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Tennis
Arthrose: Umstieg auf linke Hand

Viersen. Der Dülkener Andreas Rawiel spielt schon seit seiner Jugend leidenschaftlich Tennis. Weil ihm seine rechte Hand gesundheitliche Probleme bereitet, wechselte er jetzt kurzerhand den Schlagarm. Von Andreas Koll

Eigentlich gehört Andreas Rawiel mit seinen 59 Jahren zu den besten Senioren-Tennisspielern des Grenzlandes. Und eigentlich der gebürtige Südafrikaner sein Dülkener Tennisteam in diesem Winter als Spitzenspieler in der Niederheinliga anführen. Eigentlich. Denn eine schwere Arthrose im rechten Handgelenk bereitet ihm so große Probleme, dass an Tennisspielen nicht mehr zu denken ist. Eigentlich. Denn Andreas Rawiel ist nicht nur ein großer Tennisfan, sondern er ist auch ein großer Kämpfer, der sich nicht so einfach von seinem Lieblingssport trennen möchte. Deshalb verfolgt der ehrgeizige Vollblutsportler ein unglaubliches Experiment: Er versucht sein Spiel auf seinen linken Arm umzustellen.

Und das funktioniert in der Praxis schon erstaunlich gut. "Ich bin selbst ein wenig überrascht, wie gut die Umstellung auf links schon klappt. Bei jedem Training merke ich, dass es besser geht, dass ich kontinuierliche Fortschritte mache", berichtet Andreas Rawiel. Der Anfang sei schon mühselig gewesen, aber mittlerweile nehme er ganz normal am Mannschaftstraining teil. "Natürlich werde ich mit links nicht mehr mein Leistungsniveau vergangener Tage erreichen. Aber ich bin auch mit links im Team akzeptiert und kann diesen tollen Sport weiter betreiben - und zwar schmerzfrei", sagt der ehemalige Tennislehrer.

Training gibt der frühere Vereinscoach des Dülkener TC freilich nicht mehr, denn er möchte seine Schützlinge nicht mit seinem neuen Spielstil verunsichern. Dafür hat er jetzt deutlich mehr Zeit für sein Fitnessstudio im Herzen Dülkens, in dem er jeden Tag seiner zweiten Leidenschaft nachgeht - der Arbeit und dem Kontakt mit Menschen, die Rat und Anleitung bei der Stärkung von Körper und Geist suchen. Entsprechend lautet auch das Motto des stolzen Vaters eines 20-jährigen Sohnes: "Ein fitter 70-Jähriger ist häufig besser in Form als ein 40-Jähriger. Deshalb 30 Jahre 40 bleiben." Dass dieser Leitsatz nicht von ihm stammt, sondern von dem angesehenen Universitätsprofessor Dr. Wildor Hollmann aus Brüggen, gibt Andreas Rawiel gerne zu. "Es ist ja kein Geheimnis, dass man dem Alter nicht entfliehen kann.

Doch mit dem richtigen Muskeltraining kann man auch im fortgeschrittene Alter viel für seine Gesundheit tun." Dabei könne der Tennissport auch viel Positives bewirken: "Tennis ist eine fantastische Sportart, die man sein Leben lang spielen kann. Nicht nur das Spiel ist toll, sondern auch gesund! Dabei trainiert man alle motorischen Fähigkeiten."

Der Verschleiß seines rechten Handgelenks lässt sich jedoch nicht mit gezieltem Fitnesstraining behandeln. Nach drei schmerzvollen Jahren begleitet von zwei Handgelenksoperationen war die Umstellung auf links die einzige Möglichkeit, weiterhin Tennis zu spielen. Dass ihm dies gut gelingen wird, davon sind auch seine Teamkollegen überzeugt. "Der Andy ist schon kurios. Unglaublich, wie gut er die Umstellung bereits beherrscht. Ich könnte nicht mal eine Vorhand reinschubsen und er schlägt sogar mit links auf", sagt Stefan Remigius, Kapitän der Herren 55 des TC Dülken. Dabei bleibt Andreas Rawiel allerdings realistisch: "Wenn ich in der Freiluftsaison an den unteren Positionen zum Einsatz komme, bin ich sehr zufrieden", betont er. Dafür müsste der Tennisverband aber zunächst seine aktuelle hohe Leistungsklasse LK 8 deutlich nach unten korrigieren. Ein Gutes kann Andreas Rawiel der Umstellung aber dann doch noch abgewinnen: "Endlich sind die Spiele gegen meinen Sohn ausgeglichen und spannend."

Quelle: RP
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