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Lokalsport
Bobadilla wird zum Ziehvater

Mönchengladbach. Mönchengladbachs neuer Stoßstürmer ist zugleich Hindernis und Hilfe für seinen Landsmann Julio Villalba. Der jungen Argentinier muss mit 18 Jahren in der Fremde zurechtkommen. Von Jannik Sorgatz

Raúl Bobadilla hatte den rechten Knöchel mit grün-weißem Tape bandagiert, als er gestern nach Hause fuhr. Alles halb so schlimm, versicherte der Paraguayer, der sich beim 2:1-Testspielsieg gegen den MSV Duisburg eine Blessur zugezogen hatte. "Wenn die Schmerzen weg sind, kann ich wieder mit der Mannschaft trainieren", sagte er, womöglich schon heute wieder.

69 Minuten dauerte Bobadillas erster längerer Einsatz für Borussia nach seiner Rückkehr. Gemeinsam mit Landsmann Julio Villalba bildete er ein Sturmduo, das sich das Attribut "unangenehm" hart verdiente. Während der 18-Jährige ständig Nadelstiche im Gegenpressing setzte, setzte Bobadilla gekonnt seinen Körper ein. So kam er selbst zum Abschluss oder machte Mandela Egbo bei dessen Pfostenschuss wie eine Tunnelbohrmaschine den Weg frei. "Wir hätten locker fünf, sechs Tore machen können", benannte Bobadilla das Manko des Spiels. So fiel Dieter Heckings Urteil über die Leistung des Stürmers positiv aus, enthielt aber auch eine Einschränkung: "Raúl hat gearbeitet, wie wir es kennen. Aber er muss sich auch belohnen dafür."

Oft wird Bobadilla wohl nicht mit dem zwölf Jahre jüngeren Villalba spielen. Sozial ist Bobadilla ihm eine große Hilfe, sportlich steht er ihm gewissermaßen im Weg. "Ich freue mich für Julio. Er hatte lange nicht gespielt, jetzt 90 Minuten und das richtig gut. Er hat dem Trainer gezeigt, dass er da ist", sagte er. "Ich kenne seine Situation, ich war auch mit 18 alleine in Europa. Das ist nicht einfach. Wenn er mich braucht, bin ich da."

Wichtig sei es, dass Villalba Deutsch lerne und seine Familie bald nachkomme, schob Bobadilla hinterher. Derzeit wohnt der Teenager alleine im Hotel, seine Freundin lebt mit dem sieben Monate alten Sohn in Paraguay. Kaum ein Tag vergeht, ohne großes "Du fehlst mir so!" in den sozialen Netzwerken. "Sein Papa war noch da, jetzt muss ich das übernehmen, obwohl ich ja selber schon meinen Sohn Gabriel habe. Aber Julio ist ein sehr guter Junge", sagte Bobadilla, der nicht nur mit seinen Worten über Villalba den Eindruck unterstreicht, dass er gereift ist. Der alte Bobadilla ist er zweifellos auf dem Rasen. "Man sieht, dass es ein anderes Spiel ist mit ihm - robust und körperbetont, er sichert den Ball, hat aber auch immer eine Idee", sagte Hecking. "Ich denke, dass wir mit ihm absolut richtig liegen." Auch Bobadilla wird letztlich an Toren gemessen werden, Unruhestiften in der gegnerischen Abwehr ist seine zweite Aufgabe - und dann wäre da eben noch sein neuer Ziehsohn.

Quelle: RP
 
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