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Kreis Viersen
SPD hält an eigenem Stadtarchiv fest

Kreis Viersen. Im Kulturausschuss wird heute über eine Fusion mit dem Kreisarchiv beraten. Kempens Bürgermeister will den Kreisarchiv-Neubau in Kempen

Die Viersener SPD-Fraktion bleibt bei ihrer ursprünglichen Haltung und lehnt eine Eingliederung des Viersener Stadtarchivs in einen Neubau des Kreisarchivs klar ab. "Wir unterstützen die Haltung der Stadtverwaltung", erklärte der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Manuel García Limia. "Der Kreis versucht seit Monaten, die Politik in Viersen in dieser Frage unter Druck zu setzen", kritisierte der SPD-Ratsherr.

Heute Nachmittag steht das Thema auf der Tagesordnung des Kulturausschusses. Ab 17 Uhr wird im "Forum" am Rathausmarkt öffentlich diskutiert. Die Stadtverwaltung empfiehlt den Politikern, das Stadtarchiv nicht aufzugeben. Endgültig entscheidet der Stadtrat in seiner Sitzung am 5. September.

Landrat Andreas Coenen wirbt für ein Zusammengehen der Kempener, Willicher und Viersener Stadtarchive in einem Kreisarchiv-Neubau in Viersen. Im RP-Interview hatte er angekündigt, dass diese Lösung auf jeden Fall wirtschaftlicher für die Stadt Viersen sei als der Unterhalt des Stadtarchivs und die Beteiligung am Kreisarchiv über die Kreisumlage. Konkrete Baukosten nannte der Landrat nicht. 5,1 Millionen Euro der Baukosten würden als Fördergelder fließen - vorausgesetzt, dass der Neubau im Jahr 2020 steht.

Für die Viersener SPD überwiegen die Vorteile eines eigenständigen Stadtarchivs mögliche Synergieeffekte einer Übernahme. "Die Kreisverwaltung will oder kann die Forderungen aus Viersen nicht erfüllen", behauptet García Limia. Coenen argumentiert hingegen, die Standards fürs Viersener Stadtarchiv würden bei einer Eingliederung ins Kreisarchiv eher verbessert - von der technischen Ausstattung der Räumlichkeiten bis hin zu den Öffnungszeiten. "Kaum glaubhaft", findet Irmgard Röllen vom Verein "Geschichte für alle" Viersen. "Selbst ,Lieschen Müller' merkt, dass ein für Archivzwecke ertüchtigtes bescheidenes Turnhallengebäude günstiger ist als ein großer millionenschwerer Archivneubau mit modernster Technik."

In Kempen hat Coenens Aussage, dem Kreistag Viersen als Sitz des neuen Kreisarchivs vorzuschlagen, wenn die Stadt Viersen mitzieht, Bürgermeister Volker Rübo (CDU) verärgert. Durch das Angebot an die Städte Viersen und Willich, dort das Kreisarchiv zu errichten, wenn sie ihre städtischen Archive eingliederten, habe Coenen "Konkurrenz und Streit unter den Kommunen des Kreises geschürt", sagte Rübo im Gespräch mit unserer Redaktion. Er fordert, der Neubau des Kreisarchivs müsse in Kempen errichtet werden, setzt dabei auf die Archivalien als Druckmittel: Gerade mit den wertvollen mittelalterlichen Urkunden und Dokumente aus Kempen könne sich das Kreisarchiv schmücken. Die seien aber nicht Eigentum des Kreises, betonte Rübo. Es sei lediglich ein Verwahrungsvertrag geschlossen worden - und der könne mit einer Frist von einem Jahr gekündigt werden. Dieses Archivgut dürfe Kempen nicht verlassen, erklärte Rübo. Eine Entscheidung des Kempener Stadtrats über die Archivfrage steht noch aus.

(hb/mrö)
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