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Viersen
"Spiderman" nimmt Angst vor Klara und Co.

Viersen: "Spiderman" nimmt Angst vor Klara und Co.
"Spiderman" Dr. Stephan Loksa stellte den Kindern erst die Spinnentiere vor, ehe sie diese vorsichtig auf die eigene Hand nehmen konnten. FOTO: busch
Viersen. In der Kühltasche transportiert Spinnenforscher Dr. Stephan Loksa die Krabbeltiere und zeigt sie in Kitas und Schulen. Von Bianca Treffer

Dr. Stephan Loksa ist Spiderman - als Arachnologe ist der Biologe und Pädagoge Experte für die Krabbeltiere mit den vielen Beinen, die manche kreischen und auf Stühle springen lassen. Wenn der Bergheimer die mintfarbene Kühltasche öffnet, staunen die Zuschauer. Wie in der Kita St. Helena. In der Marienkäfergruppe herrscht Aufregung, kaum dass Loksa den großen Gruppenraum betreten hat. 20 Kinder sitzen im Stuhlkreis, recken ihre Hälse, um einen Blick in die Kühltasche zu werfen, die der Spinnenfachmann gerade geöffnet hat. "Hallo, jeder nennt mich der Spinnenmann", stellt sich Loksa vor. "Ich habe daheim einen großen Raum mit Tausenden von Spinnen, die ich füttere und pflege. Ein paar habe ich mitgebracht, die in der Kühltasche reisen, weil es darin im Sommer kühl und im Winter warm ist."

Doch bevor er auch nur eines der Gefäße mit den Spinnen herausnimmt, möchte er wissen, ob jemand Angst vor Spinnen hat. Ein paar Hände gehen in die Höhe, was er mit einem verständnisvollen Lächeln quittiert. Er nimmt zwei Gießharzmodelle in die Hand und Lars hilft ihm, die Beine der in Harz eingegossenen Spinne zu zählen. "Wisst ihr, warum Spinnen acht Beine haben?", fragt er. Joshua vermutet, dass sie damit besser klettern können. Marlon meint, dass sie dank der vielen Beine nicht am Netz festkleben können. Umso größer ist das Erstaunen, als Dr. Loksa das Geheimnis der vielen Beine löst: "Wenn ein Feind eine Spinne angreift und ein Bein erwischt, wirft die Spinne es ab. Ihr Körper ist rundum mit Beinen geschützt. Sie können sogar auf drei Beinen laufen - und die Beine wachsen nach."

Dass Babyspinnen mit einem Faden fliegen können, Spinnen sehr schlecht sehen und dass sie weitere ausgeklügelte Schutzmechanismen haben, damit ihre Feinde sie nicht fressen, fasziniert die Kinder. Keine Überraschung, dass da das Interesse für die Spinnen wächst. Als der Spinnenforscher das erste Röhrchen mit einer heimischen Zitterspinne herausholt, gruselt sich niemand mehr. Die im Plexiglasrohr krabbelnde Spinne wird von allen interessiert beobachtet. Anton darf die Zitterspinne sogar vorsichtig mit dem Finger anstupsen und so den Schutzreflex des Zitterns auslösen, dem die Spinne ihren Namen verdankt. Genauso interessant: Eine Mutterspinne mit Babys im nächsten Röhrchen und die Hausspinne, die nicht von der glatten Wand ihres Gefäßes abrutscht, auch wenn man es auf den Kopf stellt. Die Kreuzspinne an ihrem Faden, an dem sie wie an einem Jojo hängt, der orangefarbene Bauch der Tarantel, mit dem sie Fressfeinden vortäuscht, eine Biene zu sein - Dr. Loksa stellt sie alle vor.

Und dann hat er die erste Vogelspinne auf der Hand: "Das ist Klara und sie würde euch gerne guten Tag sagen." Köpfe gehen neugierig nach vorne, als er mit Klara durch den Stuhlkreis geht. "Darf ich die mal streicheln?", fragt Luis. Ein Nicken vom Spinnenmann - und Luis fährt sacht mit dem Finger über den behaarten Spinnenkörper. "Das fühlt sich ganz flauschig an", sagt er mit leuchtenden Augen. Jetzt will jeder Klara streicheln. Joline will sogar, dass Klara auf ihrem Kopf sitzt. "Das kitzelt und ist lustig", sagt Joline, als sich die Spinnenbeine durch ihre Haare bewegen. Das kann Erzieherin Isabel Thielen bestätigen, als Klara auch auf ihrem Kopf sitzt. Selbst Liona und Cleo, die zunächst zurückhaltend waren, möchten das Spinnentier jetzt gerne streicheln.

In der Kita St. Helena drehte sich zum zweiten Mal alles um Spinnen. Auf Einladung des Fördervereins war Dr. Loksa erneut zu Gast. "Uns ist es wichtig, dass die Kinder lernen, das Spinnen keine Igitt-Tiere, sondern nützliche Insektenfresser sind", sagt Kita-Leiterin Therese Stertz. "Wir möchten die vielfach vorkommende Spinnenangst abbauen". Die Kita-Kinder haben jedenfalls keine Angst mehr vor Klara und Co. - das hat der Spinnen-Experte mit seiner spielerischen Wissensvermittlung geschafft. Nun kann er seine Krabbeltiere wieder einpacken - zumindest bis zum nächsten Mal.

Quelle: RP
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