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Lokalsport
Blut abzapfen für eine bessere Fitness

Viersen. Bevor die Verbandsliga-Handballer der SG Dülken in eine dreiwöchige Sommerpause entfleuchten, unterzogen sie sich erstmals einem Laktatstufentest. Mit Hilfe der Ergebnisse sollen sie ihre Grundlagenausdauer auf Vordermann bringen. Von David Beineke

Normalerweise beschäftigt sich Dr. Sven Pieper als Sportwissenschaftler am Olympiastützpunkt Rhein/Ruhr mit der Leistungsdiagnostik bei Hochleistungssportlern. Doch bevor er in der kommenden Woche mit der deutschen Kanu-Nationalmannschaft zusammenarbeitet, machte er am Donnerstagabend noch einen Abstecher nach Viersen, besser gesagt in den Dülkener Stadtgarten. Denn die dortige Spazierrunde in der Nähe des Wasserturms hatte sein in dem Viersener Stadtteil wohnender Kollege Volker Groß dazu auserkoren, um die Handballern der SG Dülken im Rahmen der Saisonvorbereitung einem Laktatstufentest zu unterziehen.

Volker Groß ist Trainingswissenschaftler und Spezialist für videogestützte Leistungsdiagnostik am Essener Olympiastützpunkt. Vor diesem Hintergrund war der 62-Jährige im vergangenen Jahr auf den Kreissportbund Viersen mit der Idee zugegangen, sein Fachwissen und seine Beziehungen zur Unterstützung leistungsorientierter Mannschaften oder Individualsportler im Kreisgebiet einzusetzen. Weil die Resonanz bei den Sportvereinen im Kreis bislang allerdings nicht über Interessensbekundungen hinausging, nutzte Groß seine privaten Verbindungen zur SG Dülken und rannte bei Trainer Niklas Voß offene Türen ein. "Es ist für uns super interessant, mal zu sehen, mit welchen Methoden bei den Profis gearbeitet wird. Das ist mal etwas anderes und eine zusätzliche Motivation für die Jungs", sagte Niklas Voß. Doch die Ergebnisse des Laktatstufentests sollen Voß auch ganz konkret bei seiner Trainingsarbeit unterstützen. Mit Beginn der Sommerferien ist zwar die erste Vorbereitungsphase für die neue Spielzeit abgeschlossen, doch mit Hilfe der am Donnerstag gewonnen Werte erhält jeder Spieler einen individuellen Trainingsplan, mit dem er in der Pause, aber auch noch danach, seine Grundlagenausdauer verbessern soll. "Die Grundlagenausdauer ist das Fundament der Leistungsfähigkeit in der jede Sportart. Je solider es gebaut ist, desto mehr kann man an sportspezifischer Ausdauer drausetzen", erklärte Sven Pieper. Beim Laktatstufentest werden die Sportler einer kontinuierlich steigenden Belastung ausgesetzt, im Stadtgarten mussten die Handballer von Stufe zu Stufe schneller laufen. Anfangs waren es rund sechs Minuten in gemütlichen 7,2 Kilometern pro Stunde, pro Stufe kamen allerdings 1,8 km/h hinzu. Nach jeder Belastung wurde die Herzfrequenz notiert und Blut abgenommen, um die Menge des Stoffwechselprodukts Laktat bestimmen zu können. Somit kann bei der Auswertung das Laktat in Relation zum Herzschlag gesetzt werden. Die daraus abgeleiteten Trainingsempfehlungen haben, vereinfacht gesagt, das Ziel, dass künftig bei gleicher Leistung weniger Laktat als zuvor produziert wird. Der Sportler kann somit länger Leistung erbringen, ohne zu ermüden.

Lennart Greven gehörte zu den wenigen SG-Handballern, die bis in die sechste Belastungsstufe kamen. "Ein solch professionelles Programm habe ich noch nicht mitgemacht. Ich habe vor, meinen Trainingsplan durchzuziehen. Ich hoffe, dass wir dann nächste Saison in den Spielen bis zum Schluss die Konzentration hochhalten können", sagte Lennart Greven. Noch genauer können die Trainingsempfehlungen für die SG-Handballer dadurch werden, dass Volker Groß kürzlich vor und nach einem Testspiel umfangreiche Sprinttests mit ihnen absolviert hat. Groß: "Ich bin jetzt einfach mal auf einen Verein zugegangen, um zu zeigen, was für Möglichkeiten für die Sportler im Kreis Viersen durch die Kooperation mit dem KSB bestehen."

Quelle: RP
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