bild, das an ein Wolkenmeer in Grün-, Blau- und Brauntönen erinnert. Auf jeder Kupferplatte, die eine Urnenkammer verschließt, werden der Name sowie Geburts- und Todestag des Verstorbenen eingraviert sowie vielleicht ein Symbol wie Kreuz oder Fisch. Nicht infrage kommen laut Aymanns Platten ohne Namen: "Keiner hat es verdient, namenlos aus der Erinnerung zu verschwinden."

Einige Dinge werden neu hinzukommen, um Trauernden den Aufenthalt angenehm zu gestalten: So wird es eine behindertengerechte Toilette geben, Sitzmöglichkeiten, um in der Kirche zu verweilen, und eine Wasserstelle, um die Blumen zu versorgen. Um die Trauerseelsorge wird sich Pastoralreferentin Ursula Hüsgens kümmern.

Die neue Grabeskirche hat auch schon ein Motto. "Vom Leben umfangen" lautet es. Denn das Gotteshaus soll den Lebenden und den Toten Raum geben und belebt werden - nicht nur, indem Menschen dort ihrer Verstorbenen gedenken, sondern auch, indem Konzerte und Lesungen zum Thema Tod und Leben stattfinden, indem es dort Gottesdienste ebenso gibt wie Begräbnismessen. Auch die Trauerfeiern für Sargbestattungen, die auf dem Friedhof von St. Anton stattfinden, sollen in der Kirche gefeiert werden.

Die Grabeskirche soll jedem offenstehen, Christen ebenso wie Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften. "Jeder ist willkommen, aber er muss unseren Glauben akzeptieren", sagt Aymanns. Noch stehen die Preise nicht fest, 2500 bis 3500 Euro wird die Beisetzung wohl kosten. Die Ruhezeit liegt bei 20 Jahren, sie kann verlängert werden. Nach Ablauf der Ruhezeit folgt die Endbestattung: Die Urnen werden auf der Grünfläche zwischen Kriegerdenkmal und Kirche der Erde übergeben, wo sie sich zersetzen.

Architekt Schrammen rechnet mit drei bis vier Monaten Bauzeit, im Herbst soll es losgehen. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest, doch wer in der Kirche beigesetzt werden möchte, kann schon einen Platz reservieren. Auch für Menschen, die nun vor der Eröffnung der Grabeskirche sterben, ist Platz: Urnen können in einer Kammer auf dem Friedhof St. Michael zwischenbestattet und dann nach St. Anton umgebettet werden, wenn die Grabeskirche fertig ist.

Quelle: RP
 
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