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Schwalmtal
Spielplatz weicht nicht für Flüchtlingshaus

Schwalmtal: Spielplatz weicht nicht für Flüchtlingshaus
Die Gemeinde hatte der GWG das Grundstück am Pfadfinderheim vorgeschlagen, um dort ein Mehrfamilienhaus zu bauen, in dem Flüchtlinge untergebracht werden können. Auf dem Grundstück befindet sich derzeit ein Spielplatz. FOTO: Busch
Schwalmtal. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) für den Kreis Viersen möchte in Schwalmtal zwei Mehrfamilienhäuser bauen. Dort sollen zunächst Flüchtlinge untergebracht werden. Geplant sind die Häuser für Hehler und Waldniel. Von Birgitta Ronge

Seit Monaten bemüht sich die Gemeinde Schwalmtal, mehr Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. Wunsch aus Verwaltung und Politik war es immer, die Asylsuchenden nicht in großen Unterkünften an einer Stelle unterzubringen, sondern über das Gemeindegebiet auf Häuser und Wohnungen verteilt. Man war sich einig, dass die dezentrale Art der Unterbringung zum einen die Integration fördere, zum anderen das Konfliktpotenzial verringere, das durch große Unterkünfte entstehen kann.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Allerdings ist der Wunsch nur teilweise in Erfüllung gegangen: Die Unterkunft am Vogelsrather Weg gibt es immer noch, obwohl mehrfach überlegt worden war, ob man diese nicht auflösen könnte. Der Plan, Asylsuchende in ehemaligen Briten-Häusern unterzubringen, ging auf - allerdings nutzt die Gemeinde dafür jetzt mehrere Häuser am Zoppenberg, so dass letztlich von einer dezentralen Unterbringung keine Rede sein kann. Im Naafi-Gebäude an der Dülkener Straße sollen rund 150 Menschen untergebracht werden, zwei Flächen auf dem Rösler-Gelände hat die Gemeinde nun ebenfalls ins Auge gefasst.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt weiter. 350 Asylsuchende leben derzeit in Schwalmtal, bis Jahresende werden es vermutlich 500 sein. Anhand aktueller Prognosen geht die Verwaltung für das kommende Jahr von etwa 850 aus. Mehrere hundert Plätze fehlen also derzeit noch. Dies erläuterte Bernd Gather, Planungsamtsleiter und allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, in der Sitzung des Ausschusses für Planung, Umwelt und Verkehr am Dienstagabend. Ziel sei es weiterhin, Asylsuchende nicht in Turnhallen unterzubringen, keine Zelte aufzustellen. Es gelte weiterhin, Flüchtlinge dezentral unterzubringen, so Gather: "Je mehr Menschen wir an einer Stelle unterbringen, desto größer ist das Konfliktpotenzial." Die Gemeinde stehe "mit dem Rücken zur Wand", sagte er: "Wir müssen jeden Weg gehen, um die humanitäre Unterbringung der Menschen zu gewährleisten."

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Seine Worte waren eine Einleitung zur Vorstellung eines Projekts, das die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) für den Kreis Viersen in Schwalmtal umsetzen will. Das Angebot hat die GWG mehreren Kommunen unterbreitet, in Brüggen soll das Projekt am Eichenweg umgesetzt werden. Die Idee: Die GWG baut ein Mehrfamilienhaus auf einem Grundstück, das die Gemeinde zur Verfügung stellt und das sofort bebaut werden kann. Die Wohnungen vermietet die GWG für eine bestimmte Zeit an die Gemeinde, damit diese dort Flüchtlinge unterbringen kann. Für Schwalmtal im Gespräch ist eine Frist von zehn Jahren. Danach "ertüchtigt" die GWG die Gebäude, setzt etwa Aufzüge ein, baut Balkone an. Dann werden die Wohnungen auf dem freien Markt vermietet. Dieter Thelen, Vorstand der GWG, betonte im Ausschuss, dass die GWG hochwertige Gebäude baue: "Es werden keine Behelfsbauten errichtet."

Die Gemeindeverwaltung fand zwei Grundstücke für diesen Zweck: eines am Fischelner Weg in Hehler, gleich neben dem Pfadfinderheim, eines an der Heerstraße in Waldniel. Für das Mehrfamilienhaus in Hehler sind acht Wohneinheiten geplant, für die Heerstraße sind zwölf Wohneinheiten vorgesehen. Zum Standort an der Heerstraße gab es im Ausschuss keine Diskussionen. Es kam nur die Frage auf, ob man neben dem Gebäude nicht vielleicht ein zweites errichten könnte, und der Ausschussvorsitzende Lothar Höckendorf (CDU) schlug vor, diese Idee für 2016 "in der Hinterhand" zu halten. Einstimmig votierten die Ausschussmitglieder dafür, für dieses Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen in Aussicht zu stellen.

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Anders sah das für den Standort in Hehler aus. Zur Sitzung waren viele Zuhörer, auch Pfadfinder in Kluft, erschienen, die die Diskussion aufmerksam verfolgten. Auf dem Grundstück, auf dem das Mehrfamilienhaus errichtet werden könnte, befindet sich ein Spielplatz. Dahinter gibt es eine Fläche, auf der früher Mehrfamilienhäuser standen. Für diese Fläche hatte die GWG im Sommer bei der Gemeinde die Aufstellung eines Bebauungsplanes beantragt, damit dort zwölf Einfamilienhäuser errichtet werden könnten. Der Rat stimmte der Aufstellung eines Bebauungsplans zu, hielt gleichzeitig aber auch fest: "Aufgrund des sich zur Zeit abzeichnenden Mangels an Mietwohnraum wird hier auch die Errichtung von Mietwohnungsbau gewünscht. Der Antragsteller wird gebeten, dieses bei der weiteren Planung zu berücksichtigen."

Daran erinnerte nun auch Thomas Paschmanns (CDU) in der Sitzung am Dienstagabend. Ein Mehrfamilienhaus auf dem Spielplatz könne sich seine Fraktion nicht vorstellen - warum man nicht den Baukörper nach rechts verschieben würde? Wenn dies der Akzeptanz diene, sagte auch Dr. Marco Kuhn (SPD), könne er sich dem Vorschlag gern anschließen. Mit Blick auf den Antrag zur Aufstellung eines Bebauungsplans erklärte GWG-Vorstand Thelen, der Standort sei nicht geeignet, ausschließlich Mietwohnungsbauten zu errichten. Doch die GWG könne auch ihr Grundstück nehmen, um dort das nun geplante Mehrfamilienhaus für Flüchtlinge zu bauen und daneben Grundstücke für Einfamilienhäuser zu planen. Er bat allerdings um Zeit, um zu überlegen, wie die Planung für das Grundstück aussehen solle.

Bei einer Enthaltung votierte der Ausschuss schließlich dafür, das gemeindliche Einvernehmen in Aussicht zu stellen, wenn das Gebäude nicht auf dem Spielplatz errichtet werde, sondern auf der Fläche dahinter. Sind die Pläne erstellt, sollen sie dem Ausschuss zur Beratung wieder vorgelegt werden.

Quelle: RP
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