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Leichtathletik
Ein ziemlich schmutzige Angelegenheit

Leichtathletik: Ein ziemlich schmutzige Angelegenheit
Der Moment als es frisch wurde: RP-Sportredakteur David Beineke (vorne) robbt bei der Team-Cross-Challenge durch das Schlammloch, sein Sohn folgt hinten rechts. FOTO: Anja Beineke
Brüggen. Am Sonntag richtete TuRa Brüggen zum zweiten Mal die Team-Cross-Challenge aus. Auch RP-Sportredakteur David Beineke versuchte sich auf völlig ungewohntem Terrain und entdeckte den Reiz solcher Laufveranstaltungen. Von David Beineke

Auch wenn die Temperaturen am Sonntag in Brüggen hochsommerlich waren, Überwindung kostete es schon, sich auf der Sportanlage auf dem Vennberg in das Wasserloch zu stürzen, über das ein Netz gespannt war und in dem eine braune Brühe auf die Läufer wartete. Und in der Tat war es dann im ersten Moment recht unangenehm, zu spüren, wie das kühle Nass einem samt Matsch ins Gesicht spritzte, anschließend die dafür nicht ausgelegte Barriere der Laufklamotten durchdrang und mit der Haut in Berührung kam. Spätestens an diesem Punkt der Strecke waren die Teilnehmer bei der 2. Team-Cross-Challenge angekommen und hatten die Gewissheit: Viel schlimmer kann es nicht mehr werden.

Das Wasserbecken war das letzte Hindernis, bevor es wieder zurück zum Start-Ziel-Bereich auf dem Aschenplatz ging. FOTO: Franz-Heinrich Busch

Wurde es auch nicht, im Gegenteil. Als ich den ersten Schock überwunden und die vollgesogene Laufhose so fixiert hatte, dass sie nicht wieder herunterrutschen konnte, stieg die Spannung auf die restlichen Hindernisse. Wobei ich erst einmal zu Atem kommen musste. Denn bei einem Hobbysportler wie mir, der es gewohnt ist, kontinuierlich und gleichmäßig zu laufen, gerät das Herz-Kreislauf-System bei so plötzlichen Unterbrechungen doch ziemlich in Unordnung. Hinzu kam, dass ich meinen Sohn nicht aus den Augen verlieren durfte, denn beim Familienlauf kommt es schließlich darauf an, nach zwei Runden gemeinsam die Ziellinie zu überqueren. So liefen wir mit geringem Abstand durch das Pfadfinder-Wäldchen und näherten uns den nächsten Hindernissen, die wir uns im Vorfeld beim einem Rundgang zumindest schon mal angeschaut hatten. Am spektakulärsten waren dann noch der Kletterhügel, bei dem wir unter einer Plane im Dunkeln einen durch fließendes Wasser aufgeweichten Hügel nach oben krabbeln mussten, und ein Becken mit kniehohem Wasser, das wir wahlweise schwimmend oder laufend durchqueren konnten. Die Organisatoren hatten offenbar ihr Versprechen gehalten, dass es nasser und matschiger werden würde als bei der Premiere im Vorjahr.

Da war ich zwar selbst nicht dabei, doch schon damals hatte mir die Idee sehr gut gefallen, abseits der zahlreichen Volksläufe im Grenzland mal etwas völlig Neues auszuprobieren - angelehnt an diverse Strongman- und Tough-Mudder-Läufe, die in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erleben und dementsprechend in ganz Deutschland angeboten werden. Als dieser Trend aufkam, habe ich mich immer gefragt, was einen Menschen dazu bewegen kann, sich freiwillig solchen Strapazen in Verbindung mit so viel Schmutz auszusetzen. Da war es einfach eine perfekte Gelegenheit, der Antwort auf diese Frage in der Burggemeinde in kleinerem und vor allem familiärerem Rahmen als bei den Großveranstaltungen mit teils Tausenden von Teilnehmern zu suchen. Und siehe da, als mein Sohn und ich nach zwei kräftezehrenden Runden das Ziel durchnässt und schmutzig, aber zufrieden erreicht hatten, dämmerte es mir: Bei solchen Läufen finde ich als Erwachsener eine sportliche Herausforderung ohne großes Konkurrenzdenken und kann dabei wieder ein bisschen Kind sein - ungehemmt im Dreck spielen, ohne dabei aufzufallen.

Quelle: RP
 
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