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Lokalsport
Der Vater kam nicht aus dem Krieg zurück

Viersen. Es war eine schlimme Zeit für Maria Laumen, die am 11. August 1943 ihren Sohn bekam und um ihren Mann Josef bangte, der im Krieg war. "Im Februar 1945 hat sie den letzten Brief von ihm erhalten. Erst Jahre später gab es Gewissheit, als das Rote Kreuz mitteilte, dass niemand wusste, wo mein Vater geblieben war", erzählt Laumen, dem seine Mutter in der Ungewissheit um ihren Mann zwei Vornamen gegeben hatte: Herbert Josef.

"Wir wohnten an der Neusser Straße, meine Mutter hat in Korschenbroich in der Fabrik gearbeitet, um mich durchzubringen", erzählt er. "So hatte ich trotz allem eine ziemlich unbeschwerte Kindheit. Wir haben draußen rumgetobt, zwischen den Trümmern zerbombter Häuser. Und haben bald angefangen, Fußball zu spielen. Torpfosten waren zwei Steine, oft wurde gestritten, ob der Ball drin gewesen war oder nicht."

Herbert, wie ihn alle riefen, machte nach der Volksschule eine Lehre als Buchdrucker - ein angesehener Beruf. Zunächst in der Gladbacher Niederlassung der Firma Bagel an der August-Pieper-Straße, bald aber am Düsseldorfer Stammsitz. Das bedeutete: Er musste morgens in aller Frühe aufstehen, um mit dem Zug nach Düsseldorf zu fahren, und spätestens gegen 14 Uhr zurück, um pünktlich zum Training bei Borussia zu sein. Das blieb auch in den ersten Jahren als Vertragsspieler und den beiden ersten Jahren als Lizenzspieler so. "Abends fiel ich todmüde ins Bett." 1967 musste er sich entscheiden: Profifußball oder ein normaler Beruf. "Bagel hat mir zugesichert, dass ich zurückkommen könnte, wenn es bei Borussia nicht klappen sollte."

Es hat geklappt. Nach dem Ende der Laufbahn im bezahlten Fußball 1976 hat Herbert Laumen noch 30 Jahre in einem "normalen" Beruf gearbeitet ("Zur Person"). Es ist ihm nicht schwergefallen, denn er hatte auch als Profifußballer nie vergessen, "woher ich gekommen bin".

Seit 1975 wohnt er in Wegberg-Beeck, mit seiner Frau Elsbeth, die er 1970 geheiratet hat, drei Tage vor dem 30. April, an dem Borussia zum ersten Mal Deutscher Meister wurde. In Beeck hat er seinen "Tupp-Klub" (ein altes Kneipen-Kartenspiel), dort war er 1987 Minister, als sein Freund Josef Bertrams Schützenkönig war. Bis vor Kurzem hat er in Wegberg Tennis gespielt. Doch das hat er wegen fußballbedingter Probleme aufgeben müssen, ebenso wie das Spiel in Borussias Traditionsmannschaft "Weisweiler Elf", die er 1991 mitgegründet hat und deren "Trainer" er heute ist. Beim Skifahren ist derzeit Pause: "Das will ich aber noch mal versuchen." Ab und zu spielt er Golf mit anderen Ex-Fußballprofis. Doch so recht passt dieser Sport nicht in seine Welt ...

(oes)
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