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Spieler Des Tages
Ein Weltenbummler in Sachen Fußball

Viersen. Blerim Rrustemi hat den Landesligisten Nettetal in Goch zum Sieg geschossen. In seiner Karriere ist er weit herumgekommen. Von Klemens Zirngibl

Nettetal Blerim Rrustemi hat während seiner Fußball-Karriere schon eine Menge erlebt. Dass er ein Spiel mit zwei Toren fast im Alleingang entscheidet, ist für den 32-Jährigen dennoch eine eher ungewöhnliche Situation. Denn der erfahrene Defensivspezialist ist vornehmlich für das Verhindern von Toren zuständig. Doch im Landesliga-Spiel des SC Union Nettetal bei Viktoria Goch brachte sein Doppelpack am Ende den knappen 3:2-Sieg der Nettetaler. Dabei hatten sie zur Halbzeit schon mit 2:0 geführt: "Die erste Halbzeit war wieder sehr gut, doch in der zweiten Hälfte wurden wir nach einer Roten Karte zu hektisch", analysiert Rrustemi. Das spiegelte sich dann auch im Ergebnis wider - Viktoria Goch erzielte in der 77. Minute den Ausgleich, ehe Blerim Rrustemi kurz vor Schluss doch noch der Siegtreffer gelang. "Wir taten uns wirklich schwer wieder zurückzukommen. Umso schöner, dass wir trotzdem noch gewonnen haben", sagt Rrustemi.

Dass er überhaupt jemals für Nettetal seine Fußballschuhe schnüren würde, war am Anfang seiner Karriere noch nicht abzusehen. Am 4. Februar 1983 in Vushtrri geboren, startete sein Werdegang im Kosovo, wo er mit dem Fußball das erste mal in Berührung kam. Mit 15 Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach Kanada aus und spielte schließlich für Toronto Supra Portuguese. "Dort habe ich die Familie des uruguayischen Weltklassestürmers Diego Forlán kennengelernt. Die hat mich auch bei meiner weiteren Karriere unterstützt", erzählt Rrustemi. So kam er auch nach Uruguay zum Defensor Sporting Club, wo er sogar ein paar Erstliga-Einsätze absolvierte. Zu Forlàn und seiner Familie hat er deshalb auch heute noch einen guten Kontakt. "Doch ich wollte nach Europa, mein Traum war es, vielleicht sogar einmal in der Bundesliga zu spielen. Außerdem habe ich nach der langen Zeit meine Familie vermisst", erinnert er sich. Da sein Bruder zu der Zeit in Mönchengladbach wohnte, entschloss er sich zu einem dreimonatigen Probetraining bei Borussias Reserve. Dort wusste er zu überzeugen und bekam schließlich einen Amateurvertrag angeboten.

Es sah danach aus, als könnte sein Traum von der Bundesliga tatsächlich Realität werden, sogar für die albanische Nationalmannschaft wurde Rrustemi nominiert. Dabei absolvierte er neben einem Freundschaftsspiel gegen England auch zwei Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Die Gegner hießen damals Slowenien und Weißrussland - letzterer mit einem gewissen Alexander Hleb im Kader, der nur ein Jahr später seinen Wechsel von Arsenal London zum FC Barcelona bekanntgab. Obwohl Blerim Rrustemi in diesen beiden Spielen sogar jeweils in der Startelf stand, kamen keine weiteren Einsätze für Albanien mehr hinzu. Zwar bemühte er sich damals als Regionalliga-Spieler von Borussia Mönchengladbach lange um ein höherklassiges Engagement in Deutschland, doch das blieb erfolglos. So entschied er sich zu einem Wechsel nach Dänemark zum damaligen Erstligisten AC Horsens. Doch dort kam er nicht zum Zug. "Durch den späten Wechsel fehlte mir die Fitness. Zwar hab ich gewartet, aber nie so richtig eine Chance bekommen", berichtet Rrustemi. Trotz des Absprungs zu Rot-Weiß Erfurt, zurück in die Regionalliga, fand er nicht mehr seine Bestform. "Von da an ging es leider eher immer weiter bergab", erzählt Rrustemi. Bei einem Engagement in Zypern wurde ihm sogar sein vertraglich zugesichertes Gehalt nicht gezahlt. "Eigentlich bin ich nicht der Typ für viele Wechsel, aber ich wollte noch etwas erreichen. Und so sah ich mich oftmals gezwungen, mir einen neuen Verein zu suchen" sagt Rrustemi.

Doch sportlich ist er deswegen noch lange nicht am Ende. "Ich habe noch Lust auf Fußball", betont er. Mit den Nettetalern hat er noch hohe Ziele: "Wir haben viel Qualität in der Mannschaft und wollen die Saison als Erster oder Zweiter beenden." Aktuell steht Nettetal auf Platz drei der Tabelle. Wenn es die Union jetzt noch schafft, mehr "Stabilität in der zweiten Halbzeit reinzubekommen", könnte das klappen.

Quelle: RP
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