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Lokalsport
Die Reifeprüfung für Borussias Kapitän

Mönchengladbach. Im Hinspiel erwischt Ingolstadt Granit Xhakas wunden Punkt. Heute im Rückspiel will Borussias Spielführer nachweisen, dass er seine Emotionen im Griff hat und sein zuletzt gereiftes Spiel auch wirklich gefestigt ist. Von Stefan Klüttermann

Wer selbst einmal Fußball gespielt hat, den konnte die Vorgehensweise des FC Ingolstadt an diesem 7. November 2015 nicht überraschen. Die Taktik, die sich der Aufsteiger beim Gastspiel in Mönchengladbach mit Blick auf Granit Xhaka zurechtgelegt hatte, dürfte manchem Amateurkicker zwischen Flensburg und Oberstdorf aus Traineransprachen à la "Männer, den Spielmacher von denen immer schön provozieren. Irgendwann verliert der schon die Nerven" bekannt vorkommen. Und so verlässlich diese freilich nicht gerade auf dem Boden des Fair-Play stehende Idee in der Kreisliga aufgeht, so erfolgreich war sie auch aus FCI-Sicht: Xhaka war an diesem 12. Spieltag früh entnervt, sah am Ende Gelb-Rot, der Aufsteiger nahm ein 0:0 mit. Plan aufgegangen.

Heute nun steht das Rückspiel an. In Ingolstadt. Und die These, dass die Schanzer einmal mehr Xhakas Temperament als Borussias Achillesferse ausgemacht haben, ist keine gewagte. Für Gladbachs Schweizer Spielmacher geht es also vordergründig darum, zu beweisen, dass er diesmal den Provokationen widerstehen kann. Auf den zweiten Blick ist es heute aber eine Reifeprüfung mit Strahlkraft. Gerade in Ingolstadt kann der 23-Jährige nachweisen, dass sein spürbar gereiftes Spiel der vergangenen Wochen eine dauerhafte Weiterentwicklung seiner Qualität auf dem Platz darstellt.

"Es ist nicht so, dass ich mein Spiel verändert habe. Ich gehe ja immer noch in Zweikämpfe, aber ich bin vielleicht ein bisschen cleverer geworden", sagt Xhaka. "Man muss ja irgendwann auch mal aus den vielen Gelben und Roten Karten lernen." In den zurückliegenden Partien, in denen André Schuberts Team die Defensive stabilisierte, hatte Xhakas neue Rolle daran einen großen Anteil. Er nimmt sich neuerdings etwas zurück, er spielt intelligenter, reifer, stärker aus einer absichernden Rolle, eher wie ein "Elder Statesman" als wie eine übermütige Heißdüse. "Granit hat es geschafft, mehr Ausgewogenheit in sein Spiel zu bekommen", sagt Schubert. "Er agiert kontrollierter."

Aus der Tiefe des Raumes spielt Xhaka inzwischen einfacher, weniger provokant, und das, ohne dabei an Aggressivität und Präsenz einzubüßen. Nimmt man das Bild der Fohlenelf, ist er dieser Tage das reifere Pferd, in dessen Obhut sich ein Fohlen wie Mo Dahoud kontrolliert austoben kann. "Wir wissen mit Granit eine Persönlichkeit bei uns unter Vertrag, die nicht umsonst überall in Europa gefragt ist", sagt Sportdirektor Max Eberl. Und gerade die (FC Arsenal), die sich intensiv mit einem kostspieligen Transfer Xhakas beschäftigen, werden genau beobachten, wie gefestigt die Souveränität des Schweizers auf dem Platz inzwischen ist.

Gegen Ingolstadt sah Xhaka zum letzten Mal eine Gelbe Karte. Seitdem steht er bei vier. Es folgte nur noch die Rote Karte gegen Darmstadt, die ein weiteres Mal Zweifel an einem nachhaltigen Reifeprozess des EM-Teilnehmers aufkommen ließen. Doch seitdem hat er einiges dafür getan, Läuterung glaubhaft erscheinen zu lassen. Und gerade deshalb ruhen die Augen heute eben auf ihm. Auf Xhaka. Er selbst gibt sich allerdings ziemlich gelassen. "Wir wissen ja, was sie vorhaben. Im Hinspiel haben wir uns auf ihre Provokationen eingelassen und uns nicht auf Fußball konzentriert. Das war nicht der richtige Weg", sagt er. Und dann sagt er noch: "Wenn wir gewinnen, kann Ingolstadt uns so viel provozieren, wie es will. Dann lachen wir darüber." Das klang sehr reif.

Quelle: RP
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