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Lokalsport
Dominguez und die mentale Reha

Viersen. Nach der erneuten Rücken-OP wird die psychische Last zunehmend ein Aspekt beim Spanier. Von Stefan Klüttermann

Mönchengladbach Am Status Quo ändert sich streng genommen nichts. Alvaro Dominguez steht Borussia weiterhin seit November wegen andauernder Rückenprobleme auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung. Doch, dass der Spanier nun ein zweites Mal binnen zwölf Monaten am Rücken operiert werden musste, dürfte aus dem "auf absehbare Zeit" wieder mal Monate werden lassen. Die Hinrunde scheint gelaufen, doch die Hinrunde war schon länger nicht mehr der Zeitraum, in dem im Fall Dominguez gedacht wird. Niemand im Verein oder aus dem Umfeld des Spielers, auch nicht Dominguez selbst nahm bislang öffentlich das Wort "Sportinvalidität" in den Mund, aber mit jedem Rückschlag, den der Rücken des 27-Jährigen bei dem Versuch signalisiert, ihm die Belastung des Leistungssports zuzumuten, scheint eine Rückkehr des Innenverteidigers auf den Fußballplatz unwahrscheinlicher.

Was hinzukommt: Mit jedem Rückschlag, jeder Therapie, jeder Operation und vor allem mit der Aussicht auf ein Andauern der bereits monatelangen Reha-Bemühungen rückt immer stärker die Frage in den Vordergrund, wie der Mensch Alvaro Dominguez eigentlich die mentale Belastung der körperlichen Dauerversehrtheit meistert. Dass es diese psychische Komponente gibt, daran haben Experten keinen Zweifel. "Bei einer Reha geht es nicht nur darum, sich körperlich zu erholen. Man muss auch die mentale Verfassung im Auge behalten", sagt Marion Sulprizio, Diplom-Psychologin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Warum wird es nicht besser? Warum war es besser, und als ich im Sommer wieder ins Mannschaftstraining wieder eingestiegen bin, brach alles wieder auf? Wann hören die Schmerzen endlich auf? Wie viel Reha noch? Warum ich? - Das alles sind Fragen, die Dominguez durch den Kopf gehen werden. Es sind schließlich Fragen, die nicht nur seine berufliche Karriere als Profi betreffen, sondern auch die Lebensqualität in der Zeit danach. "Man kann Körper und Kopf in der Reha nicht trennen. Die Seele muss auch gesund werden", sagt Sulprizio.

Wer in solch einer Leidenszeit vom Naturell her eher ein Grübler ist, einer der viel in sich hinein horcht, viel reflektiert, Szenarien entwickelt - also jemand wie Dominguez -, der hat es nicht gerade leichter, als jemand, der vieles von sich weghalten kann. "Eine lange Verletzungszeit, und ganz besonders Rückschläge in dieser Verletzungszeit, können durchaus zu einer depressiven Verstimmung oder im schlimmsten Fall zu einer Depression führen", sagt Sulprizio.

Dass sie bei Borussia diese mentale Seite von Dominguez' Genesung auf dem Schirm haben, steht außer Frage. Rehatrainer Andy Bluhm betont stets die psychische Seite seiner Arbeit, zudem lässt der Verein Dominguez, wann immer der will, in seiner Heimat behandeln oder gestattet Vertrauten von ihm ein Mitwirken am Niederrhein. Doch gegen das Gefühl, nicht mit den Kollegen auf dem Trainingsplatz stehen zu können, kann auch Borussia nur bedingt etwas tun. "Der Mensch ist ein soziales Wesen, und für jemanden, der sich für einen Mannschaftssport entschieden hat, ist es die größte Frustration, alleine in der Reha arbeiten zu müssen", sagt Sulprizio.

Im Fall Dominguez geht es nicht mehr um die Frage, wann er wieder fit ist. Es geht längst schon um die Frage, was von dieser Verletzung nachhaltig hängen bleibt.

Quelle: RP
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