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Brüggen
Spielplatz weicht nicht für Flüchtlingsbau

Brüggen: Spielplatz weicht nicht für Flüchtlingsbau
Den Spielplatz an der Ecke Buchenweg/Lindenweg in Brüggen wollte die Gemeinde mit einem Mehrfamilienhaus für Flüchtlinge bebauen. FOTO: Busch
Brüggen. Die Fläche an der Ecke Buchenweg/Lindenweg in Brüggen wird nun doch nicht für ein Gebäude genutzt, in dem Asylsuchende untergebracht werden. Anwohner hatten die Entscheidung des Gemeinderats massiv kritisiert Von Birgit Sroka

Voll besetzt war das Brüggener Pfarrzentrum St. Nikolaus bei der Bürgerversammlung am Montagabend, nur wenige Stühle blieben frei. Die Gemeindeverwaltung hatte zur Versammlung eingeladen, um die Bürger über den aktuellen Stand der Planungen für die Fläche an der Ecke Buchenweg/Lindenweg zu informieren, auf der sich ein Spielplatz befindet. Dort wollte die Gemeinde ein Mehrfamilienhaus errichten, in dem zunächst Flüchtlinge untergebracht werden sollten.

Direkt zu Beginn der Versammlung erklärte Bürgermeister Frank Gellen (CDU), dass das Vorhaben nicht umgesetzt wird. Die Planungen, die "unter der Hand" vorzeitig bekannt wurden, hatten für viel Wirbel gesorgt. Die Pläne wurden jetzt zu den Akten gelegt: Eine Bebauung des Geländes hätte nicht ohne ein längeres Änderungsverfahren für den Bebauungsplan durchgeführt werden können. Dadurch hätte man dieses Grundstück also nicht schneller bebauen können als andere Flächen.

Gellen machte deutlich, dass es nicht im Interesse der Gemeinde sei, sich mit Hilfe eines Investors "die Taschen voll zu machen". Geplant sei, mit Hilfe von privaten Investoren schnell nachhaltigen Wohnraum mit langfristiger Mietpreisbindung zu schaffen. Zunächst sollen in mehreren Häusern, die gleichmäßig auf das Gemeindegebiet verteilt werden, Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht und die teuren Container, in denen viele Asylsuchende derzeit untergebracht sind, wieder beseitigt werden. Die Container-Situation, so Gellen, stelle einen Raum ohne Privatsphäre dar und biete sozialen Sprengstoff. Der neue Wohnraum hingegen stehe später allen Brüggener Bürgern zur Verfügung.

Die Gemeindeverwaltung hatte von der Politik den Auftrag erhalten, mit potenziellen Investoren Kontakt aufzunehmen und nach möglichen Grundstücken im Gemeindegebiet zu suchen. Die Behauptung, die Politik sei nicht informiert gewesen, wies Gellen zurück und erinnerte an die einzelnen politischen Beratungen dazu. Allerdings informiere sich die Gemeindeverwaltung derzeit bei der Kommunalaufsicht des Kreises, wie in solchen Fällen zu verfahren sei, um die Bürger frühzeitig in die Planungen einzubeziehen.

Doch man wolle nicht jedes Mal "die Pferde scheu machen", wenn ein neues Gelände ins Gespräch komme und es dazu noch keine konkreten Planungen gebe. So wurden beispielsweise mit etlichen Firmen Gespräche geführt, Grundstücke in Augenschein genommen und Bebauungspläne studiert. "Es gab nur wenige Stellen, an denen unmittelbar hätte gebaut werden können", so der Bürgermeister. Er machte deutlich: "Wir sind in zeitlicher Not, wir müssen beginnen."

Gegen das Vorhaben der Gemeinde gab es in den vergangenen Tagen massiv Kritik. Erwin Nasarzewski vertritt eine Gruppe von Anwohnern, die sich gegen die Pläne zur Wehr setzen. Er bemühte sich, in einer kurzen Rede die Wogen etwas zu glätten und bat die Gemeindeverwaltung: "Nehmen Sie die Kuh vom Eis." Nach wie vor halte er eine frühzeitige Bürgerbeteiligung für wichtig - nach seiner Erfahrung werde eine spätere Einbeziehung der Bürger nicht mehr viel bringen. "Die ganze Aufregung wäre uns und der Verwaltung erspart geblieben", so Nasarzewski, es gebe ja jetzt doch Alternativen. Er bedauere auch, dass die Anwohner den Spielplatz in der letzten Zeit links liegengelassen hätten, wie auch die Verwaltung. Nasarzewski: "Das soll sich in Zukunft ändern!"

Doch noch herrscht in Brüggen keine heile Welt. Das zeigte ein Wortbeitrag eines weiteren Anwohners: Alexander Führes ließ ein Donnerwetter gegen die Verwaltung und die Politik los und drohte an, die Politiker würden sich bald die Augen reiben, wenn die nächsten Wahlen anstünden. Den Protest der Anwohner kündigte er als "Anfang des Widerstands" an und begründete dies damit, dass Familien, die sich ihr Häuschen erspart und mit Krediten angeschafft hätten, für einen Wertverlust der Immobilie nie eine Entschädigung erhalten würden, wenn in der Nachbarschaft eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden würde. Gellen versuchte zu beruhigen und zeigte Verständnis, dass Führes die Rede sicherlich in einer emotional aufgewühlten Phase geschrieben habe. Für seinen Wortbeitrag erhielt der Anwohner aus dem Publikum sowohl Applaus als auch Buh-Rufe.

Gellen forderte schließlich die Bürger auf, nach geeigneten Grundstücken Ausschau zu halten und nicht zu zögern, der Gemeindeverwaltung Ideen mitzuteilen. Nicht infrage beispielsweise kommt das ehemalige Odlo-Gebäude im Gewerbegebiet: Man habe mit Odlo schon Gespräche geführt, das Gebäude stehe aufgrund kurzfristiger anderer Pläne nicht mehr zur Disposition. Gellen wünschte sich einen fairen und kooperativen weiteren Weg und einen vernünftigen Abwägungsprozess.

Quelle: RP
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